Wirtschaftsweise warnt: Deutschland verliert durch Stromkosten gegen USA und China

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Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Krise und die Strompreise sind ein Grund dafür. Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt vor unrealistischen Erwartungen.

Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft steckt in einer der größten Krisen der Nachkriegszeit. Das hat mehrere Gründe. Die renommierte Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm warnt vor unrealistischen Erwartungen bei den Strompreisen in Deutschland. Die Expertin, die seit 2020 den „Wirtschaftsweisen“ angehört, betont, dass Deutschland strukturell nicht mit den niedrigen Stromkosten in den USA oder China mithalten könne.

Deutsche Wirtschaft hat Probleme durch „strukturelle Standortfaktoren“

Deutschland wird aufgrund seiner strukturellen Standortfaktoren – etwa begrenztem Zugang zu günstigen Primärenergien – langfristig kaum mit den Stromkosten in den USA oder China konkurrieren können“, erklärte die 53-jährige Ökonomin in einem Interview mit The European.

Statt des billigsten Strompreises müsse das Ziel vielmehr „ein verlässlich kalkulierbarer und langfristig tragfähiger Strompreis sein“, so Grimm.
Statt des billigsten Strompreises müsse das Ziel vielmehr „ein verlässlich kalkulierbarer und langfristig tragfähiger Strompreis sein“, so Grimm. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Statt des billigsten Strompreises müsse das Ziel vielmehr „ein verlässlich kalkulierbarer und langfristig tragfähiger Strompreis sein“, so Grimm. Dabei sei es entscheidend, strukturelle Kostenfaktoren anzugehen, anstatt dauerhaft auf Subventionen zu setzen. Letztere würden die Unsicherheit erhöhen und Investitionsentscheidungen erschweren.

Wirtschaftsweise Grimm sieht Netzausbau als Schlüsselfaktor

Ein zentrales Problem sieht die Wirtschaftsweise im schleppenden Ausbau der Energieinfrastruktur. „In der Realität hinkt der Netzausbau allerdings deutlich hinter den ambitionierten Planungen her“, kritisierte Grimm. Dringend nötig seien jetzt „massive Investitionen, kombiniert mit einem Fokus auf Kosteneffizienz und schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren“.

Die Expertin plädiert für einen stärker abgestimmten Ausbau der Energienetze – nicht nur untereinander (Strom, Gas, Wasserstoff), sondern auch im Zusammenspiel mit weiteren Infrastrukturen wie Mobilität, Fernwärme, CO₂-Transport oder Glasfaser. Dies könne Synergien schaffen und Baukosten senken.

Studie zeigt: Stromkosten werden langfristig hoch bleiben

Eine Studie aus dem vergangenen Jahr, die Grimm gemeinsam mit Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt hat, bestätigt ihre Einschätzung. Die Untersuchung, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt, dass die Stromkosten trotz Energiewende langfristig auf hohem Niveau bleiben könnten.

Demnach könnten die direkten Kosten für Strom aus Windkraft und Photovoltaik bis 2040 zwar auf rund drei Cent je Kilowattstunde sinken. Das Problem: Wenn alternative Energiequellen wie Gaskraftwerke einspringen müssen, weil Wind und Sonne nicht ausreichend verfügbar sind, steigen die Kosten deutlich. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren könnten die Stromkosten 2040 immer noch bei 7,8 Cent liegen und sich damit auf einem ähnlichen Niveau wie heute bewegen.

„Die Stromkosten dürften nicht – wie erhofft – mit dem Ausbau der Erneuerbaren deutlich sinken“, fasst Grimm zusammen. Die genaue Entwicklung der Preise hänge zwar von vielen Faktoren ab, aber die Studie lege nahe, dass die Energiewende weder zum großen Rückgang der Strompreise führen dürfte noch zu massiven Preisaufschlägen.

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