An der Südseite der A96 bei Schöffelding kann man möglicherweise schon bald neben den gängigen Kraftstoffen und Strom auch Wasserstoff tanken, eine Rast einlegen, Übernachten und Einkaufen. Und das alles unter der Prämisse „Umwelt und Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern“.
Windach-Schöffelding – Das entsprechende Konzept einer „Multi-Energie-Station“ vor allem für den Autobahnverkehr wurde von Projektentwickler Dirk Grube (ProConcept GmbH) jüngst im Windacher Gemeinderat vorgestellt. Und die Ratsmitglieder votierten mehrheitlich für eine Weiterverfolgung der Planungen. Auf einem Teilgebiet des knapp neun Hektar großen Geländes des Kies- und Betonbetriebs Lachmayr an der Parallelstraße der Autobahn möchte Grube zusammen mit dem französischen Konzern ,Total Energies‘ aktiv werden: Mit Tankstelle, Ladestation, Gastronomie, einem kleinen Hotel sowie acht Lkw-Stellplätzen. Damit solle das gesamte Lachmayr-Gelände zwischen Landsberger- und Finniger-Straße (siehe Luftbild) sowie der bestehende Bebauungsplan „Sondergebiet Recycling/Kieshandel/Erddeponie“ planerisch neu ausgerichtet werden.
Zur Versorgung der Anlage sei laut Grube die „enge und direkte Einbeziehung der örtlichen Energieerzeuger vorgesehen“. Dies sei zum einen die bestehende und angrenzende Biogasanlage der Firma Lachmayr, zum anderen die gemeindeeigene Photovoltaikanlage entlang der Autobahn. Die vor Ort erzeugte Energie solle im Idealfall direkt und regional an Nutzer und Endverbraucher weitergegeben werden.
In erster Linie sei das Konzept auf die direkt angebundene Autobahn München-Lindau ausgerichtet. Autofahrer sollen in Schöffelding herkömmliche Treibstoffe, Autogas, Elektro-Schnelllader und auf nähere Zukunft gesehen auch Wasserstoff aufnehmen können. Für die Verweildauer vor Ort seien als Ergänzungen Gastronomie und eventuell Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen.
Voraussetzung für das Gesamtkonzept sei eine Ertüchtigung des Straßennetzes. Dazu plane man einen neuen Kreisverkehr an der bestehenden Kreuzung an der südlichen Anschlussstelle zu A96. Dies sei ideal auch für die Anbindung an die Kreisstraße nach Finning und des von der Gemeinde vorgesehenen Gewerbegebiets östlich der Finninger Straße. Insgesamt würden sich dadurch Synergien bei den Erschließungsmaßnahmen wie Wasser, Abwasser und Strom ergeben. Sie könnte man gemeinsam mit der Gemeinde möglichst kostensparend umsetzen.
Ideale Bedingungen
Laut Konzept sei der Standort mit Blick auf den Zusatzverkehr geradezu ideal. Die Verkehrsbewegungen finden direkt an der A96-Anschlussstelle statt und beeinträchtigen wenn überhaupt nur sehr gering die bewohnten Bereiche. Der Ort Schöffelding befindet sich auf der gegenüberliegenden Nordseite der A96 und ist durch eine wirksame Lärmschutzwand geschützt. Der Zusatzverkehr tangiere den Ort überhaupt nicht. Wie Dirk Grube weiter ausführte liegen die Frequenzzahlen bei ähnlichen Objekten im Bereich von 550 bis 580 Anfahrten pro Tag.
Der ‚Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München‘ sieht gute Chancen für eine Genehmigung. Zumal es bereits einen Bebauungsplan gebe und das Landschaftsbild durch das Kies- und Betonwerk sowie die Biogasanlage vorbelastet sei. Schließlich plane die Gemeinde selbst ein Gewerbegebiet östlich der Straße nach Finning. Der Planungsverband sprach sich sogar für einen größeren Umgriff des Bebauungsplans aus, um für weitere Entwicklungen gewappnet zu sein. Schließlich entsprächen der Bau von Ladestationen für E-Autos sowie das künftige Angebot von Wasserstoff den Zielsetzungen des Landesentwicklungsplans.
Bei der Diskussion im Windacher Gemeinderat kam auch die Idee auf, die Multi-Energie-Station für die Nahversorgung der Gemeinden mit einem Vollsortimenter und angegliederten Geschäften wie einer Apotheke zu ergänzen. Damit könne man die vielleicht noch kritische Bevölkerung für das Projekt gewinnen. Das klang wie Musik in den Ohren der Chefs von ProConcept. Denn zur Kernkompetenz des Unternehmens aus der Nähe von Memmingen gehören seit über 20 Jahren Planung und Errichtung von Vollsortimentern, Discountern sowie Bau- und Textilmärkten. So wie das Hornschuch-Center in Fürth, der ALDI-Discount- und AWG-Modemarkt in Bischofswiesen, der OBI-Baumarkt in Schwäbisch-Gmünd, der REWE-Vollsortimenter und Penny-Discounter in Schwegenheim oder der Edeka-Markt mit 21 Wohnungen in Langenargen.