Wirtschaftsminister Habeck sieht für den Einstieg weiterer Investoren bei der Northvolt-Fabrik in Heide „gute Chancen“. Doch es ist unklar, von wem das frische Geld kommen soll.
Heide - Die Zukunft der geplanten Batteriezellenfabrik des kriselnden schwedischen Herstellers Northvolt in Schleswig-Holstein hängt nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vom Einstieg weiterer Investoren ab. Das schwedische Unternehmen führe Gespräche mit möglichen Investoren, sagte Habeck dem NDR. „Ob das dann wirklich dazu führt, dass am Ende alles steht, das kann ich heute nicht sagen. Da ist eine Dynamik drin und hoffentlich passiert es auch.“ Er sehe noch eine „gute“ Chance für die Fabrik in Dithmarschen.
Northvolt wollte in der Fabrik in Heide Batteriezellen bauen. Davor hatte das Unternehmen lange mit staatlichen Stellen verhandelt, um möglichst hohe Zuschüsse zu bekommen. Ausbezahlt wurde dann von der staatlichen Förderbank KfW ein Kredit von 600 Millionen Euro. Für die Rückzahlung bürgten der Bund und Land Schleswig-Holstein je zur Hälfte.
Habeck: Northvolt-Probleme waren bei Vertragsschluss nicht bekannt
Im Herbst 2024 wurden Probleme bei Northvolt bekannt. Das Unternehmen hat Schulden in Höhe von umgerechnet knapp 5,7 Milliarden Euro und beantragte Ende November in den USA ein sogenanntes Chapter-11-Insolvenzverfahren, um sich vor den Forderungen seiner Gläubigern geschützt umzustrukturieren. Das bedeutete, dass der Steuerzahler nun gemäß der Bürgschaft mit 600 Millionen Euro einspringen musste. Die Bürgschaft hatte Habecks Wirtschaftsministerium initiiert, wofür der grüne Minister seitdem in der Kritik steht. Ob es wirklich zu einem finanziellen Ausfall für Bund und Land kommt, ist bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens noch unklar.
Der Wirtschaftsminister rechtfertigte sich gegenüber dem NDR. Auf die Frage, ob das schwedische Unternehmen möglicherweise wichtige Informationen zurückgehalten habe, sagte Habeck : „Die Probleme bei Northvolt wurden uns erst bekannt, weit nachdem die Verträge geschlossen wurden.“
Unklar ist, woher ein neuer Northvolt-Investor kommen soll
Northvolt war 2016 gegründet worden und galt lange als europäische Hoffnung im Wettbewerb mit den dominierenden asiatischen Herstellern CATL und BYD aus China sowie LG aus Südkorea. Die nachlassende Nachfrage nach Elektroautos in Europa und damit nach Batterien hat die Finanzschwierigkeiten von Northvolt beschleunigt. Größter Anteilseigner des Unternehmens war zuletzt der deutsche Autobauer Volkswagen. Zu den Eigentümern gehört unter anderem auch die US-Investmentbank Goldman Sachs .
Unter den aktuellen Umständen ist unklar, woher ein neuer Investor kommen soll. Die Volkswagen-Tochter Scania hatte Northvolt mit einer Finanzspritze von 100 Millionen Dollar ausgeholfen. Doch VW hat kein Interesse, sich noch stärker bei Northvolt zu engagieren, schreibt der Focus. VW besaß demnach lange mehr als 20 Prozent an dem Batteriehersteller und setzte darauf, die eigene Fahrzeugflotte mit Batterien von Northvolt auszurüsten. Seit Jahren allerdings schreiben die Wolfsburger laut Fokus ihre ursprüngliche Milliardenbeteiligung ab.
Autokonzern Volvo übernahm Northvolt-Anteile aus Joint Venture
Auch andere Hoffnungsträger machen sich rar. Die stellvertretende schwedische Ministerpräsidentin Ebba Busch sagte zwar auf der Social-Media-Plattform X, dass ihre Regierung die Elektrofahrzeug-Batterieindustrie weiterhin unterstützt. Konkret zu Northvolt befragt, sagte sie jedoch nach Focus-Angaben, dass die schwedische Regierung keine Pläne habe, den Batteriehersteller zu retten.
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Auch Volvo Cars, auf die Northvolt möglicherweise Hoffnungen gesetzt hatte, reagierte dem Bericht zufolge zurückhaltend. Northvolt und Volvo hatten gemeinsam das Batterieunternehmen Novo Energy aus der Taufe gehoben und daran jeweils 50 Prozent erworben. Dann übernahm Volvo die gesamten 100 Prozent und rückte damit eher von Northvolt ab, statt sich dort stärker zu engagieren.