Bei einem Lawinenabgang in Südtirol starben fünf Bergsteiger. Reinhold Messner warnt nun, dass sich die Gefahrenlage in den Bergen verändert.
Bozen – An Allerheiligen wurden fünf deutsche Bergsteiger auf ihrer Tour zur Vertainspitze im Ortler-Gebiet von einer Lawine begraben. Der Schock sitzt noch immer tief in der gesamten Bergsteigerszene, in Bayern herrscht tiefe Trauer.
Auch Bergsteigerlegende Reinhold Messner zeigt sich betroffen von der Tragödie. „Man hat mir gesagt, die Opfer waren alle gut ausgerüstet, sie hatten sogar Eisschrauben dabei, und auch das Wetter war günstig. Aber angesichts von fünf Toten, darunter drei sehr junge Menschen, ist es nicht angebracht, über mögliche Ursachen zu spekulieren. In einem einzigen Augenblick hat diese Tragödie drei Familien zerstört“, sagte der 80-Jährige im Interview mit Alto Adige. Auch an der Zugspitze kam es dieses Jahr schon zu einem Lawinenunglück.
Trauer nach Lawinenunglück: Auch Messner bestieg den Berg schon
Messner kennt die 3.545 Meter hohe Nordwand der Vertainspitze gut – er bestieg sie 1965 als 21-Jähriger. Damals galt sie als schwierigste Eiswand Südtirols. Eine Ironie des Schicksals: Zwei der Opfer waren genauso alt wie Messner damals. Die Ausrüstung hat sich seit den 80er Jahren stark verbessert, moderne Eisgeräte machen das Klettern technisch einfacher und sicherer. Doch trotz aller Fortschritte bleibt ein Faktor unberechenbar: die Natur selbst. „Die Natur ist nicht gut oder böse – sie ist einfach da. Und sie ist unberechenbar“, warnt der Extrembergsteiger eindringlich.
Besonders alarmierend: Der Klimawandel verschärft die Lage dramatisch. „Es hat sich radikal verändert und ist auch aufgrund des Klimawandels, der zu einem Anstieg der Temperaturen geführt hat, gefährlicher geworden, wodurch die Berge und Gletscher viel fragiler und instabiler geworden sind“, so Messner. Was früher berechenbar schien, wird heute zur tödlichen Falle. Auch Laura Dahlmeier verstarb am Berg – die vermehrten Steinschläge sind ebenfalls eine Auswirkung des Klimawandels. Er betont im Interview nochmals: „Ich wiederhole: Es ist riskant.“
Nach Lawinenunglück in Südtirol: Einige Details noch unklar
Die Hälfte aller Spitzenalpinisten sei in den Bergen gestorben – eine erschreckende Statistik, die Messner immer wieder betont. Viele unterschätzten heute die Risiken, weil sie in Kletterhallen trainierten, wo Wetter und Naturgewalten keine Rolle spielten, so Messner im Interview mit Alto Adige. Doch wer in den Bergen unterwegs ist, steht im direkten Kontakt mit den Elementen – Schnee, Eis, Wind, Hitze könnten jede Tour plötzlich lebensgefährlich machen, so suedtirolnews.it.
Warum die Gruppen so spät am Nachmittag noch aufstiegen, bleibt unklar. Die Lawine löste sich gegen 15:30 Uhr, als es bereits zu dämmern begann. Normalerweise starten Bergsteiger früh am Morgen, um rechtzeitig vor Wetterumschwüngen zurück zu sein. Die Bergsteiger waren bereits am Morgen in Sulden gestartet, hatten aber keine Skier dabei, was den Abstieg zusätzlich erschwert hätte. Nach Auskunft der Bergrettung bestand keine besonders große Lawinengefahr. Erste Ursachen stehen allerdings im Raum. (Quellen: Alto Adige, suedtirolnews.it, eigene Recherche) (jh)