Schlagerstar rechnet mit Branche ab: „Nur noch ein Kommen und Gehen“

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Eine Schlager-Ikone übt harsche Kritik an der Musikindustrie. Ihre Abrechnung mit der Branche sitzt – und trifft einen wunden Punkt.

Hamburg – Claudia Jung zählt zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen. Seit den späten 1980er Jahren prägt die heute 61-Jährige die Branche; sie wurde für ihr Schaffen mit zahlreichen Gold- und Platin-Auszeichnungen bedacht.

Sängerin Claudia Jung während Proben zum Musik Open Air „Wenn die Musi spielt“ am 14.06.2024
Der bürgerliche Name von Claudia Jung ist Ute Singer (geborene Krummenast). © IMAGO/STAR-MEDIA

Doch in einem aktuellen Interview mit Das Neue Blatt rechnet die Künstlerin nun schonungslos mit der Schlagerszene ab. Ihr Urteil fällt deutlich aus: Die Zeiten nachhaltiger Karrieren seien vorbei. Künstler würden heute beliebig ausgetauscht. Streaming habe das Geschäft radikal verändert – nicht zum Besseren, wie Jung betont. Ihre Kritik geht weit über nostalgische Verklärung hinaus.

Claudia Jung sieht Entwicklung im deutschen Schlager kritisch: „Nur raushauen, raushauen“

„Gerade in der heutigen Zeit ist das, glaube ich, gar nicht mehr möglich, Karrieren auf die Beine zu stellen, die so eine lange Halbwertszeit haben“, erklärt Claudia Jung in dem Gespräch. Sie selbst habe noch das Glück gehabt, zu einer anderen Zeit begonnen zu haben. Damals seien Hits entstanden, die sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt hätten. Heute dominiere eine andere Logik: „Es ist nur raushauen, raushauen, weil Streaming viel wichtiger geworden ist als Radio.“ Die Sängerin sieht darin einen fundamentalen Bruch mit der Vergangenheit der Schlagermusik.

Besonders drastisch formuliert Jung ihre Prognose für die Zukunft der Branche. „Ich traue mich fast zu sagen, dass Helene Fischer oder Beatrice Egli vielleicht die Letzten sind, die wirklich noch in die Zeit reingeschossen sind, dass man in ein paar Jahren noch von ihnen hört“, so die 61-Jährige im Interview. Alle anderen Künstler erlebten lediglich ein kurzes Gastspiel: „Ansonsten ist alles nur noch ein Kommen und Gehen.“ Diese Einschätzung deckt sich mit Beobachtungen, die Jung bereits 2025 im Podcast „Keiner ist schlagerfrei“ teilte. Damals kritisierte sie die zunehmende Austauschbarkeit der Interpreten scharf.

Neben strukturellen Problemen bemängelt Claudia Jung – wie andere Kollegen vor ihr – auch inhaltliche Entwicklungen. „Ich mag ganz besonders die Texte, die so ein bisschen Kopfkino anmachen, die Stories erzählen“, erklärte sie in dem Podcast. „Wenn der Text jetzt sehr einfach gehalten ist und sich ständig wiederholt, finde ich das mit der Zeit ermüdend und langweilig.“ Sollte es nur noch in diese Richtung gehen, sei das schade. Noch deutlicher wird die Sängerin bei einem anderen Thema: „Außerdem finde ich den ständigen Aufruf zum Saufen, also zum Alkoholmissbrauch, sehr fragwürdig in der heutigen Zeit.“ Mit dieser klaren Positionierung grenzt sich Jung von einem Trend ab, bei dem Alkohol zunehmend besungen wird. Ein anderer Schlagerstar verteidigte diese Art von Hits dahingegen jüngst. Verwendete Quellen: Das Neue Blatt (03/2026), radiopaloma.de, mdr.de

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/boulevard/schlagerstar-rechnet-mit-branche-ab-ein-kommen-und-gehen-zr-94125211.html