Wenn der Rettungswagen mit Blaulicht vorfährt oder jemand mit starken Schmerzen in die Notaufnahme kommt, zählt jede Minute. Gut zu wissen: Das Weilheimer Krankenhaus ist für die meisten medizinischen Notfälle rund um die Uhr bestens vorbereitet. Es gehört zur sogenannten Notfallstufe 2 – der erweiterten Notfallversorgung – und spielt damit eine zentrale Rolle für die Gesundheitsversorgung im Landkreis Weilheim-Schongau.
Weilheim - „Die Anforderungen für die erweiterte Notfallstufe sind hochkomplex“, sagte Stephen Bodenberger, Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme, bei einem Presserundgang. „Umso mehr freut es mich, dass wir diesen Meilenstein erreicht haben - das war eine großartige Teamleistung!“ Knapp 100.000 Euro wurden in Umbaumaßnahmen investiert, um im Ernstfall eine schnellere und effizientere Behandlung zu sichern.
Krankenhaus Weilheim gehört zur Notfallstufe 2
In Deutschland sind Krankenhäuser in drei Notfallstufen eingeteilt:
Stufe 1: Grundversorgung – kleinere Häuser, die einfache Notfälle behandeln.
Stufe 2: Erweiterte Notfallversorgung – Kliniken mit mehreren Fachrichtungen und Intensivstation.
Stufe 3: Maximalversorgung – große Zentren oder Unikliniken, die alle Spezialbereiche abdecken.
Weilheim bietet als Stufe-2-Haus eine breite Palette an Notfallbehandlungen an: Herzinfarkte, Schlaganfälle, akute Bauchbeschwerden, Knochenbrüche oder innere Blutungen können hier direkt versorgt werden. Nur bei sehr komplexen Fällen erfolgt eine Weiterverlegung zum Beispiel nach München oder Garmisch-Partenkirchen.
„Unsere Notaufnahme ist 24 Stunden am Tag mit erfahrenen Fachärzten besetzt“, erklärt Bodenberger. „Wir können innerhalb weniger Minuten lebenswichtige Diagnosen stellen und notwendige Therapien einleiten.“ Für die Patienten in Weilheim und Umgebung sei das ein großer Vorteil: Im Ernstfall muss niemand weit fahren, um kompetente medizinische Hilfe zu bekommen.
„Bei uns wurde die innerklinische Notfallversorgung bislang von allen Fachabteilungen einer Klinik getragen“, so Bodenberger. Doch mit wachsenden Patientenzahlen und jährlich über 21.000 Fällen in der Notaufnahme Weilheim geriet dieses System an seine Grenzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) reagierte darauf und beschloss, ein gestuftes System von Notfallstrukturen einzuführen, um einheitliche Versorgungsstrukturen zu schaffen, die Notaufnahmen durch eine bessere Patientensteuerung zu entlasten und damit die klinische Notfall-Versorgung qualitativ zu verbessern.
Neue Beobachtungsstation in der Notaufnahme
Der Umbau war laut Bodenberger weit mehr als nur ein bauliches Projekt: „Es ging um tiefgreifende Veränderungen in Abläufen, Zusammenarbeit und die Einführung einer interdisziplinären Denkweise. Dass wir diesen Prozess im laufenden Betrieb erfolgreich gestalten konnten, ist dem hohen Engagement aller Beteiligten und der Unterstützung durch die etablierten Fachabteilungen zu verdanken.“ Im Zentrum der Notaufnahme entstand eine neue Beobachtungsstation; dort können Patienten bei schwieriger Diagnosefindung oder mit kurzer Behandlungsdauer maximal 24 Stunden bleiben. Der Durchlauf in der Notaufnahme wird dadurch beschleunigt, Wartezeiten werden verkürzt.
Parallel dazu wurde die Brustschmerz-Einheit in die Notaufnahme integriert und mit zwei neuen Schockräumen neben das Herzkatheterlabor verlegt. Die Akutversorgung von Herz-Kreislauferkrankungen findet seitdem in nur noch einem Bereich des Krankenhauses statt. Der neu konzipierte neurologische Aufnahme- und Versorgungsraum liegt an der Liegend-Anfahrt nahe der Radiologie. Die Lage und verbesserte Abläufe ermöglichen die Einsparung von Rüst-, Umlagerungs- und Wegezeiten bei der Behandlung von zeitkritischen Krankheitsbildern wie etwa dem Schlaganfall.
Gleichzeitig erfolgt die standortübergreifende Notfall-Koordination: Das Notaufnahmeteam aus Weilheim stärkt die Notfall-Versorgung im gesamten Verbund durch die Übernahme der Notarztdienste tagsüber an beiden Standorten in Weilheim und Schongau. Bodenberger: „Eine tägliche Frühbesprechung sorgt für eine stetige Verbesserung der Abläufe: Engpässe werden frühzeitig erkannt, die Zuweisung von Behandlungsplätzen wird optimiert.“
Dies sei „ein entscheidender Faktor für Patientensicherheit“. Zudem wurde ein ärztlicher Hintergrunddienst eingerichtet, der an Wochenenden und in der Nacht aktiv ist. Er unterstützt die Teams bei Schockraum-Einsätzen, Überlastungssituationen und organisatorischen Herausforderungen, damit die Versorgung auch zu Spitzenzeiten stabil bleibt. So können auch kritische Notfälle jederzeit optimal betreut werden.
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