YouTuber besucht BND – Mitarbeiter gesteht ihm: "Hatte 44 Identitäten"

Der Bundesnachrichtendienst sammelt Informationen, die für die Sicherheit Deutschlands relevant sind. Dabei nutzt er offene Quellen sowie technische Mittel wie Satellitenbilder, vor allem aber menschliche Quellen. Der YouTuber Felix Michels, bekannt als "Tomatolix", durfte den deutschen Auslandsgeheimdienst einen Tag lang besuchen. Dabei hat er unter anderem mit einem BND-Agenten gesprochen.

Menschen als Quelle als "Königsdisziplin"

Julia Linner, Pressesprecherin des BND, beschreibt die Form der menschlichen Informationsgewinnung als die sensibelste: "Die Königsdisziplin der nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung ist nach wie vor Human Intelligence, die menschliche Quelle."

Wie diese Arbeit konkret aussieht, erklärt ein operativ tätiger Agent, der sich im "Tomatolix"-Video "Frederik" nennt – ein Name unter vielen. Im Laufe seiner Karriere habe er zahlreiche Rollen oder Identitäten angenommen: "44 hatte ich bisher, wobei ich davon nur 43 wirklich eingesetzt hatte. Eine hatte ich noch zur Sicherheit."

Nichtmal die Geschwister wissen davon

Zur Informationsübergabe kämen teils einfache, aber effektive Mittel zum Einsatz, etwa sogenannte versteckte Briefkästen im öffentlichen Raum. Dabei wird die Kommunikation bewusst minimiert, erklärt der Agent: "Weil jede Kommunikation aufgefangen werden kann."

Die Geheimhaltung ende nicht nach Feierabend. Viele Mitarbeitende würden ihren Beruf selbst vor engen Angehörigen verbergen. "Keiner in meiner Umgebung weiß, dass ich beim BND arbeite. Ich habe Geschwister, die wissen nichts." Der Grund dafür ist ernst: "Auf Spionage steht in einigen Ländern immer noch die Todesstrafe."

Vereitelte Anschläge oder politische Krisen: Vieles bleibt verborgen

Die gewonnenen Informationen werden anschließend ausgewertet und an die Bundesregierung weitergegeben. Nicht alles davon erreiche aber jemals die Öffentlichkeit, so der BND-Mitarbeiter – etwa vereitelte Anschläge oder politische Krisen, die im Verborgenen bleiben.

Der YouTuber durfte sich auch einmal selbst am Bestücken von Briefkästen versuchen und stellte dabei fest, dass es gar nicht so einfach ist, unauffällig zu bleiben. Nach dem Besuch beschreibt er den Dreh als "super spannend".