GenZler kauft Backfisch im Brötchen auf Weihnachtsmarkt – und kippt beim Preis aus den Latschen

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Standgebühren, Energiekosten, Sicherheit: Weihnachtsmarkt-Betreiber kämpfen mit explodierenden Ausgaben. Das bekommen auch die Besucher zu spüren.

Köln – Die Weihnachtsmarktzeit ist traditionell eine Zeit der Gemütlichkeit und des Genusses. Doch was früher ein spontaner Familienausflug war, entwickelt sich zunehmend zu einem kostspieligen Vergnügen. Die Preise für Glühwein, Bratwurst und andere Leckereien steigen kontinuierlich – und sorgen für heftige Diskussionen.

Ob Fisch oder Glühwein: Die Preise auf den Weihnachtsmärkten sorgen bei vielen für Frust. © Future Image/IMAGO | Screenshot/Facebook/Dein Beichtstuhl

Ein besonders drastisches Beispiel landete kürzlich in der Facebook-Gruppe „Dein Beichtstuhl“: Ein 25-jähriger Besucher postete ein Foto seines Backfisches im Brötchen vom Kölner Weihnachtsmarkt – Preis: zehn Euro. „Früher war das ein Snack – heute ist es ein Luxusartikel“, schrieb er frustriert dazu.

„Jammer leise“: Backfisch-Preis auf Kölner Weihnachtsmarkt erhitzt die Gemüter

Die Reaktionen der Community waren gespalten. Viele kritisierten den jungen Mann dafür, dass er die „Wucher“ freiwillig unterstütze. Wer einen Weihnachtsmarkt besuche, „um ein gutes Preis-Leistungsverhältnis vorzufinden, hat das Konzept nicht verstanden“, lautet ein Kommentar. Dumm sei nicht derjenige, der die Preise mache, sondern der, der sie bezahle, urteilte eine weitere Nutzerin.

Ein User riet pragmatisch: „Nicht hingehen, nicht kaufen. Thema erledigt.“ Viele verwiesen in dem Zusammenhang auch auf den Schokoladen-Hersteller Milka. Das Unternehmen hatte wie viele andere Schokoladen-Marken die Preise erhöht. Die Verkaufszahlen brachen daraufhin ein und aktuell versuchen Supermärkte und Discounter durch Rabattaktionen die Verkäufe wieder anzukurbeln. „Der Kunde hat die Macht“, konstatierte ein Facebook-Nutzer.

Besonders nachdenklich stimmte ein Kommentar, der die Prioritäten der Weihnachtsmarktbesucher kritisch hinterfragte: Für ein Maß Bier auf dem Oktoberfest zahle man bereitwillig 15 Euro und auch Smartphones für „über 1.000 Euro werden regelmäßig ersetzt“, schließlich seien sie ja „notwendig“. Doch bei Lebensmitteln, die „unter hohen Standards produziert“ werden, sei sofort von Abzocke die Rede. Vielleicht ist das Problem weniger der Preis, sondern unsere Prioritäten.“, so die Meinung auf Facebook.

Standgebühren und Energie: Die versteckten Kostentreiber hinter den Weihnachtsmarkt-Preisen

Einige Kommentare weisen zurecht auf die Standgebühren hin. Während kleinere Märkte in ländlichen Gebieten noch moderate Preise verlangen, explodieren die Standgebühren an touristischen Hotspots regelrecht. Im Ruhrgebiet, an der Grenze zu den Niederlanden und Frankreich oder an der Ostseeküste müssen Betreiber mehrere tausend Euro hinlegen, berichtet Watson.

In Köln, wo der besagte Backfisch verkauft wurde, zeigt sich laut dem Kölner Stadt-Anzeiger jedoch ein differenziertes Bild: Die Betreiber der großen Märkte halten die Standgebühren bewusst stabil. Britta Putzmann vom „Markt der Engel“ verzichtete auf Erhöhungen, „obwohl alles zum Teil bis zu 20 Prozent teurer geworden ist“. Ihre Kollegin Monika Flocke vom Weihnachtsmarkt am Dom schließt Fünfjahresverträge ab und erhob zuletzt 2019 eine Anpassung von nur fünf Prozent.

Weihnachtsmärkte in München

In München können Sie große und kleine, bunte, pinke oder mittelalterliche Weihnachtsmärkte entdecken. Wir stellen Ihnen in diesem PDF ein paar der Highlights für die Adventszeit vor.

Laden Sie sich die Übersicht zu den Münchner Weihnachtsmärkten HIER kostenlos herunter.

Vorschaubild für einen kostenlosen Überblick über besondere Münchner Weihnachtsmärkte
Laden Sie sich hier eine Übersicht Münchner Weihnachtsmärkte kostenlos herunter. © IPPEN.MEDIA

Allerdings: Die Energiekosten haben sich zu einem Preistreiber entwickelt. Heizen, Beleuchtung und Strom – Weihnachtsmarktstände brauchen gerade in der kalten Jahreszeit viel Energie. „Wir sprechen hier von einer Erhöhung von mehr als 45 Prozent in den letzten fünf Jahren“, erklärt Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbundes e.V. gegenüber Watson. Zudem liegen die Personalkosten angesichts der enormen Belastungen wie Kälte und Andrang meist deutlich über dem Mindestlohn.

Sicherheitskosten um bis zu dreihundert Prozent höher – Weihnachtsmärkte mit Millionenbeträgen belastet

Der größte Kostenschock kommt jedoch aus einem anderen Bereich: den Sicherheitsausgaben und Anti-Terror-Maßnahmen. In München sind die Sicherheitskosten um 160 Prozent gestiegen, in Frankfurt sogar um mehr als 300 Prozent. Diese enormen Investitionen sind eine direkte Folge der Terroranschläge auf Weihnachtsmärkte in Berlin 2016 und Magdeburg 2024. Betonpoller, Überwachungstechnik, zusätzliches Sicherheitspersonal – all das muss finanziert werden – und das kriegen Besucher dann auch an den Buden zu spüren. (Quelle: Facebook, Watson, Kölner Stadt-Anzeiger, Frankfurter Rundschau) (jaka)

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