Wie Kinder an der Ganghofer Grundschule in Unterschleißheim ihre Mehrsprachigkeit zeigen

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Mitarbeiter der Junge Integration an der Ganghoferschule mit Kindern. © Mitarbeiter der Junge Integration an der Ganghoferschule mit Kindern.

An der Ganghofer Grundschule sprechen viele Kinder mehrere Sprachen. Ein Projekt an der Schule macht diese Vielfalt sichtbar und stärkt das Selbstbewusstsein.

Unterschleißheim – Etwa 300 Kinder besuchen die Ganghofer Grundschule – viele von ihnen wachsen mehrsprachig auf. Über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler haben eine familiäre Migrationsgeschichte. Doch was heißt das eigentlich genau?

Mehrsprachigkeit an der Ganghofer Grundschule: Welche Sprachen gibt es in der Klasse?

Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, woher jemand stammt – und manchmal ist das auch gar nicht so wichtig. Es gibt Kinder, die heißen Schubert oder Müller, sprechen aber zu Hause Spanisch, weil ihre Mutter aus Südamerika kommt. Andere wachsen mit drei Sprachen auf: Der Papa kommt aus Italien, die Mama aus Deutschland – gemeinsam sprechen sie aber Englisch mit ihrem Kind. In der Schule kommt dann noch Deutsch dazu.

Um diese Vielfalt sichtbar zu machen, haben wir – drei Mitarbeitende der Jungen Integration an der Ganghofer-Schule – das Projekt „Muttersprache sichtbar machen“ gestartet. Zu Beginn sprechen wir mit den Kindern in einer kleinen Runde: Was bedeutet eigentlich „Muttersprache“? Welche Sprachen gibt es in unserer Klasse? Oft lernen sich die Kinder dabei ganz neu kennen, manchmal sogar mit einem freundlichen „Hallo“ in einer anderen Sprache. Einige Lehrerinnen durften sich anhören, wie es auf verschiedenen Sprachen klingt: „Meine Lehrerin ist toll.“

Danach dürfen alle Kinder Punkte auf eine große Weltkarte kleben, auf die Region, in der ihre Familiensprachen gesprochen werden. Viele Punkte landen natürlich bei Deutschland, aber es sind auch knapp 50 weitere Sprachen vertreten. Besonders häufig kommen an der Ganghoferschule Kosovo-Albanisch, Polnisch, Türkisch und Englisch vor. Vielleicht ist Letzteres ein wenig überrepräsentiert, weil viele Kinder schon Englisch in der Schule lernen oder zu Hause ein bisschen üben und sich dann vielleicht auch einen zweiten Punkt auf der Karte nicht nehmen lassen wollten. Aber es gibt auch spannende Sprachkombinationen: Eine Zweitklässlerin spricht zum Beispiel Ukrainisch und Vietnamesisch – und lernt jetzt fleißig Deutsch. Kinder aus Äthiopien, Aserbaidschan oder dem Kongo bereichern den Schulalltag mit ihren Erfahrungen und Sprachen. Indien ist ein besonderes Beispiel: Dort gibt es viele verschiedene Sprachen und Dialekte – etwa Hindi, Tamil, Kannada, Malayalam oder Punjabi. Auch hier entscheiden die Kinder selbst, welchen Punkt sie setzen. Viele erzählen stolz von ihrer Familiensprache, manche entdecken durch das Projekt erst, wie besonders das eigentlich ist.

Mit dem Projekt wollen wir nicht nur die Vielfalt an unserer Schule sichtbar machen, sondern auch das Selbstbewusstsein der Kinder stärken. Mehrsprachigkeit ist ein Schatz und wir finden: Den darf man ruhig zeigen.

Und übrigens: Wer sich an der Bushaltestelle in Unterschleißheim auf Polnisch, Ungarisch oder Arabisch unterhält, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass niemand zuhört. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das nebenstehende Grundschulkind alles versteht. Und wer beim Einkaufen einer fremdsprachigen Familie rät, doch bitte Deutsch zu sprechen, könnte sich wundern: Vielleicht dreht sich das große Kind um und sagt ganz freundlich – und in perfektem Hochdeutsch: „Ich hatte 14 Punkte im Deutsch-Abi. Und Sie?“

Helena Radostova

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