Tief in die Tasche greifen muss die Gemeinde Neubiberg künftig für den Winterdienst. Doch der Kommune bleibt keine andere Wahl.
Neubiberg - Schnee- und eisfreie Straßen kosten: Mit 720 000 Euro wurde der Auftrag über sogenannte Winterdienstleistungen in Neubiberg im Mai öffentlich ausgeschrieben, jetzt wird es wohl dreimal so teuer: Weit über zwei Millionen Euro (exakt: 2 358 485,87 Euro) berappt die Gemeinde nun für die Arbeiten der Münchner Firma Retec GmbH. Die Vergabe an den Reinigungsspezialisten, mit dem Neubiberg laut Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) bereits in anderen Bereichen zusammenarbeitet, hat der Gemeinderat (bei einer Gegenstimme) in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Der neue Rahmenvertrag gilt vom 1. November 2024 bis 31. März 2028.
Andere Firma wollte fünf Millionen Euro
Woher die immensen Mehrkosten? Bei der Ausschreibung sei man von den angefallenen Beträge der letzten fünf Jahre ausgegangen, erklärt Pardeller. Preistreiber wie „Inflation sowie die aktuellen Preissteigerungen“ hatte hierbei man nicht bedacht. Den Einwand von Gemeinderätin Elisabeth Gerner (SPD), man hätte die Ausschreibung ja auch aufheben können, will der Rathauschef mit Verweis auf die knappe Zeit nicht gelten lassen: „Am Ende stehen wir dann ganz ohne Winterdienst da“, so seine Befürchtung. Zudem bewege sich das Retec-Angebot im „marktüblichen“ Rahmen und scheint noch vergleichsweise günstig: Ein anderes Unternehmen hatte sogar über fünf Millionen Euro verlangt.
Kalkulation auf dünnem Eis
Die steigenden Aufwendungen in der kalten Jahreszeit sind zum Teil auch hausgemacht: Die Gemeinde wollte sparen und hatte deshalb die Eigenleistungen ihres eigenen Winterdienstes seit 2006 zurückgefahren und stattdessen externe Dienstleister engagiert. Laut Rathauschef Thomas Pardeller hätte sich dieses Procedere auch in anderen Kommunen bewährt.
Allerdings bewegt sich die Gemeine Neubiberg mit dieser Kostenkalkulation auf dünnem Eis, weshalb man im Rathaus, um eventuelle Streuverluste zu vermeiden, nochmals nachrechnen und das Konzept somit rutschfest machen will: Die Verwaltung, so der jüngste Gemeinderatsbeschluss, soll für die Zeit ab 2028 „eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit den Varianten der externen Vergabe (Teilvergabe) und der Eigenleistung“ erstellen.