Wie das Mullah-Regime eine Hamburger Moschee für sich nutzt

Im Kampf gegen Islamisten finden in ganz Deutschland Durchsuchungen statt. Ein von Teheran kontrollierter Verein in Hamburg ist seit Jahrzehnten im Visier der Ermittler.

In einer bundesweiten Aktion gehen Sicherheitsbehörden gegen mutmaßliche Islamisten in mehreren deutschen Städten vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht dabei auch das Islamische Zentrum Hamburg (IZH). Der Verein betreibt unter anderem eine Moschee und steht seit langem in der Kritik von Politik, Exil-Iranern und anderen Muslimen. Lesen Sie hier alle aktuellen Entwicklungen zur Razzia in sieben Bundesländern.

Der gewaltsame Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Iran hatte im September eine von Frauen angeführte Protestwelle losgetreten. Während das Regime in Teheran versuchte, die Demonstrationen gewaltsam zu unterdrücken, gingen auch in Deutschland immer mehr Menschen – vor allem Exil-Iranerinnen – auf die Straße. Viele von ihnen gehen aber auch hier nicht sorgenlos demonstrieren. Der Grund: Das IZH gilt als eine der wichtigsten Außenstellen des Mullah-Regimes in Europa.

Die iranische Community in Hamburg ist groß, Schätzungen reichen von 20.000 bis 30.000 Menschen. Das IZH an der Außenalster wird von vielen jedoch gemieden. Der Verein, der die Imam-Ali-Moschee führt, wird seit Jahrzehnten vom Verfassungsschutz beobachtet. "Das IZH ist ideologisch, organisatorisch und personell ein Außenposten des Teheraner Regimes", heißt es von der Behörde.

"Viele Iraner in Hamburg sehen das IZH als Beleidigung an"

Zuletzt hatten sich Regime-Kritikerinnen vor der Moschee in Hamburg die Haare abgeschnitten – so wie es die protestierenden Frauen im Iran derzeit tun. Auf das IZH war auch ein Farbanschlag verübt worden.

"Viele Iraner in Hamburg sehen das IZH als Beleidigung an", sagt Omid Rezaee im Gespräch mit t-online. Der iranische Journalist lebt seit 2014 in Deutschland, arbeitet für deutsche wie auch für persischsprachige Exil-Medien und beobachtet die Entwicklung des IZH seit Langem. "Sie kommen als Geflüchtete oder Studenten hierher, das Regime hat ihnen das Leben schwer gemacht und sie suchen Freiheit", gibt er einen Einblick in die Exil-Gemeinschaft.

Doch Hamburg sei nicht nur ein Ort der Freiheit für sie, sondern auch ein unsicherer Ort. "Das Islamische Zentrum ist eine Bedrohung für Iraner in Europa", sagt er. Das gelte nicht nur für politisch aktive Personen – auch Mahsa Amini sei nicht politisch gewesen, als sie verschleppt, misshandelt und getötet worden sei. "Ich fühle mich unsicher, weil es da ist."

Verfassungsschutz beschreibt enge Verbindungen zur Hisbollah

Rezaee berichtet von Fällen getöteter Exil-Aktivisten, etwa in der Niederlande. Für ihn steht fest: "Das IZH finanziert auch terroristische Aktivitäten und koordiniert schiitische Islamisten auf dem ganzen Kontinent." Für ihn sei es absolut unverständlich, dass so etwas in Deutschland möglich sei. "Das Zentrum muss verboten werden."

Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) spricht zwar nicht öffentlich über direkte Verbindungen zu Morden, an den Verbindungen zu Terroristen hat es jedoch keine Zweifel, wie dem Verfassungsschutzbericht 2021 zu entnehmen ist. Von "Verstrickungen des IZH zu örtlichen Strukturen der seit April 2020 verbotenen Terrororganisation Hisbollah" ist da die Rede. Diese örtlichen Strukturen seien etwa der 2021 verbotene Verein "Menschen für Menschen" aus Stade, der Geld für Familien getöteter Hisbollah-Terroristen eingesammelt hat.

Der stellvertretende IZH-Leiter, Seyed Soliman Mousavifar, soll laut Verfassungsschutz außerdem in mehreren Facebook-Beiträgen der Hisbollah, den jemenitischen Houthi-Rebellen und den iranischen Revolutionsgarden "gehuldigt" haben. Mousavifar sollte Deutschland seit Juni 2022 verlassen, ging aber gerichtlich gegen die Ausweisungsverfügung vor. Medienberichten zufolge verließ er Deutschland im November 2022.

IZH-Leiter haben gute Chancen, Karriere zu machen

Wer im IZH einen der wichtigen Posten bekommt, kann sich einer Karriere im Regime-Apparat sicher sein. So ist die Familie des derzeitigen Leiters, Mohammad Hadi Mofatteh, "fest in die staatlich-religiöse Elite des Iran eingebunden", schreibt das LfV. Aus ausländischen Sicherheitskreisen erfährt t-online, die IZH-Leitung sei ein regelrechter "Karriere-Booster" für regimetreue Funktionäre.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.t-online.de/region/hamburg/id_100062972/razzia-gegen-islamisten-so-gefaehrlich-ist-das-islamische-zentrum-hamburg.html