Elon Musk will auf den Mars, doch jetzt soll zuerst der Mond besiedelt werden. Doch statt die Menschen mit seinen Besiedlungsfantasien zu retten, könnte er den Klimawandel auf der Erde beschleunigen.
Hawthorne (Kalifornien) – Tech-Milliardär Elon Musk träumt vom Leben im Weltall. Statt dafür auf die Suche nach Außerirdischen zu gehen, will der Vertraute von US-Präsident Donald Trump selbst das Weltall kolonisieren. Bislang hatte er dabei vor allem den Mars im Blick. Doch auf seiner Plattform X kündigte er nun an, sich erst einmal auf den Mond beschränken zu wollen.
„Für diejenigen, die es nicht wissen: SpaceX hat seinen Fokus bereits auf den Bau einer sich selbst entwickelnden Stadt auf dem Mond verlagert“, schrieb Musk. Grund sei, dass dieses Unterfangen bereits in weniger als zehn Jahren gelingen könne – zum Mars wäre eine Fahrt dagegen frühestens in 20 Jahren möglich.
Musk will doch zuerst den Mond besiedeln – „Marsstadt“ bleibt Ziel von SpaceX
Das liege laut Musk vor allem an planetaren Gegebenheiten. „Eine Reise zum Mars ist nur möglich, wenn die Planeten alle 26 Monate in einer bestimmten Konstellation stehen (Reisedauer sechs Monate), während wir alle 10 Tage zum Mond starten können (Reisedauer 2 Tage).“ Entsprechend schneller sei es, eine Stadt auf dem Mond zu bauen.
Musks Raketenfirma SpaceX gilt als eines der ambitioniertesten Weltraumprojekte. Alleine im jungen Jahr 2026 hat der Multimilliardär 14 Raketen starten lassen. Das Ziel von Musk sei dabei, das Leben der Menschen „auf die Sterne auszuweiten“, wie er weiter schreibt. Deshalb strebe man auch weiter an, eine „Marsstadt“ zu bauen, um die „Sicherheit der Zivilisation“ zu sichern.
Kritik an Musks extraterrestrischen Plänen: Tech-Milliardäre „auf den Boden zurückholen“
Hinsichtlich des massiven Auswurfs an klimaschädlichen Emissionen, die durch den Start von Raketen entstehen, wirkt der Gedanke Musks, mit seinen Plänen die Menschheit zu retten, wenig sinnvoll. „Einige der Milliardäre, die an der Kommerzialisierung des Weltraums beteiligt sind, behaupten, dass ihr Weltraumtourismus einen höheren, scheinbar edleren Zweck verfolgt“, schreibt dazu die Nichtregierungsorganisation „Carbon Market Watch“.
Doch die globalen Herausforderungen, denen die Menschen etwa aufgrund des Klimawandels gegenüberstehen, sind nicht durch eine Stadt auf dem Mond (oder irgendeinem anderen Himmelskörper) zu bewältigen. „Selbst nach Elon Musks überaus optimistischer Einschätzung, die von führenden Wissenschaftlern kritisiert wurde, wären wir bis 2060 nur in der Lage, eine Million Menschen auf dem Mars anzusiedeln“, so Carbon Market Watch. Statt also auf die Rettung durch Raketen zu warten, müssten Tech-Milliardäre und ihre „Mars-Fantasien (...) wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt“ werden.
Auch das Umweltbundesamt warnt vor den klimaschädlichen Folgen des Raumfahrtbooms. Der „New-Space“-Trend, also der Einstieg privater Akteure wie SpaceX oder Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, sorgten für massive CO2-Emissionen und eine Menge Weltraumschrott. Eine Studie unter dem Namen „Weltraum – Trendbericht zu Chancen und Risiken der Nutzung des Weltraums für die Umwelt“ weist auf die Notwendigkeit von Umweltschutzmaßnahmen bei der Raumfahrt hin.
Elon Musk: Tech-Milliardär und SpaceX-Gründer steht heftig in der Kritik
Musk selbst ist ein höchst umstrittener Charakter. Nicht nur seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit für Kritik gesorgt. Seine direkte Beteiligung an tiefen Einschnitten im US-Sozialsystem über die sogenannte DOGE-Abteilung der US-Regierung rief heftige Proteste auf den Plan.
Zuletzt wurde Musk auch mit dem Fall Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht. In Dokumenten, die vom US-Justizministerium herausgegeben wurden, war ein mutmaßlicher Mail-Kontakt zwischen Musk und dem verurteilten Sexualstraftäter offengelegt worden. Darin habe Musk gebeten, an einer Party Epsteins teilnehmen zu dürfen. Dem mittlerweile verstorbenen Epstein wird schwerer Missbrauch von zum Teil Minderjährigen vorgeworfen, sowie damit zusammenhängender Menschenhandel.
Musk weist jede Verbindung zu Epstein von sich. Er sei zwar auf die Insel des Unternehmers eingeladen worden, habe aber stets abgelehnt, wie er in einem Beitrag auf X schrieb.
So will Musk das Leben auf dem Mars ermöglichen
Umstritten oder nicht: Musk will den Mars unbedingt bevölkern. Wie man einen wohl für Menschen unbewohnbaren Planeten überhaupt besiedeln will, hatte der Milliardär bereits 2015 skizziert. In der Sendung „The Late Show with Stephen Colbert“ sagte er, dass man zuerst in „Kugeln“ leben müsse, wenn man auf dem Planeten ankäme. Doch man könne den Planeten in einen „erdenähnlichen Planeten“ umwandeln. Und zwar, indem man die gefrorenen Polkappen mit Atombomben erwärmt.
Brian Toon, Professor für Atmosphären- und Ozeanwissenschaften an der University of Colorado, sagte damals aber gegenüber der Los Angeles Times, dass es zwar durchaus Möglichkeiten gäbe, den Mars bewohnbar zu machen – „Bomben zu zünden ist keine gute Lösung“. (Quellen: X, SpaceX, Carbon Market Watch, Umweltbundesamt, The Late Show with Stephen Colbert, Los Angeles Times) (nhi)