Pater Stephan in Wien: In Dorfen sind die Katholiken irritiert über den neuen Einsatzort Ordensbruders, der noch vor kurzem ihr Stadtpfarrer gewesen ist.
Dorfen – In den Pfarreien Dorfen und Oberdorfen leben 6900 Katholiken. Die Stadt ist seit Mitte August ohne eigenen Pfarrer. Pater Stephan Matula hatte damals erklärt, dass er um Versetzung in seine polnische Heimat gebeten habe, um sich um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern zu können. Doch nun taucht sein Name in Wien auf. Die Katholiken in der Stadt sind höchst irritiert. Wie es bei der Besetzung der Stadtpfarrerstelle weitergeht, ist zudem noch nicht spruchreif.
Ein engagierter Katholik aus der Isenstadt hatte es nach Matulas Weggang genauer wissen wollen. „Ich habe gegoogelt“, erzählt der Dorfener (Name der Redaktion bekannt). Tatsächlich steht auf der Seite der Erzdiözese Wien: „In der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. wurde Pater Szczepan Dominik Matula CR mit 1. September Pfarrvikar.“ Für eine persönliche Stellungnahme ist der Geistliche nicht erreichbar. Auf Rückrufbitten per E-Mail und auf dem Anrufbeantworter in der Wiener Pfarrgemeinde kam keine Reaktion.
Auf Nachfrage unserer Zeitung gibt sich Bürgermeister Heinz Grundner verwundert, gibt aber zu bedenken: „Wir kennen die genauen Umstände nicht, warum er uns Fakten verschwiegen hat.“ In diesem Kontext taucht immer wieder der Orden der Resurrektionisten auf, bei denen Matula ebenso Mitglied ist wie die beiden Patres in Taufkirchen.
„Das kann durchaus ein interner Prozess gewesen sein – der Orden kann seine Patres auch kurzfristig versetzen, auch wenn das eher unüblich ist“, erklärt Anneliese Mayer, Gemeinderätin in Taufkirchen, die es im Erzbistum München und Freising zur Ordinariatsrätin gebracht hat.
Die Resurrektionisten sichern sich nämlich ihr Einkommen in Kirchensteuerländern. Österreich und Deutschland gehören dazu, Polen nicht. Die beiden Taufkirchener Geistlichen, Pater Paul Kruczek und Pfarrvikar Pater Dominik Sobolewski, seien aus der Bruderschaft ausgetreten, ist in Dorfen und Taufkirchen zu hören. Damit wird dann die Erzdiözese ihr Arbeitgeber. Es sei gut möglich, dass Sobolewski als Partikular dann auch in Dorfen eingesetzt werde, heißt es aus Kirchenkreisen.
In der Kirchengemeinde Maria Dorfen ist man gelinde gesagt verwundert. „Pater Stephan hat uns seinen neuen Einsatzort verschwiegen, welche Beweggründe auch immer ausschlaggebend waren“, nimmt Wolfgang Lanzinger Stellung. Er wolle den ehemaligen Stadtpfarrer nicht vorverurteilen, so der 2. Vorsitzende im Pfarrgemeinderat Dorfen. Andere Gemeindemitglieder urteilen da härter. „Schon wieder ein Priester, der lügt“, heißt es da. Oder: „Mit seinem Verhalten trägt er nicht zur Glaubwürdigkeit der Institution Kirche bei.“
Im Gespräch mit der Heimatzeitung betonte Pater Stephan Anfang August, dass es ihm schwerfalle, zu gehen, lange habe er mit sich gerungen: „Meine Eltern sind alt, sie brauchen meine Hilfe.“ Deshalb habe er im Mai die Ordensleitung um Versetzung in die Nähe seiner Heimatstadt Grybow gebeten. Vier Jahre lang hatte der heute 43-Jährige an der Spitze des Pfarrverbands Dorfen gestanden, aktuell ist seine Stelle verwaist. Dekan Martin Ringhof füllt diese Lücke derzeit, so gut es geht (wir berichteten).
„Was ist Wahrheit?“, heißt es schon im Johannes-Evangelium. „Es ist schwer, darüber was zu sagen“, meint der Dekan auf Nachfrage. Man solle Pater Stephan aber an seiner Arbeit messen: „Er hat seine Sache in Dorfen gut gemacht.“ Und Daniel Helmecke, ehemaliger Verwaltungsleiter der Pfarreien Dorfen und Taufkirchen, der jetzt auf dem Freisinger Domberg arbeitet, ergänzt: „Pater Stephan hat viel bewegt, die Rolle als Dorfener Stadtpfarrer war direkt auf ihn zugeschnitten – ich habe ihn als aufrichtigen und ehrlichen Menschen kennengelernt.“