Ein beliebter Entspannungs-Spot in der Nähe von Salzburg sorgt für Schlagzeilen. Eine Eigentümer-Entscheidung lässt einige zittern.
Salzburg – Ein unerwartetes Schreiben sorgt für Aufruhr am beliebten Urlaubsort Mondsee: Die neue Eigentümerin Anna Mathyl (48) hat sämtliche Pachtverträge für Bojen, Stege und Bootshäuser gekündigt. Die Entscheidung fällt mitten in die Hochsaison und verunsichert sowohl Touristen als auch lokale Anbieter. Immer wieder gibt es Probleme an österreichischen Ausflugsseen, seien es Gästestrends, problematische Klima-Entwicklungen oder eben Besitzerwechsel wie am Mondsee.
Auch Problem für Urlauber? Historischer Privatbesitz in Österreich wird neu organisiert
Der Mondsee im oberösterreichischen Salzkammergut befindet sich seit 1809 in Privatbesitz, wie heute.at berichtet. Damals schenkte Napoleon Bonaparte das ehemalige Kloster samt See dem bayerischen Feldmarschall Carl Philipp von Wrede, so auch auf VOL.at.
Vor einem Jahr übernahm Anna Mathyl den rund 14,2 Quadratkilometer großen See von ihrer Mutter Nicolette Waechter. Nun macht die neue Eigentümerin von ihrem „gesetzlichen Sonderkündigungsrecht“ Gebrauch.
Überraschung auch für Gemeinden: Der Seezugang für Einheimische und Touristen bleibt gesichert
In einem per Einschreiben versendeten Rundschreiben erklärt Mathyl unmissverständlich: „Private oder kommerzielle Nutzungen des Mondsees, für die keine ausdrückliche gesetzliche oder schriftliche Erlaubnis von mir als See-Eigentümerin vorliegt, sind untersagt“, wie die österreichischen Medien schreiben.
Auch die Mondseelandgemeinde St. Lorenz erhielt den Rundbrief, bestätigte Bürgermeister Andreas Hammerl (ÖVP). Er stellte jedoch klar, dass Aktivitäten auf dem See weiterhin möglich seien: „Für das Baden, Segeln, Surfen, Tauchen oder Bootfahren besteht ein Allgemeinrecht“. Einen Tourismusschock erlebte auch das Paznaunertal, als nach einem Murenabgang die Gäste ausblieben.
Nachhaltigkeit als Begründung für drastische Änderungen
Als Grund für die überraschende Kündigung nennt Mathyl den Wunsch nach nachhaltiger Bewirtschaftung des Sees. Betroffen sind etwa 150 Bojen sowie zahlreiche Stege und Bootshäuser, die im Seegrund verankert sind. Bürgermeister Josef Wendtner (ÖVP) von Mondsee erklärte, dass Anna Mathyl Eigentümerin des Bodens unter dem Gewässer sei, während der See mit der Wasseroberfläche zur Gänze der Marktgemeinde Mondsee gehören.
Tourismus-Region rund um den Mondsee – das Salzkammergut
Basierend auf den aktuellen Tourismusstatistiken verzeichnete das Salzkammergut im Jahr 2024 erneut Rekordzahlen mit insgesamt 5,56 Millionen Nächtigungen, was einem Zuwachs von 3,41 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2023 entspricht. Diese Entwicklung macht das Salzkammergut zu einer der nächtigungsstärksten Destinationen Österreichs.
Als wichtigste Auslandsmärkte folgen Deutschland und Tschechien auf Österreich, wobei Gäste aus den Nachbarländern eine bedeutende Rolle spielen. Jedoch machen Österreicherr eine Hälfte der Gäste aus.
Das Salzkammergut umfasst acht Tourismusregionen – Ausseerland-Salzkammergut, Attersee-Attergau, Bad Ischl, Fuschlsee, Dachstein Salzkammergut, Mondsee-Irrsee, Traunsee-Almtal und Wolfgangsee – die gemeinsam diese Zahlen erreicen.
Quellen: Statistik Austria, Salzkammergut Tourismus, Oberösterreich Tourismus
Die Vorgehensweise, ohne Vorankündigung einen Rundbrief zu verschicken, sei für manche „erschreckend“ gewesen, sagte Wendtner. Generell bewertete er ein derartiges Schreiben aber als üblich bei einem Wechsel von Eigentumsverhältnissen.
Preisschock befürchtet, muss der Tourismus das Problem ausbaden?
Besonders brisant: Die bisherigen Pachtpreise am Mondsee lagen deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Seen. Während am benachbarten Wolfgangsee die Österreichischen Bundesforste 486 Euro netto jährlich für eine Boje verlangen, kostete diese am Mondsee bisher nur etwa ein Viertel davon.
Mathyl bietet zwar neue Verhandlungen über die Seeverwaltung Mondsee an, doch viele Pächter fürchten drastische Preissteigerungen. Dies könnte den Tourismus am beliebten Salzkammergut-See erheblich belasten, da höhere Kosten letztendlich an Urlauber weitergegeben werden könnten, wie es ein anderes Land bereits auch schon vormachte. Von der Eigentümerin war vorerst keine weitere Stellungnahme zu bekommen. (ank)