Der von Russland im Ukraine-Krieg zerstörte Kachowka-Damm hat noch immer Auswirkungen auf die Ukraine. Heuschrecken plagen das Land.
Kiew – Abermillionen von Heuschrecken bedrohen die landwirtschaftlichen Flächen der Ukraine – eine unmittelbare Konsequenz des Ukraine-Kriegs. Die Regionen Dnipro und Saporischschja sind nach ukrainischen Berichten besonders stark betroffen, ebenso die von Russland besetzte Krim-Halbinsel. Auch in den Gebieten um Krywyj Rih, Cherson und Odessa wurden Heuschreckenschwärme gesichtet, wie die Kyiv Post meldet. Die Region Saporischschja scheint am stärksten unter dem Insektenbefall zu leiden.
Obwohl Heuschrecken in der Ukraine kein unbekanntes Phänomen sind, erreicht das Problem in diesem Jahr neue Dimensionen. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Dienstes für Lebensmittel und Verbraucherschutz, Vadym Chaykovskyi, erklärte dem Agrarmedium Latifundist: „Seien wir ehrlich, der Hauptgrund hierfür ist größtenteils der Krieg (…) Verlassene Felder in der Nähe der Frontlinie, Zerstörung des Wasserkraftwerks Kachowka. Die Heuschreckenplage ist eine Folge des Ökozids Russlands gegen die Ukraine.“
Zerstörter Staudamm als Auslöser für die Heuschrecken-Plage in der Ukraine?
Der Karchowka-Staudamm wurde im Juni 2023 zerstört. Kiew beschuldigt Moskau der Sabotage. Das frühere Wasserreservoir verschwand vollständig, während der gestaute Dnipro wieder seinen ursprünglichen Verlauf nahm. Von dem ehemaligen Gewässer existiert heute nichts mehr.
Die freigesetzten Wassermassen überschwemmten seinerzeit weite Gebiete und zwangen Bewohner dazu, Zuflucht auf ihren Hausdächern zu suchen. Die ökologischen Folgen des zerstörten Damms sind auch heute noch in der Region zu spüren. Andriy Piatnitsky, stellvertretender Regionschef von Saporischschja, betonte jedoch, dass von den Heuschreckenschwärmen keine unmittelbare Bedrohung für die Bevölkerung ausgehe: „Es besteht keine Gefahr für Menschen. Ja, es sieht schrecklich aus. Ja, es gibt eine riesige Anzahl von Insekten, der Himmel ist voll davon, aber ich sage noch einmal, dass dies keine Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Bürger darstellt.“
Heuschrecken gefährden die Ernten in der Ukraine
Auch der Kiewer Universitäts-Ökologe Taras Shevchenko sieht in den ungenutzten Frontgebieten und der Damm-Zerstörung die Hauptursachen für die Insektenplage. Der Wissenschaftler teilte Ukrainian National News mit: „Die Zerstörung des Wasserkraftwerks Kachowka und die Verringerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche aufgrund der Invasion führten zur Wiederherstellung günstiger Bedingungen für die Entwicklung von Heuschrecken. In Kombination mit den natürlichen Zyklen der Insekten führte dies zu einer massiven Vermehrung von Heuschrecken in diesem Jahr.“
Nach Angaben der Kyiv Post leiden ebenfalls russisch besetzte Territorien unter dem Insektenbefall. Die Schädlinge haben bereits etwa 200 Hektar Maisfelder in der Region Saporischschja vernichtet. (sischr)