Großer Wirbel um Circus Alessio

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Ungewohnte Kulisse: Dromedare auf einer Wiese in Indersdorf. Die Wüstentiere gehören Tina Kaiser, die mit ihrem Circus Alessio gerade in der Marktgemeinde gastiert. © hr

Harter Start: Der Wanderzirkus Alessio, der gerade in Indersdorf Station macht, kämpft gegen Anfeindungen aus der Bevölkerung und gegen die Bürokratie.

Indersdorf – Am vergangenen Wochenende hat der Circus Alessio in Indersdorf Quartier bezogen – entgegen vieler Widerstände. Zunächst hatte der Pachtvertrag, den die Zirkusinhaberin mit dem Grundstückseigentümer geschlossen hat, keine Gültigkeit. „Auch die Nachbarn haben uns angefeindet“, berichtet Zirkus-Chefin Tina Kaiser. Zu guter Letzt schauten Polizei und Veterinäramt vorbei, weil diese Hinweise bekommen hätten, dass Verstöße gegen den Tierschutz vorliegen. Nach ein paar aufregenden Tagen sei nun zwar alles geregelt, und die Gemüter haben sich beruhigt. „Aber sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Tina Kaiser.

Schon vor Monaten habe sich ihre Mutter um den Platz in Indersdorf bemüht, berichtet Kaiser. Und nachdem es in der Marktgemeinde keine geeigneten gemeindlichen Grundstücke gebe, habe sie das Privatgrundstück an der Ecke Maroldstraße/Römerstraße 4 entdeckt. Sie sei an den Eigentümer des Wiesengrundstücks, eine Gesellschaft mit Sitz in München, herangetreten, gängige Praxis, so Kaiser. „Wir haben mit einem Mitarbeiter einen Vertrag geschlossen über unseren Aufenthalt in Indersdorf.“ Sie habe Platz und Kaution bezahlt. Das Problem: Der Mitarbeiter hatte keine Berechtigung, diesen Vertrag zu schließen, wie Klaus Mayershofer, Hauptamtsleiter der Gemeinde Indersdorf, erklärt.

Und so flatterte dem Zirkus am vergangenen Freitag, zwei Tage vor der geplanten Anreise der ersten Tiere, ein Schreiben von einem Rechtsanwalt ins Haus, mit einer Aufhebung des Vertrags. „Es hieß, wir dürfen nicht kommen“, so Tina Kaiser. „Aber wo sollten wir denn hin? Wir können uns ja mit unseren 50 Tieren nicht in Luft auflösen!“

So reiste der Zirkus mit seinen 30 Wagen an, die ersten Transporte kamen am Sonntag. Tina Kaiser fragte bei Nachbarn um Wasser, wie das üblich sei, bevor die Wasserversorgung über den Hydranten aufgebaut werde. „Wir hätten ordnungsgemäß mit Wasserzähler abgerechnet und dafür bezahlt“, sagt die 37-Jährige. Aber sie erhielt eine Abfuhr. Es folgten im Laufe der Tage sogar Beschimpfungen von Nachbarn, „sowas habe ich noch nicht erlebt“! Zur Versorgung ihrer Tiere hatte sie noch zwei große Wassertanks dabei, außerdem halfen andere Nachbarn aus.

Dann tauchte die Polizei auf, berichtet Tina Kaiser, es sei ein Anruf gekommen, dass die Tiere kein Wasser bekommen. Die Polizei überzeugte sich vom Gegenteil, rückte wieder ab.

Das gleiche Spiel mit dem Veterinäramt. Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamtes, berichtet: „Am Abend des 11. August ging beim Veterinäramt eine Beschwerde ein, wonach Tiere eines derzeit im Landkreis gastierenden Zirkus keinen Schatten hätten.“ Eine Amtstierärztin habe am Dienstag eine kurze Tierschutzkontrolle vor Ort durchgeführt, „dabei konnten keine tierschutzrechtlichen Mängel festgestellt werden“. Unabhängig von solchen einzelnen Hinweisen führt das Veterinäramt laut Török grundsätzlich Kontrollen bei Wanderzirkussen durch. Im Laufe dieser Woche werde daher eine umfassende Tierschutzkontrolle stattfinden. Damit hat Tina Kaiser kein Problem. „Das Wohl der zwei- und vierbeinigen Partner steht an erster Stelle“, wie auf der Internetseite des Circus zu lesen ist.

Am Dienstag gab es dann auch eine Einigung mit dem Grundstückseigentümer, wie die Gemeinde mitteilt. Laut Klaus Mayershofer liegt dem Eigentümer auch viel am Tierwohl, sodass der Zirkus bleiben darf.

Die Tiere dürfen jetzt also mit offizieller Genehmigung auf den Wiesen grasen, in der Sonne ruhen und gerne besucht und besichtigt werden. Knapp zwei Wochen lang bleiben Tina Kaiser und ihre Familie mitsamt den Tieren und Angestellten noch in Indersdorf. „Dann ziehen wir wieder weiter, und dann geht es uns wieder besser.“

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