Eindeutiges Graffiti - Schüler protestieren gegen AfD-Lehrer, Direktor wiegelt ab

Mit einem eindeutigen Graffiti und einer anonymen E-Mail sollen sich Schüler in Ravensburg gegen einen ihrer Lehrer gewendet haben. Wie „Schwäbische.de“ berichtet, machten die Schüler ihrem Ärger über den Gemeinschaftskunde-Lehrer Luft. An der Außenwand der Gewerblichen Schule ist nun mit knallroter Sprühfarbe zu lesen: „AFD Unterricht Nein Danke“.

Lehrer für Gemeinschaftskunde unterstützt AfD

In der E-Mail, die „Schwäbische.de“ zitiert, gehen sie noch weiter auf ihre Kritik an Andreas Piekniewski ein, der auch AfD-Funktionär im Bodenseekreis ist. Demnach befürchten die Schüler, dass das Gedankengut, das Piekniewski vertrete, Einzug in ihren Unterricht halten könne. Sie beziehen sich dabei auf eine Demonstration gegen ein Flüchtlingsheim in Salem, die Piekniewski mitorganisiert hat, und beschuldigen ihn, den rechtsextremen Verschwörungsmythos des „Bevölkerungsaustausches“ zu unterstützen.

Auch das Treffen in Potsdam, bei dem sich unter anderem Mitglieder der AfD und der identitären Bewegung über die „Remigration“ von Millionen Menschen ausgetauscht hatten, sei ein Grund für den Protest. In der Mail heiße es dazu laut „Schwäbische.de“: „Das finden wir beängstigend und wollen dieses Gedankengut an unserer Schule nicht haben!“

Schulleiter betont, dass Unterricht „nicht nach Parteibuch“ stattfindet

Der Schulleiter, Bernd Vogt, weist die Vorwürfe zurück und betont: „An unserer Schule gibt es keinen CDU-, Grünen-, SPD-, FDP-, ÖDP-, AfD-... Unterricht.“ Stattdessen seien die Stunden „nicht nach Parteibuch, sondern nach Bildungsplan“ organisiert. Zudem sei es Privatsache, wo und inwieweit sich Lehrer politisch engagieren. Es sei erst dann für die Schulleitung relevant, „wenn es zu extremistischen Aussagen oder parteipolitischen Vereinnahmungen im Dienst kommt“, sagt Schulleiter Vogt.

Steve Kenner, Professor für Politikwissenschaft stellt gegenüber „Schwäbische.de“ aber ein Problem heraus. Gerade von einem Pädagogen, der Politik unterrichten soll, sei eine kritische Reflexion mit Verschwörungsmythen und ähnlichem zu erwarten.

Das sei aber nur schwer möglich, wenn der Pädagoge selbst genau so etwas unterstützte. „Eine menschenverachtende Ideologie der Lehrkraft kann junge Menschen einschüchtern und aufgrund des bestehenden Abhängigkeitsverhältnisses zu einer besorgniserregenden Atmosphäre im Politikunterricht führen“, sagt Kenner.

Ein SPD-Fraktionsvorsitzender hat bereits das zuständige Kultusministerium kontaktiert, um zu überprüfen, wie sehr Piekniewski tatsächlich hinter dem Grundgesetz steht. Und auch der Direktor möchte das anonyme Graffiti zum Anlass nehmen, einen Austausch an seiner Schule zu starten.