Wegen hoher Bank-Gebühren: Hofladen schafft Kartenzahlung ab – „Lohnt sich einfach nicht“

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Nur noch in Bar zahlen können die Kunden von Lisi Burghart ab dem 20. September. Dann schafft die Bäuerin in ihrem Hofladen in Ottersberg das EC-Kartenlesegerät ab. Zu teuer seien die Nutzungsgebühren der Bank. © Johannes Dziemballa

Im Hofladen von Lisi Burghart konnten Kunden bis zuletzt noch mit Karte zahlen. Ende September schafft die Bäuerin aus Pliening jetzt aber den bargeldlosen Service ab. Zu hoch seien die Bank-Gebühren für die Kartenzahlung.

Ottersberg/Pliening – Noch stapeln sich im Hofladen von Lisi Burghart reihenweise Kisten im Eingangsbereich, die Regale sind erst zur Hälfte mit regionalen Köstlichkeiten gefüllt und hinter der großen Ladentheke blitzen leere Kuchenbleche hervor. „Ich hab noch einiges zu tun“, sagt die 44-Jährige schnaufend, während sie sich mit einer weißen Kiste unterm Arm an rappelvollen Kartons vorbei bis zum Kassentresen schlängelt.

Zu hohe Bank-Gebühren: Hofladen schafft Kartenzahlung wieder ab

Fast sechs Wochen hatte die Bäuerin aus Ottersberg ihren beliebten Hofladen geschlossen, die wohlverdiente Sommerpause zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern genossen. In wenigen Tagen ist es nun aber so weit: Ab dem 20. September bietet Burghart in dem liebevoll eingerichteten Raum wieder frisches Färsenfleisch aus eigener Schlachtung, bunte Eier ihrer Nandus, Hühner und Wachteln, sonnenblumen-gelben Honig sowie selbstgebackenen Dinkelkuchen. „Alles so wie immer“, resümiert sie lächelnd und fügt hinzu: „Nur eben in bar.“

Denn zur spätsommerlichen Wiedereröffnung schafft die 44-Jährige ihr EC-Kartenlesegerät ab. Ein gewagter Schritt, entgegen dem Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen, der sich mit SB-Kassen und Bezahlautomaten gerade im Einzelhandel durchzusetzen scheint. Lange habe sie deshalb auch mit der Entscheidung gerungen, sei unzählige Nächte schlaflos im Bett gelegen, die Zahlen im Kopf immer wieder durchgegangen. Doch, wie Burghart es auch dreht und wendet, es bleibt eine für sie unerfreulich alternativlose Erkenntnis: „Ich kann mir das bargeldlose Bezahlen als Kundenservice einfach nicht mehr leisten“, erklärt die Bäuerin verzweifelt. Zu viel Geld müsse sie mittlerweile an die Bank abdrücken. „Zu viel für unseren kleinen Hofladen.“

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Bis zu drei Prozent Nutzungsgebühren für bargeldlosen Service

Denn jede Transaktion mit dem EC-Kartenlesegerät kostet die Bäuerin grundsätzlich 0,8 Prozent des Einkaufspreises. Wertvolle Einnahmen, die nicht an sie, sondern als Nutzungsgebühr an die Bank gehen. Für Burghart eine bisweilen schmerzhafte, aber tragbare Summe. Allerdings sei mit der Einführung der Debitkarte vor rund einem Jahr bei dutzenden Banken jetzt eine Zahlung mit einem Girokarten-Terminal, wie es ihn auf dem Burgharthof gibt, nicht mehr möglich. Die Folge: Regelmäßig stehen Kunden mit vollbepackten Taschen im Hofladen und können ihren Einkauf nicht bezahlen, weil ihre Bank die Abbuchung verweigert. „Erst letztens musste ein Mann wieder losfahren, um Geld abzuheben. Das ist einfach ärgerlich“, erinnert sich die 44-Jährige.

Um ihren Kunden den bargeldlosen Service weiterhin bieten zu können, müsste sie in ihrem Kassensystem nun Kredit- und Debitkarten freischalten. Dafür ziehe ihr die Bank jedoch statt bisher 0,8 Prozent schlappe drei Prozent pro Buchung ab. Bei 50 Euro Einkaufswert seien das fast zwei Euro, die Burghart abdrücken müsse. „Ich habe nur vier Tage im Monat auf. Das lohnt sich für mich nicht“, erklärt die Ottersbergerin. Ihren Kunden möchte sie die Zusatzkosten für den bargeldlosen Service ebenso wenig aufbürden. „Wenn ich das auf mein Fleisch draufschlage, kommt doch keiner mehr“, sagt sie schulterzuckend.

Für ihren Hofladen bedeutet das im Umkehrschluss aber: „Es wird wieder so wie früher“, unterstreicht Lisi Burghart, die nun auf das Verständnis ihrer Kunden hofft.

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