Der FC Bayern Basketball holt eine Trainer-Legende zurück. Der 76-Jährige übernimmt bis Saisonende. Weltmeister-Coach Gordon Herbert musste gehen.
München – Eine Trainer-Legende feiert ihr spektakuläres Comeback an der Isar: Svetislav Pesic übernimmt mit sofortiger Wirkung das Traineramt beim FC Bayern Basketball. Der 76-jährige Serbe, der bereits von 2012 bis 2016 erfolgreich an der Seitenlinie der Münchner stand, kehrt nach der überraschenden Trennung von Gordon Herbert zurück und soll die Basketballer bis zum Saisonende führen.
Die Entscheidung kam nur zwei Tage nach dem Aus für Weltmeister-Trainer Herbert. Der FC Bayern Basketball hatte sich am Samstag von dem 66-jährigen Kanadier getrennt, der die Mannschaft erst im Sommer 2024 nach den Olympischen Spielen übernommen hatte. Grund für die vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit war laut mehreren Medienberichten die schwache Bilanz in der EuroLeague, wo die Bayern aktuell nur auf Platz 16 stehen.
Pesic-Comeback beim FC Bayern
Sportchef Dragan Tarlac begründete die Verpflichtung von Pesic mit dessen enormer Erfahrung und der Vertrautheit mit dem Verein. „Svetislav kennt München, er kennt Bayern und beide Ligen; einige von uns kennen wiederum ihn sehr gut – die Eingewöhnungszeit dürfte bei ihm also kurz ausfallen“, erklärte Tarlac laut der offiziellen Vereinsmitteilung. Der Sportchef berichtete zudem von Absagen anderer Kandidaten und freute sich über die kurzfristige Hilfe des erfahrenen Coaches.
Pesic bringt eine beeindruckende Vita mit nach München. Der Serbe gewann 2002 mit dem damaligen Jugoslawien den Weltmeistertitel und holte sowohl 1993 mit Deutschland als auch 2001 mit Jugoslawien den Europameistertitel. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris führte er Serbien gegen Deutschland zur Bronzemedaille. Mit Alba Berlin feierte er fünf deutsche Meisterschaften, mit dem FC Barcelona gewann er 2003 das Triple inklusive EuroLeague-Sieg.
Seine erste Amtszeit in München war von großem Erfolg geprägt: 2014 holte Pesic mit den Bayern den ersten BBL-Titel der Vereinsgeschichte. Mehrere aktuelle Spieler kennen den Coach bereits bestens aus seiner Zeit als serbischer Nationaltrainer, darunter Kapitän Vladimir Lucic und Spielmacher Stefan Jovic.
Gordon Herbert, der die deutsche Nationalmannschaft 2023 sensationell zum Weltmeistertitel geführt hatte, konnte seine internationalen Erfolge nicht auf Vereinsebene übertragen. Während die Bayern in der Bundesliga mit 16:2 Punkten souverän an der Spitze stehen und das Pokal-Top-Four erreicht haben, enttäuschten sie in der EuroLeague mit nur sechs Siegen aus 17 Spielen.
Die Trennung erfolgte laut Vereinsangaben „zum Wohle des Teams und des Vereins“ nach einem „vertrauensvollen Austausch“. Herbert hatte erst im Juli 2024 einen Zweijahresvertrag bis 2026 unterschrieben und die Bayern in der vergangenen Saison zur deutschen Meisterschaft geführt. Kurios ist die familiäre Komponente der Personalie: Marko Pesic, Sohn des neuen Trainers, hört zum Jahresende als Geschäftsführer der Bayern-Basketballer auf.
Die Entscheidung für seinen Vater als Interimstrainer fiel dennoch rein sportlich. Pesic steht bereits am Dienstagabend beim EuroLeague-Heimspiel gegen Tabellenführer Hapoel Tel Aviv (19.30 Uhr) an der Seitenlinie. Für den erfahrenen Coach ist es eine weitere Station in seiner illustren Laufbahn – und für die Bayern die Hoffnung auf die Wende in der Königsklasse. Ob aus der Interimslösung mehr wird, bleibt abzuwarten. (ck)