1860-Investor Ismaik will „Atmosphäre des Friedens“ – und holt früheren Erzfeind ins Boot

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Immer was los, wenn er seinen Verein besucht: Hasan Ismaik am Steuer einer Limousine – mit Zigarre in der Hand. © Stefan Matzke

Hasan Ismaik verkündet ganz beiläufig das Aus seines bisherigen Aufsichtsrats. Stattdessen setzt er auf einen Nachfolger, der auf den ersten Blick Verwunderung auslöst.

München – Beim TSV 1860 den Überblick zu behalten, ist von Haus aus nicht leicht, doch jetzt hat Hasan Ismaik dem Verein eine echte Denksportaufgabe aufgegeben: Alle drei KGaA-Aufsichtsräte sind gefeuert – und zumindest einer der Nachrücker ist ein strammer e.V.-ler: Herbert Bergmaier. Der frühere Vorstand von Pro1860, eigentlich bekennender Investorenkritiker, will sich auf Nachfrage nicht zu seiner Berufung äußern, das macht dafür Ismaik. Aber der Reihe nach.

Noch ein Neuer: Aufsichtsrat Biel Ballester Relat.
Noch ein Neuer: Aufsichtsrat Biel Ballester Relat. © Stefan Matzke

Wie üblich, wenn Ismaik in München Hof hält, geschehen erstaunliche Dinge. Zunächst steuerte der Jordanier am Montagnachmittag die Geschäftsstelle an, den schwarzen BMW selbst lenkend. In eines der schicken neuen Heimtrikots gekleidet, lächelte er seine 70-minütige Verspätung weg – um dann beiläufig, im Stehen und auf Englisch, Tabula rasa zu machen. Seine bisherigen Statthalter im Aufsichtsrat der KGaA – im Handstreich entlassen.

Warum holt Hasan Ismaik den ehemaligen Investoren-Kritiker Herbert Bergmaier ins Boot?

„Sie werden zurücktreten“, sagte Ismaik zur Presse. Gemeint: Mr. Saki (Stimoniaris), Mr. Yahya (sein Bruder Ismaik) und Mr. Andrew (Jurist Livingston). Das Trio büßt mutmaßlich für den geplatzten Verkauf seiner Anteile und wird durch drei neue Vertraute ersetzt. Der Spanier Biel Ballester Relat kümmert sich in Abu Dhabi um Ismaiks Immobiliengeschäfte, klärte Präsident Gernot Mang auf. Über den Zweiten im Bunde ist bisher nur bekannt, dass er für die Deutsche Bank arbeitet. Der Dritte ist besagter Herbert Bergmaier, und spätestens als Ismaik das gemeinsame Foto postete, Arm in Arm mit einem früheren Gegenspieler, war die Verwirrung im Umfeld komplett.

Weiß Ismaik, wen er sich da ins Boot holt? Vermutlich ja, denn vor exakt einem Jahr hatte er das Interview mit Bergmaier in unserer Zeitung gelesen, in dem ihm der langjährige Vorsitzende von Pro1860 davon abriet, die Mitgliederversammlung zu besuchen – aus Sorge um seine Sicherheit. Damals schrieb Ismaik bei Facebook: „Ich weiß, dass er versucht hat, es so darzustellen, als ob er um meine Gefühle und Sicherheit besorgt wäre, aber wir alle wissen, was er wirklich meinte: Die Kommentare von Herrn Bergmaier scheinen ein Versuch zu sein, meine Gegner gegen mich aufzuhetzen.“

Ismaiks Interpretation: „Er hat meinen Gegnern die Erlaubnis erteilt, mich mit Beleidigungen anzugreifen, was ihre übliche Taktik ist.“ Damals stand sein Urteil fest: Menschen wie Bergmaier seien „keine Löwen-Fans, sondern Ideologen. Ihr Leistungsnachweis in den vergangenen 20 Jahren ist eine einzige Farce.“

Hasan Ismaik möchte beim TSV 1860 „eine Atmosphäre des Friedens“ schaffen

Genau dieser Bergmaier ist jetzt Ismaiks München-Statthalter im Aufsichtsrat. Die Strategie dahinter, erschließt sich nicht jedem sofort, aber es scheint Bergmaier gelungen zu sein, Vertrauen zu Ismaik aufzubauen. Nach einem Treffen mit Pro1860 traf sich Ismaik auch privat mit seinem Ex-Kritiker, gemeinsam besuchten sie eine Schießanlage. Einiges scheint sich da in Rauch aufgelöst zu haben, denn inzwischen hört es sich ganz anders an, wenn Ismaik über Bergmaier spricht.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte er: „Ich bin mir bewusst, was ich tue, aber ich blicke in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Herr Herbert kommt aus dem Umfeld der Ultras und der Pro1860-Bewegung, und ich möchte, dass beide Seiten – die Ultras und Pro1860 – wissen, dass ich nicht gegen sie bin. Ich möchte nicht, dass sie mich als Gegner wahrnehmen.“ Stattdessen träumt Ismaik davon „eine Atmosphäre des Friedens“ bei 1860 zu schaffen. „Der größte Feind des Menschen ist oft er selbst“, philosophiert er: „Es sei denn, er lernt sich selbst kennen, liebt, respektiert und wertschätzt.“ Kurzum: „Ich wünsche mir, dass wir uns zusammenschließen, um unsere Gegner zu besiegen – und nicht uns selbst.“

 Ein möglicher Verkauf von Anteilen durch Herrn Ismaik wird weiter angestrebt.

Frei nach dem Motto: Wenn du deine Gegner nicht besiegen kannst, dann umarme sie. 14 Jahre Dauerstreit haben ihre Spuren hinterlassen, darum setzt Ismaik bei seiner neuen Strategie auf totale Harmonie. Gemeinsam in eine bessere Zukunft? Das dann wohl doch nicht, denn in der gemeinsamen Erklärung der Gesellschafter heißt es, ein „möglicher Verkauf von Anteilen durch Herrn Ismaik“ werde weiter angestrebt, jedoch nur „in enger Abstimmung mit dem e.V.“

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