„Er war enttäuscht“ – Besonderer Besucher in mystischem Wald in Oberbayern brachte die Wende

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Wer den Paterzeller Eibenwald besucht, taucht in eine mystische Zauberwelt ein, die die Besucher in ihren Bann zieht. © dp-pictures

Der Eibenwald bei einem Dorf in Oberbayern ist eine besondere Naturschönheit. Dass seit rund 30 Jahren ein Lehrpfad durch den mystischen Ort führt, hat die Gemeinde einem bestimmten Besucher zu verdanken.

zwei mädchen im eibenwald in paterzell
Sofia (l.) und Davina (r.) aus Landsberg besuchten mit ihren Eltern zum zweiten Mal den Eibenlehrpfad. Die Schwestern entdeckten dabei zwei Frösche, nutzten die kleinen Bäche zum Spielen und informierten sich an den zahlreichen Tafeln über den Eibenwald. © dp-pictures

Der Eibenwald in Paterzell, der mit seinen über 2000, teilweise sehr alten Eiben, einer der größten Eibenbestände oder sogar der größte Eibenwald in Deutschland ist, hat schon viele Besucher in seinen Bann gezogen. Als einem der ersten fiel dem Weilheimer Arzt Fritz Kollmann im Jahr 1907 auf, wie besonders dieses rund 88 Hektar große Waldstück ist. Der Mediziner interessierte sich sehr für Botanik; regelmäßig streifte er durch die Natur. Bei einem dieser Streifzüge fiel ihm auf, dass in dem Wald bei Wessobrunn außergewöhnlich viele Eiben stehen und er erfasste ihren Bestand, machte Fotos, vermaß das Gebiet und kartierte es. In wissenschaftlichen Publikationen berichtete er über die Besonderheit des Paterzeller Eibenwalds und setzte sich für dessen Schutz ein.

Prominenter Gast brachte die Wende

Doch erst, als er eine prominente Mitstreiterin gewinnen konnte, hatte sein Bestreben Erfolg: Die Frau von Ludwig III. von Bayern, Königin Marie Therese, war äußerst naturverbunden und erreichte, dass der Paterzeller Eibenwald schließlich ab dem Jahr 1913 zum „staatlichen Naturdenkmal“ erklärt wurde. Damit stand der Wald unter besonderem Schutz: Keine Eibe darin durfte mehr gefällt werden. Seitdem ist der Charakter des Waldes nahezu unverändert erhalten geblieben. Im Jahr 1939 wurde das „Naturdenkmal“ zum Naturschutzgebiet umgewidmet und später dann unter den Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes gestellt.

Dass sich dort in Paterzell eine ganz besondere Naturschönheit befindet, war auch Konrad Hölzl bewusst, der von 1978 bis 1996 Bürgermeister von Wessobrunn war. Immer wieder habe es Bemühungen gegeben, einen Lehrpfad durch den mystischen Wald zu installieren. „Das ist aber immer abgeblockt worden“, erinnert sich Hölzl.

Der Eibenpfad wird heute noch von vielen Besuchern begangen
Der Eibenpfad wird heute noch von vielen Besuchern begangen. © dp-pictures

Ein Besuch des damaligen bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Reinhold Bocklet, der kürzlich verstorben ist, brachte im März 1994 die Wende. Im Jahr 1994 war die Eibe der „Baum des Jahres“. Aus diesem Grand kam der Landwirtschaftsminister nach Paterzell. „Er war enttäuscht, dass es dort keinen Lehrpfad gab“, erzählt Hölzl Die Enttäuschung sei dem Minister, der gebürtiger Schongauer war, deutlich anzusehen gewesen.

Bocklet missfiel der Umstand, dass der Besucher keine Informationen über diesen besonderen Wald erhält, und es keinen Lehrpfad im Eibenwald gibt, sodass er sich umgehend dafür einsetzte, dass sich daran etwas ändert. „Er hat alles veranlasst und im Jahr darauf wurde der Lehrpfad eröffnet“, erinnert sich Hölzl. Das damals zuständige Forstamt Weilheim war angewiesen worden, einen Eibenlehrpfad anzulegen. Diesen Lehrpfad, der mit Informationstafeln versehen ist und an besonderen Punkten dieses Waldes vorbeiführt, gibt es heute noch. Er lockt heute noch Besucher aus Nah und Fern an.

„Ohne Bocklet hätte es diesen Weg nicht gegeben“, sagt Hölzl, der die Eröffnung noch als Bürgermeister erlebte. Und dass es diesen Lehrpfad gibt, habe sich auf jeden Fall positiv auf den Eibenwald ausgewirkt. „Man musste es den Leuten möglich machen, in den Eibenwald hineinzugehen, wie sollten sie sonst merken, wie wichtig es ist, ihn zu erhalten.“

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