„Einbruch in die Dämmerung“: Klug und Faßlrinner präsentieren Werke im Taubenturm Dießen

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Die Künstler Anna Dorothea Klug und Nikolaus Faßlrinner (Mitte) mit den Organisatoren der Taubenturm-Ausstellungen im Heimatverein Katharina Andress (links) und Matthias Rodach (rechts). © Jakobs

Dießen - Seltsame und mystische Wesen sind derzeit im Taubenturm Dießen eingezogen. Über alle drei Stockwerke verteilt findet man die Keramiken von Anna Dorothea Klug und die Malereien und Grafiken von Nikolaus Faßlrinner – zu sehen noch an den kommenden beiden Wochenenden bis zum 30. Juni.

 Seit vielen Jahren ist die Kemptener Keramikerin bereits am Dießener Töpfermarkt vertreten, hat dieses Mal aber auch Figuren anderer Dimensionen dabei. Besonders beeindruckend das Begrüßungskomitee aus fünf Keramikfiguren im ersten Stock mit dem Titel “Aus dem Dunklen Wald.“ Die Keramiken von Klug sind in Wulsttechnik aufgebaut und mehrmals engobiert. Die unterschiedlichen Farbtöne der Engoben wiederholen sich, oftmals scheint aber auch der rohe Ton durch, eine fliederfarbene Masse aus Spanien.

„Alles entsteht aus einer Zeichnung, und ich nehme mir auch immer ein Thema vor“, erklärt Klug. Sie erzähle Geschichten von Gefühlen und Stimmungen, aus denen sichtbare Wesen hervortreten. Die Figuren-Gruppen, die sie baue und in Installationen füge, sehe sie vorher vor ihrem geistigen Auge. „Und ich halte mich auch an meine Skizzen, sie sind  Beginn und Hintergrund“, sagt sie, und lacht. Denn in dieser Hinsicht sind ihre Arbeitsweise und die ihres Partners Faßlrinner sehr unterschiedlich. „Wenn ich beginne, weiß ich noch gar nichts, alle Arbeiten entstehen aus dem Inneren heraus - es ist eher so ein Gefühl“, sagt der Kemptener. Vielfach arbeitet er auf Büttenpapier, stellt teilweise sogar seine Tinten selbst her, mischt Aquarellfarben an, verwendet verschiedene Tuschen. „Da ist ein bisschen Alchemie im Spiel“, meint er. Dadurch beginne er mit dem Malprozess weiter vorn als andere, könne die Farben an seine Bedürfnisse anpassen. Auch die Landschaften lebten von der Farbigkeit, von der Aura, die durch die Farbigkeit entstehe.

Während die Keramikerin greifbare, wenn auch rätselhafte Figuren schafft, die ihre Geheimnisse  lieber für sich behalten, betont Faßlrinner eine andere Auffälligkeit mit seinen Landschaften: eine Fantasiewelt ohne Menschen. „Die Abwesenheit ist auch ein Motiv, das den Menschen widerspiegelt“, meint Faßlrinner. Dafür tauchen hier und dort tierartige Wesen auf. „Sie können eine gewisse Handlung auslösen, eine Geschichte anstoßen, sind aber eher nicht greifbar, es ist eine Ebene zwischen Traum und Wirklichkeit.“ Und da ist er wieder der Bezug zu den Keramiken, auch sie leben in einer Art Zwischenwelt.

„Die Figuren von Anna Dorothea Klug nehmen uns mit in ein Paralleluniversum, eine Anderswelt, in der Tiere leben, aber auch bunte Mischwesen, die einem Berliner Nachtclub entstiegen sein könnten“, beschreibt es dann auch Katharina Andress, die gemeinsam mit Matthias Rodach auch in diesem Jahr die Ausstellungsreihe im Taubenturm konzipiert hat. Die Tiere Faßlrinners in seinen Landschaften dagegen wirkten eher einsam. Der Kunstkosmos der beiden Kemptener passe wunderbar in den Taubenturm, findet Andress. „Ich hatte das Gefühl, dass die Wesen hier ein Eigenleben führen, ausschweifen in die Schatzbergwälder oder nachts anfangen zu tanzen.“  Die Wesen erinnerten sie an ferne Kindertage, in denen man noch an unglaubliche, fantastische Traumwelten geglaubt habe, weshalb sie beschlossen habe, wieder mehr an das Geheimnisvolle im Leben zu glauben. Nur die Fledermäuse fehlten noch an diesem Eröffnungsabend der Ausstellung, die man aus den Fenstern des Taubenturms sonst so gut beobachten könne.

Die Ausstellung im Taubenturm Dießen (Klosterhof 8) ist noch am 22. und 23. Juni sowie am 29. und 30. Juni (jeweils von 14 bis 18 Uhr) geöffnet. Die Künstler sind am Abschluss-Sonntag noch einmal anwesend.

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