Das Ende einer Ära: Eine 15 Jahre alte Kreuzfahrt-Reederei stellt den Betrieb überraschend ein. Das Familienunternehmen konzentriert sich auf andere Bereiche.
Sitka – Die Deutschen haben ihre Leidenschaft für Kreuzfahrten in den vergangenen Jahren deutlich unter Beweis gestellt. Mit knapp 2,6 Millionen Passagieren jährlich sind sie laut dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) zur zweitgrößten Kreuzfahrernation der Welt aufgestiegen – nur die USA verzeichnen mit 19,1 Millionen Schiffsgästen höhere Zahlen. Die Branche rechnet mit weiterem Wachstum und erwartet bis 2028 einen Anstieg der weltweiten Passagierzahlen um weitere 20 Prozent auf fast 42 Millionen Reisende.
Alaska gehört zu den begehrtesten Fernzielen deutscher und internationaler Kreuzfahrer. Der US-Bundesstaat lockt mit majestätischen Gletschern, tiefblauen Gewässern und spektakulären Naturschauspielen. Deutsche starten regelmäßig von den USA oder Kanada aus in Richtung Norden. Doch dieser boomende Markt verzeichnet jetzt einen empfindlichen Verlust: Die Alaskan Dream Cruises hat mit sofortiger Wirkung den Betrieb eingestellt und alle zukünftigen Fahrten ersatzlos gestrichen.
Reederei stellt überraschend den Betrieb komplett ein – Alaska-Touristen betroffen
Die Schließung der Reederei kam unerwartet, auch wenn die Zeichen schon länger auf Sturm standen. Alaskan Dream Cruises, ein Teil des familiengeführten Unternehmens Allen Marine, hatte sich in der Nische der kleinen Expeditionskreuzfahrten etabliert. Die vier Schiffe des Unternehmens – Admiralty Dream, Alaskan Dream, Baranof Dream und Chichagof Dream – boten laut dem Portal Travel and Tour World jeweils nur 40 bis 80 Passagieren Platz und ermöglichten dadurch höchst persönliche Erlebnisse abseits der großen Kreuzfahrtströme.
Die 5- bis 8-tägigen Routen durch die Inside Passage beinhalteten nicht nur spektakuläre Landschaften, sondern auch kulturelle Begegnungen mit den Ureinwohnern und Aktivitäten wie Wandern, Kajakfahren und Paddleboarding. Allen Marine selbst blickt auf über 50 Jahre Erfahrung in der maritimen Tourismusbranche zurück. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Sitka, Alaska hat, beschäftigte für die Kreuzfahrtsparte 95 saisonale Mitarbeiter und etwa 10 ganzjährige Mitarbeiter. Was aus den Arbeitsplätzen wird, ist noch unklar.
Alle Buchungen werden storniert: Strategische Neuausrichtung führt zum Ende einer Ära
Die Entscheidung zur Schließung war laut Unternehmensangaben strategisch motiviert. Allen Marine will sich künftig ausschließlich auf seine Kerngeschäfte konzentrieren: Tagesausflüge, Wildtierbeobachtungstouren und Werftdienstleistungen. Diese Bereiche beschäftigen weiterhin rund 305 saisonale Arbeiter und 100 Vollzeitmitarbeiter. In einer kurzen Stellungnahme auf seiner Website bedankte sich Alaskan Dream Cruises bei seinen Gästen aus aller Welt, die „die Wunder und den Reichtum des indigenen Erbes Alaskas“ erkundet haben. „Es war uns eine ebenso große Ehre, mit außergewöhnlichen Gemeinden, Partnern und Besatzungsmitgliedern zusammenzuarbeiten“, teilt das Unternehmen mit.
Für die betroffenen Gäste bedeutet dies einen kompletten Ausfall ihrer geplanten Alaska-Träume. Das Unternehmen hat angekündigt, alle Kunden mit bestehenden Buchungen direkt per E-Mail zu kontaktieren und Rückerstattungen zu bearbeiten. Die Kommunikation erfolgt über die gewohnte E-Mail-Adresse und Telefonnummer des Kundenservice Alaskan Dream Cruises Website.
Das Aus für Alaskan Dream Cruises zeigt die Herausforderungen, denen kleine, lokal verwurzelte Kreuzfahrtunternehmen in einem immer kompetitiveren Marktumfeld gegenüberstehen. Während große Reedereien mit ihren riesigen Schiffen Skaleneffekte nutzen können, müssen Boutique-Anbieter höhere Kosten pro Passagier stemmen und sind anfälliger für Marktschwankungen. (Quellen: Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, Travel and Tour World, Alaskan Dream Cruises) (jaka)
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