Eine in Italien bislang unbekannte Mückenart treibt seit einer Woche am Gardasee ihr Unwesen. Menschen flüchten in ihre Häuser. Es handelt sich um einen Eindringling aus dem Norden.
Peschiera – Der Spätsommer ist für viele Touristen die schönste Zeit am Gardasee. Der Rummel der Sommersaison ist vorbei, das Wetter wird ruhiger und es nicht mehr so heiß – aber immer noch warm genug, um ins angenehm temperierte Wasser des größten See Italiens zu gehen. Auch die Einheimischen lieben die Zeit, bevor der Herbst einzieht.
Doch seit voriger Woche sucht eine bislang am Lago bislang unbekannte Plage Urlauber und Bewohner der Gegend heim. Wie das Portal larena.it meldet, tauchten am Samstag (7. September) tagsüber plötzlich „kleine mückenähnliche Insekten“ in einem Gebiet zwischen Lazise, Castelnuovo und Peschiera am südlichen See auf. „Die Menschen versuchten mit allen Mitteln, oft vergeblich, sich der kleinen Tiere zu entledigen, um Stiche zu vermeiden“, heißt es.
Mücken-Plage am Gardasee: Menschen fuchteln wie verrückt um sich
Am frühen Nachmittag habe die Situation ihren Höhepunkt erreicht. „Viele Bürger, die sich in Grünanlagen oder in den Gärten ihrer Häuser aufhielten, mussten in ihre Häuser flüchten“, schreibt das Portal weiter. Sogar im Freizeitpark Gardaland seien die Besucher von den Insekten belästigt worden, die urplötzlich in Schwärmen aufgetreten seien. Ein Video dokumentiert, wie die Gäste dort wild um sich schlugen.
Das Phänomen betraf sowohl die Seeoberfläche als auch den Uferbereich, was vor allem Badegäste zu spüren bekamen. Eines war klar, es handelte sich nicht um die den Italienern bestens bekannten Stechmücken, den „zanzare“, sondern um winzige, zwei bis sechs Millimeter große, schwarze Mücken, die Stubenfliegen ähnlich sind. Die Übeltäter waren recht bald identifiziert: „Ich habe das Umweltamt und den Veterinärdienst kontaktiert, um mehr zu erfahren“, erklärt Filippo Gavazzoni, Vizebürgermeister von Peschiera und Verantwortlicher für den Schutz des Sees, gegenüber larena.it. „Inoffiziell wurde mir gesagt, dass es sich aufgrund der Beschreibung um Kriebelmücken handelt: Es ist schon seltsam.“
Kriebelmücken-Alarm: Der Übeltäter am Gardasee stammt aus dem hohen Norden
Kriebelmücken sind eine äußerst unangenehme Spezies, die ursprünglich in Skandinavien verbreitet war und dort seit Menschengedenken Waldarbeiter plagt, sich in den letzten Jahren aber auch immer mehr nach Deutschland ausgebreitet hat. Sie lieben Gewässer, wo sie vor allem im warmen Wasser brüten. Der Gardasee hat derzeit eine Wassertemperatur von 23 Grad. Auch in Süddeutschland mehrten sich in den vergangenen Jahren die Klagen. Die Kriebelmücken reißen mit ihren Beißwerkzeugen eine winzige Wunde in die Haut, um dann mit ihrem Saugrüssel Blut abzusaugen.
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Leonardo Latella, Zoologe und Leiter der naturkundlichen Sammlungen des Naturkundemuseums in Verona, erklärt: „Die Tatsache, dass das Klima wärmer wird und es mehr Niederschläge gibt, macht es den Wasserinsekten, die warmes Wasser lieben, sicher leichter.“ Alan Faini, ein Fischer aus Peschiera, hatte auf seinem Boot einen regelrechten Kampf mit den Insekten: .„Man merkt es nicht, wenn man in den Schwarm eintritt, sie sind so klein, dass sie einen sofort angreifen, und wenn sie sich einmal auf dem Körper niedergelassen haben, gehen sie nicht mehr weg, als wären sie Flöhe“, sagt er dem Portal.
Fischer vom Gardasee berichtet: „Diese Mücken machen mich verrückt!“
Faini weiter: „Ich bin seit 40 Jahren Fischer und habe schon viele Moskitos gesehen, aber das ist das erste Mal.“ Am Freitag (6. September) sei er gegen Mittag hinausgefahren und nach 20 Minuten wieder umgekehrt, weil ihn diese Insekten angegriffen hätten. „Am Nachmittag hängte ich die Moskitonetze ans Boot und zog mich ordentlich an: Socken und lange Hose, langärmeliges Hemd und Mütze.“ Doch alles war vergebens: „Nichts zu machen, sie kamen überall hin und ich musste unter wirklich schwierigen Bedingungen arbeiten, sie machen mich verrückt!“
Forscher der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt am Main hatten erst im Februar vor einer Ausbreitung der Kriebelmücke in Deutschland gewarnt. Von Italien war da noch gar keine Rede. Im Gegensatz zum vorigen Jahr, als der Gardasee historisch niedrige Pegel hatte, ist das Gewässer dieses Jahr wegen der ständigen Regenfälle in den Alpen mehr als gut gefüllt. Nach einem Unwetter gab es sogar Noroviren-Alarm.