Wer kürzlich in den Ortsteil Berg (Gemeinde Fischen) einfahren wollte, wurde am Ortseingang in „Klein Gallien“ begrüßt. Die Polizei entfernte das falsche Ortsschild und ermittelte gegen Unbekannt. Inzwischen ist der Scherz aufgeklärt – die Verstrickungen reichen sogar bis nach Brüssel.
Oberallgäu – Bereits Mitte April berichtete der Freistaat Bayern auf Instagram von der traditionellen Maibaumaufstellung in der bayerischen Vertretung in Brüssel. Der Maibaum kam diesmal aus Fischen. Bei der Aufstellung mit dabei waren neben Europaminister Eric Beißwenger und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen deshalb auch Fischens Bürgermeister Bruno Sauter und die „Maibommbüebe“ aus dem Ortsteil Berg. Mitgebracht hatten sie auch ein abmontiertes Ortsschild von Fischen-Berg.
Etwa einen Monat später hatte der Ortsteil noch immer kein neues Schild am Ortseingang hängen. Das wollten Unbekannte ändern, sie brachten ein neues Schild an mit der Aufschrift „Klein Gallien – Zentrum der Europäischen Union“.
Fischen-Berg: Polizei ermittelt gegen Unbekannt
Das fiel zwei Wochen später auch der Polizei auf. Eine Streife stellte das selbstangefertigte Ortsschild sicher und begann gegen Unbekannt zu ermitteln. Diebstahl und gefährlicher Eingriff im Straßenverkehr standen im Raum.
Bürgermeister Bruno Sauter erfuhr von den Ermittlungen während seines Urlaubs. Er sieht die Aktion als „sehr gelungenen, humorvollen Scherz, der nur die Lieferzeit für das neue Ortsschild überbrückt hat“. Dennoch hat der Rathauschef auch für die Ermittlungen der Polizei Verständnis.
Europaminister Eric Beißwenger klärt auf und verspricht Bierfass
Welche Rolle Europaminister Eric Beißwenger spielt, der bekanntlich in die Geschichte involviert war? Er antwortete unserer Redaktion – explizit „nicht ganz ernst gemeint“: „Tatsächlich ist das Ortsschild in der Bayerischen Vertretung in Brüssel aufgetaucht. Damit befindet es sich glücklicherweise weiterhin auf bayerischem Hoheitsgebiet, so dass eine Einschaltung von Interpol nicht notwendig wird“, so Beißwenger.
Er sei bereit, zusammen mit Bürgermeister Sauter und den „Maibommbüebe Bearg“ das Schild selbst wieder anzubringen, freue sich aber auch über Unterstützung. Beißwenger mit einem Augenzwinkern: „Sollte der Täter von der Polizei ermittelt werden, wäre es sinnvoll, diesen in die Wiederherstellung des Originalzustandes mit einzubeziehen, um eine zeitnahe Resozialisierung sicherzustellen.“ Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Einzelfall und nicht um die Tat eines international agierenden Ortsschildschieberrings handelt. Indizien legen jedoch die Vermutung nahe, dass es sich um die gemeinschaftliche Tat hemdsärmeliger Trachtler handeln könnte“, so der Europaminister, der für Hinweise zur Aufklärung des Falls ein Fass Bier als Belohnung verspricht.
Mittlerweile hat die Gemeinde Fischen die Hintergründe bei der Polizei aufgeklärt. „Die Ermittlungen seitens der Polizei sind abgeschlossen“, erklärt Polizeisprecher Christian Lindstedt. Das „Klein Gallien“-Schild befindet sich nun vorerst bei der Staatsanwaltschaft Kempten.