Eklat und Stühlerücken im Dießener Gemeinderat

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Die Feuerwehr Dießen hatte Mitte April alle Hände voll zu tun, den Vegetationsbrand am Aussichtsturm Dießen unter Kontrolle zu bringen. Auch der Dießener Gemeinderat Franz Sanktjohanser half spontan beim Löschen. Das von Bürgermeisterin Sandra Perzul überreichte Dankeschön geriet aber zum Ärgernis. © FFW Dießen

Wegen eines Danke-Präsents für spontane Hilfeleistung kam es zu ungewohnt lauten Tönen im Sitzungssaal des Dießener Rathauses. Und zu Stühlerücken im Gemeinderatsgremium.

Dießen - Wie berichtet, haben drei noch strafunmündige Minderjährige beim Naturbeobachtungsturm am Südufer des Ammersees mit übrig gebliebenen Silvesterkrachern gezündelt und einen Schilfbrand ausgelöst. Gemeinderat Franz Sanktjohanser (Dießener Bürger) war mit seine Husky-Hündin Yuma gerade beim Gassi-Rundgang durch die Seeanlagen, als er und ein anderer Besucher von Richtung des Turms Rauch aufsteigen sahen. Beide rasten sofort los. Sanktjohanser nahm unterwegs von einem Bauhoffahrzeug einen Federrechen mit. Damit hat er die Flammen ausgehauen, während das der andere Mann mit Weidezweigen tat. Solange, bis die Feuerwehr mit sog. Feuerpatschen eintraf, vom Strandhotel Südsee aus eine Löschwasserleitung legte und übernahm. Franz Sanktjohanser ist sicher, ohne sein und des Passanten schnelles Eingreifen hätten die Flammen auf den hölzernen Steg samt Aussichtsturm übergegriffen.

Dank für Ersthilfe beim Brand im Dießener Vogelschutzgebiet - Geschenkkorb löst Unmut aus

Für diese Ersthilfe dankte ihm Bürgermeisterin Sandra Perzul in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit einem Geschenkkorb, was dem Ratskollegen und Feuerwehrreferenten Johann Vetterl (Freie Wähler) nicht passte. Nicht allein Sanktjohanser hätte den Turm gerettet, sondern auch die Feuerwehr, für die er ein besonderes „Dankeschön“ der Rathauschefin vermisste. Überhaupt fehle ihm ganz allgemein die Wertschätzung der Feuerwehrleute, die eine lange Grundausbildung auf sich nehmen und ehrenamtlich rund um die Uhr für die Sicherheit der Bevölkerung geradestehen. Sandra Perzul widersprach, da bei jedem Neujahrsempfang auf Vorschlag der Ortsfeuerwehren langjährig verdiente Feuerwehrmitglieder geehrt würden. Franz Sanktjohanser, dem Vetterl das Danke-Präsent scheinbar nicht gönnte, schob den Korb in seine Richtung mit der flapsigen Bemerkung, er könne sie seinen Riederauer Feuerwehrkameraden geben, wenn sie Hunger hätten.

Das alles war wohl zu viel für Johann Vetterl. „Aus persönlichen Gründen“ legte er Tage später sein Amt als Marktgemeinderat nieder und warf ein entsprechendes Schreiben in den Briefkasten der Bürgermeisterin. Frank Fastl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, bedauerte dies in einer Stellungnahme. Vetterl habe in seiner insgesamt 20-jährigen Mitgliedschaft im Gemeinderat die Arbeit er Freien Wähler entscheidend geprägt. Mit seiner 24-jährigen Erfahrung als Kommandant sowie von zehn Jahren als Vorsitzender der Riederauer Ortsfeuerwehr habe er seine Funktion als Feuerwehrreferent im Gemeinderat optimal ausgefüllt. Er war außerdem Mitglied im Bauausschuss und einer der Stellvertreter der Bürgermeisterin. FW-Vorsitzender Florian Zarbo: „Der Rücktritt Vetterls ist für uns ein herber Verlust. Seine Erfahrung, sein Einsatzwille, seine Diskussionsfreude und sein kritischer Blick haben die Freien Wähler intern und im Marktgemeinderat stets bereichert. Als Ideengeber von außen wird er uns aber weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.“ Als Nachrückerin für Johann Vetterl steht bereits die Bauunternehmerin Alisa Schneider fest, die bei den letzten Kommunalwahlen immerhin 1.573 Stimmen bekam. Sie ist die erste Frau in der Männerriege der FW-Gemeinderäte.

Bürgermeisterin Sandra Perzul will sich übrigens nicht verbieten lassen, bei entsprechendem Anlass weiterhin engagierte Bürger zu ehren. So bekam gerade ein Dießener ein Präsent, der rund um dem Aussichtsturm 300 weggeworfene Flaschen eingesammelt hat. Ein gefährlicher Leichtsinn, denn bei starkem Sonnenschein könnten sie als Brenngläser ein Feuer entfachen. Ein weiterer Bürger bekam aktuell einen Einkaufsgutschein, weil er in der Freinacht eine brennende Mülltonne in den Seeanlagen gelöscht hat.

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