Nach fünf Jahren Stillstand gibt es ein Nutzungskonzept für das „Quartier am Bahnhof“ in Taufkirchen. Der Bauplan könnte Mitte nächsten Jahres stehen.
Taufkirchen – Optiker, Buchladen, Bioladen, Cafés, Büros, Zahnarzt, Hotels und Wohnungen – das „Quartier am Bahnhof“ in Taufkirchen soll ein lebendiger und attraktiver Ortskern werden. Mit dem neuen Nutzungskonzept kann die Gemeinde jetzt in die nächste Planungsphase gehen. „Es ist ein Meilenstein für die Gemeinde Taufkirchen“, sagt Zweiter Bürgermeister Michael Lilienthal (Freie Wähler) beim Pressegespräch im Rathaus. Damit widerspricht er dem Vorwurf des Investors Christian Lealahabumrung von Rock Capital, dass die Gemeinde zu zögerlich agiere. Er sagt: „Die Gemeinde ist nicht schuld, dass so lange nicht vorwärts ging.“
Das jetzige Nutzungskonzept bildet die Grundlage für weitere Entwicklungen zum Bebauungsplan. Nach langem Stillstand kommt Bewegung in die marode Ladenpassage. Schon lange hatte die Lindenpassage den Charme der 70er Jahre verloren. Schlechte Bausubstanz, erste Anzeichen des Verfalls und leerstehende Geschäfte. Dann ein Lichtblick. Vor zehn Jahren kaufte die Rock Capital Group, einer der großen Immobilienentwickler in Bayern, die Lindenpassage. Schnell wurden sich Gemeinde und Investor einig. Ein neuer Ortskern mit Einzelhandel und Wohnungen sollte entstehen.
Ende 2016 stand der Bebauungsplan. Doch es kam kein Bauantrag, denn die Pläne des Investors hatten sich geändert. Rock Capital hatte damit begonnen, die benachbarte Eschenpassage aufzukaufen. Das Ziel des Investors war es, den gesamten Bereich von der Lindenstraße bis zum S-Bahnhof einschließlich einiger angrenzender Grundstücke zu erschließen und das „Quartier am Bahnhof“ zu realisieren.
Fünf Jahre lagen die Pläne für die Lindenpassage auf Eis. „Wir haben vor zwei Jahren den Resetknopf gedrückt“, sagt Lilienthal. 2021 beschloss der Gemeinderat die Neuplanung des gesamten Quartiers von Eschen- und Lindenpassage. „Wir haben bei Null angefangen“, so Lilienthal. „Alle Planungen zuvor waren für die Katz.“
Finanzvolumen des Projekts liegt bei 1,5 Milliarden Euro
Inklusive des nördlich angrenzenden Geländes der BÄKO umfasst das Planungsgebiet 12,6 Hektar. Das Finanzvolumen des Projekts liegt bei 1,5 Milliarden Euro. Im März 2022 ging das renommierte Büro Steidle Architekten aus München als Sieger aus einem Wettbewerb hervor. Jetzt liegt das Nutzungskonzept vor. Damit wird die Gemeinde weitere Gutachten zu Verkehr, Einwohnerzahl und Infrastruktur beantragen. Der neue Ortskern soll Treffpunkt und Quartierszentrum für bestehende und neue Taufkirchner Bürger, für Gäste und Unternehmen sowie ihre Beschäftigten werden. „Dafür braucht es einen bunten Nutzungsmix“, sagt Jan Vorholt von der Beratungsfirma Cima.
Innerhalb von drei Monaten untersuchte Cima, was auf den 200 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen könnte. Gewerbe und Wohnen sollen im gesamten Quartier in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Die reine Wohnnutzfläche könnte 65 000 Quadratmeter betragen. Fachplaner rechnen mit 865 neuen Wohnungen. „Die Zahl kann noch variieren“, sagt Vorholt. „Wir müssen jetzt prüfen, ob das Nutzungskonzept realistisch umsetzbar ist.“ Der Gemeinde ist vor allem wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Für Ärztehaus kommen drei Standorte infrage
Auch im Konzept verankert sind Freizeit-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten sowie Sport- und Freizeitangebote. Wo das neue Ärztehaus hinkommt, müssen Gemeinde und Investor noch klären. Dazu kommen drei Standorte im fußläufigen Umfeld vom „Quartier am Bahnhof“ in Frage: die Kegelfelder, im neuen Quartier oder östlich der Bahngleise.
Wenn sich aus den Ergebnissen der jetzt gestellten Gutachten neue Herausforderungen ergeben würden, müsse das Nutzungskonzept angepasst werden: Vorholt sagt: „Bei so einem Projekt ist es normal, dass man drei Schritte vorwärts und dann wieder einen zurückgehen muss.“ Bauamtsleiter Stefan Beer erklärt, dass es nicht nur an der Gemeinde liege: „Wir haben über ein halbes Jahr gewartet, bis uns der Investor eine Kostenübernahme bestätigt hat.“ Die nächsten Schritte seien aber geplant. Die Planungsgesellschaft Stadt Land Verkehr GmbH erstellt ein Verkehrsgutachten. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum untersucht, wie sich die Einwohnerzahlen entwickelt könnten. Ein kleinklimatologisches Gutachten ermittelt, wie sich das Quartier auf die Umgebung auswirken könnte. Auch ein Thema sind Geothermie und Fernwärme.
Sobald die Ergebnisse der nächsten Gutachten Mitte 2024 vorliegen, will die Gemeinde die Bürger am Prozess beteiligen. Verwaltung und Planer arbeiten daran, bis Januar 2025 das Bebauungsplanverfahren einleiten zu können. Bis das Quartier umgesetzt ist, rechnet die Gemeinde mit mindestens acht bis zehn Jahren.
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