Oberbayerisches Kino räumt erneut ab: Doppelpreis für Filmkunst

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Den besonderen Charme wissen die Besucher des Kinos zu schätzen. 2017 wurden die drei Säle und das Foyer aufwendig saniert. © Capitol

Preisregen für das Tölzer „Capitol“: Das Traditionskino überzeugt mit Filmkunst, starkem Programm und treuem Publikum – trotz schwieriger Kinozeiten.

Bad Tölz – Es ist schon Tradition, dass das Tölzer „Capitol“ mit Preisen versehen wird. Auch in diesem Jahr bekam das kleine Kino am Amortplatz sowohl den Kinoprogrammpreis des FilmFernsehFonds (FFF) Bayern als auch den Kinoprogrammpreis des Bundes.

Die Auszeichnung des FFF Bayern nahm Programmgestalter Michael Spiegel (li.) von Staatsminister Florian Herrmann entgegen.
Die Auszeichnung des FFF Bayern nahm Programmgestalter Michael Spiegel (li.) von Staatsminister Florian Herrmann entgegen. © FFF Bayern / Patrick Vöhringer

„Kinos ermöglichen einen einfachen und unmittelbaren Zugang zu kultureller Teilhabe“, sagte Bayerns Medienminister Florian Herrmann bei der FFF-Verleihung in Kempten. Das „Capitol“ erhielt eine Prämie in Höhe von 7500 Euro. Bei der Ehrung in Karlsruhe bereits im Oktober würdigte Staatsminister Wolfram Weimer die Preisträger für ihre „Leidenschaft zum Film im Kino vor Ort“. Für sein „besonders gutes Dokumentarfilmprogramm“ wurde das „Capitol“ mit 2500 Euro bedacht.

Das Kino braucht sich nicht zu verstecken.

Auf die Auszeichung „sind wir natürlich stolz“, sagt Michael Spiegel. Er ist seit neun Jahren für das Programm im „Capitol“ zuständig. Im weiterhin nicht leichten Umfeld Kino sei es sehr erfreulich, dass die Arbeit, vor allem getragen durch das engagierte Personal, gesehen und honoriert werde. „Es ist interessant, dass an einem kleinen Standort wie Bad Tölz reine Filmkunst ohne Mainstream so angenommen wird.“ Verlassen könne sich das Kino auf eine große Anzahl an Stammkundschaft. Diese komme teilweise bis aus München.

An der Stelle gibt es bereits seit 1952 ein Kino

Ausgezahlt habe sich die große Renovierung der drei Säle und des Foyers im Jahr 2017. Darauf habe es immer wieder positive Resonanz gegeben. „Es ist die besondere Atmosphäre, die gut zum Haus passt.“ An der Stelle gibt es bereits seit 1952 ein Kino. Zuvor war dort eine Brauerei angesiedelt. Das lässt Michael Spiegel schon ins Jahr 2027 blicken: „Da feiern wir 75-jähriges Bestehen des Kinos.“

Publikumsstärkster Film 2025

Besonders beliebt im nun endenden Jahr seien die deutschen Filme „Amrum“, „22 Bahnen“ und „Zweigstelle“ gewesen. Auch der Dokumentarfilm wird vom „Capitol“-Publikum angenommen, hier war es laut Spiegel vor allem „Ausgsting“, der die Besucher anlockte. Publikumsstärkster Film 2025 war „Der Salzpfad“. Insgesamt sei die Entwicklung als vorsichtig positiv zu beurteilen. Stand Ende November gebe es ein Zuschauerplus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dieser Film könnte bei der Oscar-Verleihung 2026 eine wichtige Rolle spielen

Im neuen Jahr dürfen sich die Kino-Fans gleich im Januar auf den Film „Der Fremde“ freuen, eine Neuinterpretation von Albert Camus‘ Literaturklassiker. Ebenfalls im Januar wird „Hamnet“ in die Kinos kommen. Dieser Film, so Spiegel, könnte bei der Oscar-Verleihung 2026 eine wichtige Rolle spielen. Dabei geht es um die Geschichte der Familie von William Shakespeare.

Stark besucht: Übertragungen aus der New Yorker Metropolitan-Opera

Spiegel betreut mehrere Kinos. Welche Filme er jeweils aussuche, hänge unter anderem vom Standort ab, verrät er. Es gebe immer eine große Auswahl, die von den Verleihern zur Verfügung gestellt werde mit festgesetzten Terminen. Er mache sich dann auf Filmmessen oder auch der Berlinale selbst ein Bild. Außerdem kenne er das Publikum und dessen Vorlieben. „In Bad Tölz würde eine Dokumentarreihe über Schifffahrt vielleicht nicht so starkes Interesse finden“, mutmaßt er. Gut angenommen werden dagegen Outdoor-Themen oder Filme mit Lokalkolorit. Weiterhin stark besucht sind die Übertragungen aus der New Yorker Metropolitan-Opera. „Da haben wir oft 200 Leute drin.“

Man darf nicht nachlassen

Sein Fazit: „Das Kino braucht sich nicht zu verstecken.“ Es sei ein Spagat, ein anspruchsvolles, gutes Programm zusammenzustellen, das angenommen werde. „Aber die Leute vor Ort wissen, dass man ein Haus wie dieses nicht oft findet und schätzen es auch.“ Auch wenn die Herausforderungen, ein Kino gerade in einem älteren Gebäude zu betreiben, bleiben: „Es macht Spaß, das Kino zu betreuen und alles zu organisieren. Aber man darf nicht nachlassen.“