Nach den großflächigen Überflutungen im Jahr 2016 ist der Hochwasserschutz in Polling ein Dauerthema. Neben den Planungen für große bauliche Maßnahmen wird der Fokus auch auf kleinere Aktionen gelegt – wie die jährliche Sohlvermessung des Ettinger Bachs und Tiefenbachs. Die Ergebnisse für 2025 wurden nun im Gemeinderat vorgestellt.
Der Tiefenbach in Polling ist kein natürliches Gewässer. Er wurde vor langer Zeit angelegt, um das Kloster mit Wasser zu versorgen und um später Energie zu gewinnen. In der jüngsten Sitzung des Pollinger Gemeinderats sprach Walter Hildebrandt von einem „Kalktuffgewässer ohne harte Sohle“: „Das große Problem ist die Struktur des Gewässers. Wir haben zum Teil Bereiche mit fast keiner Fließgeschwindigkeit. Da setzen sich natürlich Sedimente ab“, so der Bauamtsleiter.
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Sediment- und Schlammbildungen im Bachbett konterkarieren wiederum den Hochwasserschutz. „Bei Starkregen kann das fatale Folgen haben“, konstatierte Hildebrandt. Die Gemeinde lässt deshalb über ein Ingenieurbüro einmal im Jahr die Bachsohlen vermessen. „In manchen Bereichen schaut´s ganz vernünftig aus“, berichtete Hildebrandt.
Gemeinde lässt Bachsohlen einmal im Jahr vermessen
Der Ettinger Bach und der Tiefenbach wurden bei der Vermessung in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Im Bereich vom Klostertorbogen Richtung Süden reichen die Ablagerungen vom Randbereich bis hin zur Sohlmitte mit einer „durchgängig variierenden Mächtigkeit“ von durchschnittlich 13 bis maximal 50 Zentimeter Verschlammungstiefe, wie es in der Ergebnis-Zusammenfassung des Ingenieurbüros heißt. „Sorgenkind“ ist und bleibt laut Hildebrandt der „Abschnitt 2“ zwischen Dorfbebauung und nördlicher Moosbrücke. Dort wurden die stärksten Ablagerungen mit maximal 1, 3 Metern gemessen. Vor allem in der Kurve vor der Ortsbebauung ist die Verschlammung massiv. Im „Abschnitt 6“ wiederum gibt es keine Ablagerungen. Dort könnten laut Hildebrandt sogar autochthone Fische Laichmöglichkeiten finden. Auch am Ettinger Bach ist die Verschlammungstiefe noch im akzeptablen Bereich.
„Müssen den Bach sauber bekommen“
Dort sind heuer respektive 2026 keine Sedimententnahmen erforderlich. Nicht so aber an den neuralgischen Abschnitten am Tiefenbach. „Da muss die Gemeinde auf alle Fälle tätig werden“, erklärte Hildebrandt: „Weilheim im Unterlauf wird sich darüber zwar weniger freuen, aber wir müssen den Bach sauber bekommen.“ Die Gemeinde befindet sich bereits im Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde. Eventuell kommt ein Mähboot zum Einsatz, das auch Schlamm aus dem Bachbett saugen kann. Einen Schreitbagger, so hieß es in der Ratssitzung, könne erst im nächsten Jahr wieder gebucht werden.
Markus Pawlowski (WGP) sprach in Bezug auf die Schlammausbaggerung respektive -absaugung von einer „symptomatischen Behandlung“. Es stelle sich parallel die Frage, ob die Sedimenteinbringung generell reduziert werden könne.
Biber bohren Röhren
Über den Rettenbach werde zum Beispiel sehr viel Material eingespült. Doch neben der geringen Fließgeschwindigkeit sorgen unter anderem auch die von Bibern gebohrten Röhren für Ausspülungen. In der Schlucht auf Oberhausener Flur, erklärte der Bürgermeister, würde man mit Spundwänden arbeiten – aber: „Im Rettenbach selbst geht das aufgrund der hydraulischen Gegebenheiten nicht“, so Pape.