Die Angst vor voll laufenden Kellern und Schäden am Wohneigentum treibt nach den Starkregenereignissen im Sommer vergangenen Jahres so manchen Taufkirchner weiter um. Eine Anwohnerin fordert nun von der Gemeinde mehr Schutz für bestehende Gebäude.
Taufkirchen - Eine Anwohnerin des Hirtenwegs hat jetzt das allgemeine Rederecht vor Beginn der Gemeinderatssitzung dazu genutzt, um bei Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) und dem Gemeinderat mehr Schutz für bestehende Gebäude einzufordern. So soll die Gemeinde ein hydrogeologisches Gutachten für einen besonders gefährdeten Bereich in Taufkirchen erstellen lassen, das unter anderem aufzeigt, welche Auswirkungen neue Bauprojekte aufs Grundwasser haben und ob sie deshalb eine Gefahr für den Altbestand darstellen.
Neue Bauprojekte könnten Problem verschärfen
„Jedes neue Gebäude, das im Areal Dorfstraße, Oberweg, Winninger Weg und Tegernseer Landstraße/Waldstraße zusätzlich errichtet wird, bedeutet in meinen Augen eine zusätzliche Gefährdung“, sagt die besorgte Taufkirchnerin und erinnerte an die Grundwasserschäden im vergangenen Jahr. Sie befürchtet, dass neue Vorhaben wie die Sabel Schulen am Oberweg oder das Bauprojekt an der Dorfstraße das Problem verschärfen. Zwar könnten neue Gebäude so gebaut werden, dass sie selbst vor Hochwasser- oder Grundwasserschäden geschützt werden. Doch das helfe nicht dem Altbestand – im Gegenteil. Das Grundwasser suche sich dann eben andere Wege. „Und ich kann mein Haus nicht einfach wegbeamen“, betonte die Frau.
Gutachten für das gesamte Gebiet gefordert
Die hydrogeologischen Gutachten, die bisher erstellt worden seien, hätten sich nur auf den jeweiligen Bebauungsplan bezogen, sagte die Anwohnerin. Doch es brauche ein Gutachten, das die Auswirkungen neuer Bauprojekte auf das gesamte Gebiet in der Senke entlang des Hachinger Bachs aufzeige. Schließlich müsse die Gemeinde das Gemeinwohl an die oberste Stelle stellen. „Sie als Gemeinderat sind für alle Taufkirchner verantwortlich, das heißt auch für die, die ihre Gebäude jetzt schon hier haben“, beschloss die Bürgerin ihre Ausführungen und erntete dafür Beifall von den anderen Zuhörern der Ratssitzung.
Gemeinde nicht in der Lage, Probleme in den alten Gebäuden zu lösen
Sander versprach der Bürgerin, über ihre Forderung nach einem Gesamt-Hydrogeologischen Gutachten im Gemeinderat abstimmen zu lassen und die Kostenfrage zu klären. Grundsätzlich sei die „niederschmetternde Auskunft“ von Experten zu der Grundwasser-Problematik, dass es für die alten Häuser versicherungstechnisch keine Hilfen gegen solche Schäden gebe. Die Menschen seien auch auf sich alleine gestellt, wenn sie versuchten, ihre alten Gebäude nachträglich gegen Grundwasser zu schützen. Und das sei, falls überhaupt möglich, extrem aufwändig und kostspielig. Auch die Gemeinde sei nicht in der Lage, diese Probleme in den alten Gebäuden zu lösen, so Sander.
Er erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr das Wasser in den Kellern gestanden sei, obwohl im besagten Gebiet noch überhaupt keine neuen Bauvorhaben verwirklicht worden seien. Beim geplanten Schulcampus der Sabel Stiftung werde nicht in den Boden gebaut, es gebe keine Tiefgarage. Deshalb werde dort auch kein Grundwasser verdrängt, so der Rathauschef. Bei anderen Bauprojekten werde es Gutachten geben, die die Auswirkungen aufs Grundwasser darstellten.