Haus mit Herz: Hallbergmooser Seniorenheim ist seit 25 Jahren eine Heimat für viele ältere Bürger

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Ein Tänzchen in Ehren: So wie der Volkstanzkreis beim Geburtstagsfest, pflegt man im Seniorenzentrum auch im Alltag das Miteinander der Generationen: Kindergärten, Schüler oder Frauenunion sind regelmäßig zu Gast. © ev

Vor 25 Jahren wurde das Hallbergmooser Seniorenheim am Wiesenweg eröffnet. Das Jubiläum wurde jüngst gefeiert. Dabei wurde auch deutlich, dass die Pflege in Deutschland vor enormen Herausforderungen steht.

Hallbergmoos – Das Seniorenheim am Wiesenweg in Hallbergmoos gibt es seit 25 Jahren. Das Jubiläum wurde nun groß gefeiert: in Tracht, mit Blasmusik der Goldacher Buam, dem Auftritt einer Garde und einem Entenrennen am Bach vor der Haustür. Gemeinsam wurde getanzt, geredet und gelacht.

Elfriede Beer bugsiert ihren Rollstuhl geschickt durch die Gänge des Seniorenheims am Wiesenweg. Sie setzt die Füße im Trippelschritt auf, bewegt sich mal vorwärts, mal rückwärts durch die Gänge bis zu ihrem Zimmer am Ende des Flurs. Sich schieben lassen? Kommt nicht in Frage. Die 79-Jährige ist seit sieben Jahren hier zu Hause. „Mein Mann und ich hatten uns gegenseitig versprochen: Wenn einer von uns geht, fällt der Zurückgebliebene den Kindern nicht zur Last.“ Nach dem Tod ihres Mannes und einem eigenen Krankenhausaufenthalt war es eine bewusste Entscheidung. Eine, die sie nicht bereut.

Elfriede Beer fühlt sich wohl im Seniorenheim.
Elfriede Beer fühlt sich wohl im Seniorenheim. © ev

Fürsorge wird in dem Haus gelebt

„Mir geht‘s ja gut, anderen vielleicht nicht“, sagt Elfriede Beer und erzählt eine Geschichte, die zu Herzen geht: von einem „Kuscheltier zum Liebhaben“, das sie sich zu Weihnachten gewünscht hat. Nicht für sich, sondern für eine Mitbewohnerin. Symbol einer Haltung, die das Haus prägt: Fürsorge, die nicht nur von den Pflegekräften ausgeht, sondern auch zwischen den Bewohnern gelebt wird.

Ein Haus mit Herz, Heimat statt Heim: Dass dieser Anspruch mehr als nur ein Werbeslogan ist, zeigt sich an Begebenheiten des Alltags: Als zu Weihnachten Personalmangel herrschte, saßen Einrichtungsleiterin Christine Wanitschek und Pflegedienstleiterin Corinna Jensen nicht im Büro, sondern packten mit an, halfen bei der Pflege, spülten in der Küche Geschirr. Ziel sei es immer gewesen, „einen Ort zu schaffen, an dem sich ältere Menschen geborgen, respektiert und gut aufgehoben fühlen“, so Wanitschek.

Bei traumhaftem Wetter feierten die Senioren den 25. Geburtstag des Seniorenheims.
Zusammenhalt, Geselligkeit und Fürsorge zeichnen das Seniorenheim aus – auch bei der 25-Jahr-Feier. © ev

Besonders hob sie den außergewöhnlichen Teamgeist hervor: „Der Zusammenhalt hier ist großartig – gerade auch in schwierigen Zeiten.“ Sie dankte allen Mitarbeitenden, von der Pflege über die Hauswirtschaft bis hin zu den Praktikanten, für ihr Engagement und ihre Hilfsbereitschaft. Die Bewohner, so unterstreicht sie, bereichern den Alltag mit ihren Ideen und ihrer Lebenserfahrung.

Lob für „mutige Entscheidung“

Seniorenreferentin Christiane Oldenburg-Balden blickte auf die Anfänge der Einrichtung zurück: „1999 war es eine mutige Entscheidung der Gemeinde, das Heim zu bauen, trotz finanzieller Bedenken.“ Mit im Boot: der Bauträger Schleich & Haberl und die damals noch familiengeführte Pichlmayr-Gruppe aus Eggenfelden als Träger. Vergleichsweise klein mit 71 Plätzen.

Die Seniorenreferentin spricht aus eigener Erfahrung, wenn sie lobt: „Als meine kürzlich verstorbene Mutter vor sechs Jahren hier hingekommen ist, war sie im Rollstuhl. Man hat es geschafft, dass sie wieder laufen konnte.“ Solche Erfolgsgeschichten sind selten geworden in einer Branche, die unter Personalmangel, Kostendruck und gesellschaftlicher Geringschätzung leidet.

Sie sind verantwortlich für die Einrichtung: (v.l.) Corinna Jensen (Pflegedienstleiterin), Christine Wanitschek (Einrichtungleiterin) und Eric Lehmann (Operativer Leiter und Prokurist Pichlmayr-Gruppe).
Sie sind verantwortlich für die Einrichtung: (v.l.) Corinna Jensen (Pflegedienstleiterin), Christine Wanitschek (Einrichtungleiterin) und Eric Lehmann (Operativer Leiter und Prokurist Pichlmayr-Gruppe). © Oestereich

Oldenburg-Balden nutzte das Jubiläum auch für deutliche Kritik an der sozialpolitischen Entwicklung: „Pflege wird nur als Kostenfaktor betrachtet und Sozialimmobilien als Profitquelle.“ Sie mahnte: „Unsere Alten sind es wert, dass man sich wirklich um sie kümmert – sie haben unser Land aufgebaut.“

In Gemeinschaft und Würde altern

Bürgermeister Benjamin Henn sieht im Seniorenzentrum, nur einen Steinwurf vom Rathausplatz entfernt, ein „Herzstück der Gemeinde“ – geografische und soziale Mitte zugleich: „Weil sie Menschen ins Zentrum stellt – Mitarbeitende wie Bewohner.“ Vize-Landrat Robert Wäger lobte das Engagement der vielen Frauen in der Pflege. Er ermutigte sie, verstärkt Führungspositionen anzustreben. Was das Seniorenheim Hallbergmoos auszeichnet, ist ein Ansatz, der über die reine Betreuung hinausgeht. Elfriede Beer macht täglich ihre Runden in der Umgebung, nimmt Hilfe nur in Anspruch, wo sie nötig ist – beim Blutzuckermessen, der Insulinspritze, den Augentropfen.

Die Jubiläumsfeier wird so zum Spiegelbild dessen, was Elfriede Beer beschreibt: Zusammenhalt, Herzlichkeit und ein echtes Miteinander, die Balance zwischen Unterstützung und Autonomie: Säulen, die das Haus zu einem Ort machen, an dem Menschen wie Elfriede Beer ihren Lebensabend in Würde verbringen können – und dabei Teil der Gemeinschaft bleiben.

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