Der Tölzer Leo Pfund gewinnt die Mixed-Staffel in Nove Mesto, wurde aber nachträglich disqualifiziert. Ein technischer Fehler seiner Partnerin kostete den ersten deutschen Saison-Sieg. Totzdem ein „Hammer-Wochenende“ für den Neuling.
Nove Mesto/Bad Tölz – Alles dabei bei seinem ersten Weltcup-Wochenende: Faustdicke Überraschungen, riesen Jubel, sogar ein Sieg. Dann aber ein großes Drama, nachdem Leonhard Pfund (SC Bad Tölz) bei der Mixed-Staffel im tschechischen Nove Mesto als Erster über die Ziellinie fuhr, er und seine Team-Partnerin jedoch nachträglich disqualifiziert wurden, weil Marlene Fichtner das Gewehr nach dem Schießen nicht rechtzeitig über die Schulter gezogen bekam. Die 22-jährige war untröstlich, der Tölzer machte ihr jedoch keinerlei Vorwürfe. „Das kann jedem mal passieren, das war einfach aus Versehen.“
Vielmehr genoss Pfund sein erfolgreiches Wochenende, seine ersten Weltcup-Auftritte überhaupt. Es wäre die erfolgreiche Olympia-Norm gewesen, im ersten Versuch. Rang 13 im Kurzen Einzel, beim Massenstart am Sonntag wurde Pfund 15. „Es war ein Hammer-Wochenende, richtig cool, ich bin sehr glücklich.“
Glücklich war er auch noch 15 Minuten lang nach der Mixed-Staffel. Im Ziel fielen sich die beiden um den Hals. Beide hatten sich keinen Schießfehler geleistet, lagen nach lediglich ein paar Nachladern an der Spitze des Feldes, das Pfund mit einem Bombenantritt im Schlusssprint einfach hinter sich ließ. Es wäre der erste deutsche Saisonsieg gewesen. „15 Minuten lang Weltcup-Sieger – das Gefühl nimmt einem keiner mehr“, sagt der Athlet des Tölzer Skiclubs. Doch bei der Siegerehrung stand Finnland ganz oben. Eine Viertelstunde nach dem Zieleinlauf kam die Hiobsbotschaft für das DSV-Team: Die deutschen Sieger sind disqualifiziert.
Der Grund: Fichtner war nach dem zweiten Liegendschießen schon wieder auf der Strecke, als ihr Gewehr noch nicht ordnungsgemäß auf dem Rücken verstaut war. Das Tragegestell des Schießgeräts der Deutschen hatte sich beim Verlassen der Matte am Schießstand an ihrer Sonnenbrille verfangen. So bekam sie nicht direkt ihren linken Arm durch die Schlaufe. Erst als die 22-Jährige ihre Brille weggeworfen hatte, klappte es. Für IBU-Renndirektor Borut Nunar der Grund für die Disqualifikation. „Die Regeln am Schießstand sind sehr streng. Und die Regel wurde verletzt“, begründet er. Fichtner: „Das ist natürlich ganz bitter, wenn man ausgerechnet bei einem Weltcup-Sieg so einen blöden Fehler macht“, sagt sie. „Aber wir haben gesehen, was wir zu leisten imstande sind.“ Und Pfund: „Wir haben uns natürlich schon geärgert nach dem Rennen, haben es aber gut verkraften können. Es hat sich trotzdem jeder mit uns gefreut.“
Pfund, der bisher nur im unterhalb dem Weltcup angesiedelten IBU-Cup unterwegs war, zeigte deutlich auf, dass er rein sportlich nicht hinterher ist. Im 15-km-Massenstart hielt er sich nach drei fehlerfreien Schießeinlagen in der Spitzengruppe mit Weltcup-Größen wie Eric Perrot und Campbell Wright. Wirkte sehr frisch bei seinem dritten Rennen am Wochenende, lieferte sich mit dem später drittplatzierten Sverre Aspenes problemlos ein Duell um Rang drei. Beim letzten Stehendschießen schaltete sich dann doch der Kopf ein. „Ich habe immer überlegt, was hier eigentlich los ist, ich habe mich schon immer zusammenreißen und konzentrieren müssen“, sagt der Tölzer. Die erste und die dritte Scheibe blieben stehen – knapp links vorbei. „Ärgerlich, aber okay.“ Denn es war sicherlich ein Weltcup-Wochenende, das Pfund nicht so schnell vergessen wird.