Der SV Ohlstadt muss sich beim Gastspiel in Bad Heilbrunn mit 1:3 geschlagen geben. Die Szenen nach einem rüden Foul eines SVO-Spielers überschatteten aber die Partie der Fußball-Bezirksliga Süd.
Die Szene, die das Blut aller in Wallung brachte, hatte nichts mit dem Ausgang zu tun. Wie Johannes Fischer zur Grätsche ansetzte, hieß es 1:2 aus Sicht des SV Ohlstadt. Am Ende verlor der Gast 1:3 die Bezirksliga-Partie in Bad Heilbrunn. Fischer traf seinen sprintenden Gegenspieler Anton Krinner am Knöchel. Ein hartes Foul, für das er sich selbst eine Zehn-Minuten-Zeitstrafe aufgebrummt hätte. Aber gleich Rot? Nie und nimmer, befanden die Ohlstädter Fußballer.
Ordner, SVO-Fans und Polizisten verhindern wohl Schlimmeres
Die Heilbrunner, vor allem ihre Anhänger, wiederum hielten Rot für das Mindestmaß. Wie Fischer im Vollsprint das Feld Richtung Kabine verließ, stürmten einige Zuschauer mit erhobenen Fäusten auf ihn zu. Wie gut, dass sich direkt in der Nähe Ordner, SVO-Fans und auch zwei Polizisten befanden, die sich wie ein Schutzwall aufbauten und Schlimmeres verhinderten. „Kann nicht sein, dass die Zuschauer auf unseren Spieler losgehen. Das ist voll daneben“, sagt Ohlstadts Trainer Rudi Schedler. Ob die Tumulte auf der Tribüne für den HSV noch ein Nachspiel haben werden, hängt an den Schiedsrichtern und ihrem Befund der Ereignisse. Die Gäste jedenfalls verzichten auf einen nachträglichen Protest, wie Abteilungsleiter Florian Müller hinterher bestätigte.
Rakete und Stoppfehler: SVO verspielt Führung
Die wahrlich nicht alltägliche Begebenheit soll aber nicht den sportlichen Part übertünchen. Der SVO zeigte eine kaum zu kritisierende Leistung. „Bis auf den Ausgang gut“, hält Schedler fest. Eines der beiden Gegentore war nicht zu verteidigen. Den Schuss von Jonas Gall zum 1:1, diesem großen Talent des HSV, nannte der Stadionsprecher zu Recht eine „Rakete“. Er schlug im Kreuzeck ein. Viel mehr ärgerte die Gäste, dass der Linienrichter eine ihrer Meinung nach klare Abseitsstellung davor nicht erkannt hatte. Beim letztlich entscheidenden 2:1 kurz nach der Pause unterlief Simon Nutzinger ein Stoppfehler bei der Annahme. Anlasten wollte ihm das aber keiner. „Er will Fußball spielen, das rechne ich ihm an“, sagt Schedler. Das dritte und letzte Tor war nur Ergebniskorrektur, fiel in der 97. Minute, der SVO köpfte einen Ball direkt zu Schütze Benedikt Specker.
Lange fair, gen Ende lädt sich die Stimmung auf
Warum sich die Gäste so ärgerten über das Ergebnis: Zu jeder Zeit bekämpften sich zwei ebenbürtige Teams. Jede mit ihren guten Phasen, jede mit guten Chancen. Ohlstadt eröffnete mit einem Kopfballtor von Maximilian Schwinghammer (7.) nach Eckball. „Endlich greift unsere Eckenstärke wieder“, freut sich der Coach. In den Minuten danach hätte der SVO erhöhen können. Genauso ging es später den Heilbrunnern im Anschluss an das 2:1 von Benedikt Specker (47.). So bewegte sich dieses lange Zeit faire Duell auf ein spannendes Finale zu. Ohlstadt, ohne Druck und mit dem Mut des Rückstands, entdeckte seine spielerische Stärke wieder. Ein ums andere Mal brachte der SVO seine Flügel ins Laufen oder holte Standards heraus. „Die Mannschaft hatte eine gute Energie“, lobt Schedler. Nur beim Abschluss stellten sich die Aufsteiger nicht so clever an. „Oft falsch gestanden oder Pech gehabt.“ Jonas Thümmler vergab die größte Chance nach einer Freistoßflanke aus wenigen Metern – knapp vorbei. Mit dem Ansturm der Gäste lud sich die Stimmung auf. Nutzingers Foul nach Handspiel brachte die Anhänger erstmals in Aufruhr. Nach dem Vergehen von Fischer eskalierte es. Zum Glück ohne schlimmere Folgen.