Inklusion aus dem Koffer: Projekt begeistert Grundschulkinder

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Applaus in Gebärdensprache spendete die Klasse 3 b dem Projekt „Inklusion aus dem Koffer“, mit auf dem Bild (hinten v.l.) Schulleiter Christian Deusel, Montessori-Pädagogin Heike Zimmermann, Behindertenbeauftragte Tanja Patti, die Hirschauer Inklusionsbeauftragte Geli Schütz, Klassenlehrerin Leona Frick und Elke Fiedel vom Schul-Förderverein. © ps

Drittklässler der Grundschule Hebertshausen haben an dem Projekt „Inklusion aus dem Koffer“ teilgenommen. Unter dem Motto „Es ist normal, verschieden zu sein“ fand die Aktion statt, bei der es darum ging, sich in die Lebenswelt von Menschen mit Beeinträchtigungen einzufühlen.

Hebertshausen – Als Geli Schütz vor die 3 b der Hebertshauser Schule tritt, winkt sie kurz, formt ein Herz mit beiden Händen und wiegt diese dann vor dem Körper. Die Schulkinder stutzen, dann erfahren sie: Diese Gesten bedeuten „Hallo, herzlich willkommen“ in Gebärdensprache. Wie sich Menschen mit Einschränkungen fühlen, das konnten die Drittklässler an der Hebertshauser Grundschule am vergangenen Montag, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, ganz konkret bei dem Projekt „Inklusion aus dem Koffer“ der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Tanja Patti erleben.

Nacheinander konnten die beiden dritten Klassen an dieser besonderen Aktion teilnehmen. Die Idee dafür stammt von der Hirschauer Inklusionsbeauftragten Geli Schütz, die angereist war, um Patti bei der Premiere dieses Schulprojekts in Hebertshausen zu unterstützen. Und vom Schulförderverein, der das Vorhaben finanziell fördert, waren die Vorsitzende Kathi Staub und Elke Fiedel vor Ort.

Im Mittelpunkt des spannenden Vormittags stand ein knallgelber Koffer mit verschiedensten Utensilien, die das Einfühlen in eine Behinderung ermöglichen. Alles unter dem Motto: Es ist normal, verschieden zu sein. Die Buben und Mädchen der Klasse 3 b waren 90 Minuten mit großem Eifer dabei. Das Fazit der Kinder: „Ein cooles Projekt“.

In kleinen Gruppen gingen die Mädchen und Buben an vorbereitete Stationen, wo unterschiedliche körperliche Einschränkungen simuliert werden können. Wie fühlt es sich an, mit Augenbinde und Blindenstock durch den Raum zu gehen? Lassen sich ohne Sehkraft Gewürze nur am Geruch unterscheiden? Spezielle Brillen setzen die Kinder auf, um verschiedene Sehbehinderungen nachzuempfinden. Und Aquahandschuhe, mit denen normalerweise Schwimmer trainieren, simulieren im Inklusionsprojekt die eingeschränkte Motorik von Menschen mit einer Spastik. Mit diesen Neopren-Handschuhen an den Händen dann Schuhband binden, Brotzeitdose öffnen oder Wäsche aufhängen? „Geht, aber es ist schwierig“, sagt eine Schülerin, die gerade sehr konzentriert eine Wäscheklammer an die Leine heftet.

Ebenfalls nur mit besonderer Aufmerksamkeit machbar ist es, sich zu unterhalten, wenn ein Gesprächspartner mit dicken Kopfhörern auf den Ohren nur wenig hört. Beeinträchtigungen selbst erfahren, diese Möglichkeit will Hebertshausens Behindertenbeauftragte Tanja Patti den Schulkindern mit dem „Inklusionskoffer“ geben. Um zu sensibilisieren, um Unsicherheiten abzubauen und um Barrieren gegenüber Menschen mit Behinderung bei den Kindern gar nicht erst entstehen zu lassen. „Nur wenn man selbst spürt, kann man sich in die Lage des Betroffenen versetzen und verstehen“, betonte Behindertenbeauftragte Patti.

Genau in die dritte Jahrgangsstufe passte die Aktion so gut, weil das Thema „Sinne“ im Lehrplan dieser Klassenstufe verankert ist. Das Ziel der Behindertenbeauftragten ist es, das Projekt „Inklusion aus dem Koffer“ jedes Jahr für alle dritten Klassen durchführen. Die Mädchen und Buben, die am Montag das Projekt absolvierten, haben sich aufgeschlossen eingelassen auf dieses besondere Erlebnis. Zum Schluss winkten alle kräftig mit beiden Händen. Das bedeutet großer Applaus in der Gebärdensprache.

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