Das Schloss Linderhof ist Unesco-Weltkulturerbe. Eine Nachricht, die das Team besonders stolz macht. Die Schlossverwaltung will an ihrem Besucherkonzept festhalten – zumindest vorerst.
Linderhof – Als die frohe Kunde eintrifft, zögern sie am Schloss Linderhof nicht lange. Schnell organisieren sie ein Banner. Es ziert die Frontfassade des Schlosses. „Wir sind Welterbe“, steht darauf. Daneben ist das Konterfei von Ludwig II. abgebildet. Dass das Lieblingsschloss des „Märchenkönigs“ jetzt Unesco-Weltkulturerbe ist, macht das Team vor Ort stolz. Linderhof, auf einer Ebene mit Schloss Versailles, der Chinesischen Mauer oder der Akropolis. Kaum eine Ehrung ist prestigeträchtiger: Die Auszeichnung der Vereinten Nationen hat für Alexander Laar, der seit 25 Jahren am Schloss Linderhof arbeitet, eine besondere Bedeutung.
„Zeichen an die Kritiker“: Schloss Linderhof ist Unesco-Weltkulturerbe
Im September übernimmt Laar den Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung. Wenige Wochen vor seinem Amtsantritt erreichte ihn die Nachricht. „Die Königsschlösser sind seit Jahrzehnten weltberühmt“, sagt er. „Das ist jetzt das Sahnehäubchen.“ Ein Ritterschlag für die Denkmalpfleger am Schloss. „Und auch ein Zeichen an die Kritiker, die die Ludwigsschlösser als minderwertigen Kitsch abtun.”
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Es ist aber womöglich mehr als nur ein Sahnehäubchen. Welche Auswirkungen die Entscheidung des Welterbe-Komitees hat, ist noch nicht absehbar. Einige Menschen in der Region fürchten, dass Schloss Linderhof künftig unter einem massiven Besucheransturm leiden wird. In den ersten Wochen habe man davon noch nicht viel gespürt, erklärt Laar. Erst im kommenden Jahr, wenn sich die Nachricht unter den Touristen weltweit verbreitet, könnte es mehr werden. Knapp 350 000 Gäste kommen schon jetzt jährlich nach Linderhof. „Eine Hausnummer“, betont der designierte Vorstand. Seit der Wiedereröffnung der Venusgrotte im April registriert er einen Anstieg bei den Besucherzahlen. Von Rekordjahren wie 1990, als fast eine Million Menschen nach Linderhof kamen, ist man aktuell noch weit entfernt.
Schlösserverwaltung hält an Strategie in Linderhof fest – will im Ernstfall aber handeln
Die bayerische Schlösserverwaltung hält an ihrer Strategie in Linderhof fest – will im Ernstfall aber handeln. „Um gegebenenfalls höheren Besucherströmen bestmöglich gerecht zu werden, sind durchdachte Konzepte notwendig, die alle Aspekte berücksichtigen – insbesondere auch die Interessen der Bürger vor Ort“, teilt Sprecherin Ines Holzmüller dem Tagblatt mit. Bei Bedarf sollen die Verantwortlichen vor Ort die Konzepte entsprechend anpassen. Dabei könnten digitale Medien helfen.
Touristen kommen nur in begrenzter Zahl ins Schloss, maximal 40 Personen je Gruppe. In die Venusgrotte dürfen höchstens 50 Menschen gleichzeitig. „Unser Ziel ist es, die kostbaren historischen Bauwerke mit ihrer Einrichtung bestmöglich zu erhalten und gleichzeitig ein optimales Besuchserlebnis zu bieten“, erklärt Holzmüller. Aktuell rechnet sie damit, dass der Status als Welterbe keine Veränderungen im Besucherbetrieb bedeutet. Laar formuliert es so: „Wir brauchen eine richtige Abwägung zwischen Nutzung und Erhalt.“ Heißt: Möglichst viele Menschen sollen Linderhof besuchen können, ohne das Kulturgut zu gefährden.
Für den Moment genießt das Team von der Schloss- und Gartenverwaltung den Erfolg. „Es ist sehr erfreulich und motivierend“, sagt Laar. In der Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe steckte viel Arbeit. Das Banner ist umgezogen, ziert jetzt das Schlosshotel. Der Stolz ist geblieben. (vfi)