Der RVO hatte jahrelang zu wenige Bewerber für Busfahrerstellen. Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer erklärt, wie sich die Lage verbessert hat.
Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer klingt sehr zufrieden, als ihn die Heimatzeitung fragt, wie das erste Jahr des Landkreises Weilheim-Schongau im MVV-Tarif gelaufen ist. Die Umstellung sei weitestgehend reibungslos verlaufen, berichtet er. Es sei auch klar wahrzunehmen, dass die Nutzerzahlen im ÖPNV seitdem steigen würden. Das merke man insbesondere bei neuen Linien, die keine Anlaufzeit mehr benötigen würden.
Der Grund dafür sei die MVV-App auf den Handys, bei der man nur noch sein Fahrziel eingeben müsse und die daraufhin die ideale Verbindung und den günstigsten Tarif ausspucken würde. Damit entfalle das bisher nötige Wälzen verschiedener Fahrpläne, so Kreutzer. Ab 2026 tritt auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen dem MVV-Tarifgebiet bei, 2027 dann das Ostallgäu.
Auch das Deutschlandticket für Vielfahrer habe sich längst etabliert. Beim RVO wurden und werden die Busse entsprechend aufgerüstet, um die Tickets auch zählen zu können. Denn immer wieder komme es zu versuchtem Missbrauch mit gefälschten Deutschlandtickets. Die Verteilung der Einnahmen laufe soweit auch ganz gut, so Kreutzer. „Wir bekommen die Einnahmen, die wir auf den Strecken 2019 erzielt haben, garantiert“, berichtet er. Der Zuschuss sei auch dynamisiert, um die höheren Kosten abzufedern.
Dennoch zahle man im Einzelfall drauf. Durch das Deutschlandticket habe der Besucherverkehr auf bestimmten Strecken massiv zugenommen. Zum Eibsee beispielsweise würden jetzt dreimal so viele Busse fahren wie noch vor ein paar Jahren. Da würden die Einnahmen die zusätzlichen Ausgaben nicht decken.
Früher hat der RVO die meisten Buslinien im Landkreis „eigenwirtschaftlich“ betrieben. Das heißt, er ist auf eigene Rechnung gefahren und benötigte keine Zuschüsse des Landkreises. Der nutzte diese Linien allerdings für den Schulbusverkehr und kaufte dafür Tickets beim RVO. Die höheren Kosten und höheren Löhne („was gut ist“) würden einen eigenwirtschaftlichen Betrieb der Buslinien allerdings nahezu unmöglich machen, so Kreutzer.
Immer wieder werde behauptet, dass der RVO diese Linien deswegen an den Landkreis zurückgeben würde. Das sei so aber nicht korrekt. „Der Landkreis als Aufgabenträger schreibt die Linien aus, wir bewerben uns darum, sie zu betreiben“, erklärt der RVO-Niederlassungsleiter. Wenn möglich, vereinbare man eine sogenannte „Direktvergabe“, bei der der RVO die Ticketeinnahmen behält und der Landkreis nur den Differenzbetrag zu den tatsächlich entstehenden Kosten übernimmt. Das gehe allerdings nur bis zu bestimmten Schwellenwerten. Danach sei es so, dass der Landkreis die Kosten komplett überweist und dafür die Ticketeinnahmen erhält. Noch vor wenigen Jahren hatte Kreutzer die Alarmglocken geläutet: Es gab viel zu wenige Busfahrer, Bewerber fehlten, durch den demografischen Wandel drohte sich die Lage in Zukunft noch deutlich zu verschärfen. „Das ist mittlerweile deutlich besser geworden“, so Kreutzer im Gespräch mit der Heimatzeitung.
Zahl der Bewerber steigt deutlich
Man bezahle Bewerbern nach wie vor den Erwerb des Busführerscheins, da dessen Kosten extrem hoch seien. Aber man habe mittlerweile wieder die Auswahl zwischen verschiedenen Bewerbern und stelle kontinuierlich ein. „Da profitieren wir durchaus von der Unsicherheit in anderen Branchen“, räumt Kreutzer ein. Es seien mittlerweile auch wieder viele Einheimische, oft auch schon Menschen Mitte, Ende 50, die noch einmal umsatteln und hinters RVO-Lenkrad wechseln.
Zwischenzeitlich hatte man in der Not Fahrer von weither angeworben, für diese sogar Wohnungen angemietet. Diese Mitarbeiter und Wohnungen behalte man selbstverständlich, verspricht Kreutzer: „Das sind Leute, die uns in der Not geholfen haben, da ist es selbstverständlich, dass wir zu unserem Wort stehen.“