Rock, Jazz oder ein ganz anderes Genre? Bundeskanzler Olaf Scholz verabschiedet sich musikalisch. Seine Vorgängerin wählte ein Lied aus der Kirche.
Berlin – Mit welchem Song würden Sie Olaf Scholz‘ Zeit als Kanzler zusammenfassen? „Hard Times“ von Paramore, weil er die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg als Herausforderungen zu bewältigen hatte? „Bad Friend” von Rina Sawayam, weil die Ampel-Koalition wegen FDP-Ex-Minister Christian Lindner so krachend scheiterte? Oder doch „Smile“ von Nat King Cole, weil sich Scholz trotz all der Schwierigkeiten doch sein Lächeln nicht nehmen ließ? Am 5. Mai werden die Deutschen erfahren, mit welchen drei Stücken sich ihr Kanzler verabschiedet.
Scholz wird verabschiedet: Großer Zapfenstreich für den Bundeskanzler
Als Gerhard Schröder seinen Abschied nahm, erklang „I Did It My Way“ von Frank Sinatra. Nun steht Scholz vor seinem Großen Zapfenstreich. Traditionell wird der Bundeskanzler so verabschiedet. Der Termin steht nun, einen Tag bevor Friedrich Merz am 6. Mai als neuer Bundeskanzler gewählt werden soll, wie der Tagesspiegel berichtet. Welche Musikstücke Scholz für seine Abschiedsfeier auswählt, bleibt jedoch noch ein Geheimnis.
Der Große Zapfenstreich für den Bundeskanzler ist eine Ehre mit langer Tradition. „Dem scheidenden Bundeskanzler steht ein Großer Zapfenstreich zu“, erklärte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums. Diese Zeremonie soll auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks in Berlin stattfinden. „Mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedet sich die Bundeswehr vom Bundeskanzler, weshalb auch der Generalinspekteur der Bundeswehr neben dem Ehrengast und dem Gastgeber auf dem Podest stehen würde.“ Die Einladung an die Bundeswehr erfolgt durch den Verteidigungsminister.
Musikauswahl des scheidenden Kanzlers Olaf Scholz bleibt ein Geheimnis
Der Große Zapfenstreich „nimmt auf dem vielfältigen Gebiet der deutschen Militärmusik eine besondere und herausragende Stellung ein“, so die Bundeswehr in einem Informationsblatt. „Diese feierliche Abendmusik mit ihrer Abfolge von Trommel und Pfeifenstücken, Reitersignalen und dem ‚Gebet‘ trägt bis auf den heutigen Tag die beiden großen ungebrochenen Traditionen deutscher Militärmusik in sich: die Trommeln und die Pfeifen, also das ‚Spil‘ der Landsknechte sowie die Trompeten und Pauken der Reiterei.“
Zuletzt wurde Angela Merkel im Jahr 2021 mit dieser Ehre bedacht. Doch die Musikauswahl von Scholz bleibt vorerst ein Rätsel: „Die persönliche Auswahl der Musikstücke ist noch nicht bekannt und wird vor dem Zeremoniell nicht kommuniziert“, so das Verteidigungsministerium.
Hinweise auf die musikalischen Vorlieben von Olaf Scholz: Er mag Rock, Klassik und Jazz
Es gibt jedoch Hinweise auf Scholz‘ musikalische Vorlieben. In einem Interview mit dem Musikmagazin Rolling Stone erwähnte Scholz, dass er Rock, Jazz und Klassik schätze. Ein Lieblingsalbum wollte er jedoch nicht benennen. In demselben Interview nannte er „Don‘t stop thinking about tomorrow“ von Fleetwood Mac als passenden Wahlkampfslogan.
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Bei Merkel erklang ausschließlich deutsche Musik. Am 2. Dezember 2021 spielte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen, das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ und „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“.
Schröder überließ die Musikauswahl beim Großen Zapfenstreich seiner Frau Doris Schröder-Köpf. Sie wählte „Moritat von Mackie Messer“ aus der „Dreigroschenoper“, „Summertime“ von George Gershwin aus der Oper „Porgy and Bess“ und „My Way“.
Verabschiedung von Kanzler Scholz: Großer Zapfenstreich hat eine lange Tradition
Der Begriff Zapfenstreich stammt aus der Zeit der Landsknechte, so das Verteidigungsministerium. Im Jahr 1596 wurde erstmals ein Abendsignal mit dem „Zapfenschlag“ in Verbindung gebracht. „Mit einem solchen Schlag beziehungsweise Streich auf den Zapfen eines Fasses gab der Profos (Verwalter der Militärgerichtsbarkeit) das Signal zur Nachtruhe, die unbedingt einzuhalten war. Von diesem Zeitpunkt an durfte der Wirt keine Getränke mehr ausgeben, die Landsknechte hatten sich in ihre Zelte zu begeben und Ruhe zu halten.“ Verstöße gegen diese Regelung seien „exemplariter abgestraffet“ worden, wie es in einem Dokument des Ministeriums heißt.
Das heutige Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs geht laut Ministerium auf die Befreiungskriege (1813 – 1815) zurück. Aus dieser Zeit stammt der Brauch, nach dem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied zu spielen. König Friedrich Wilhelm III. ordnete im August 1813 unter dem Eindruck eines russischen Brauchs an, dass auch bei seinen Truppen nach dem Zapfenstreich ein Gebet folgen solle.