Den Baierbrunner Klettergarten kann man aus guten Gründen nicht mehr betreten. Aber dieses Verbot wird ständig umgangen. Noch schlimmer, Unbekannte reißen die Absperrungen weg.
Baierbrunn - Ein knappes Jahr ist es her, dass die Gemeinde Baierbrunn schweren Herzens ihren beliebten Klettergarten sperren musste. Weil es auf dem Areal mit den überhängenden Nagelfluh-Felsen, die sich so gut zum Bouldern eignen, immer wieder zu Steinschlag gekommen war (wir berichteten). Ein umfangreiches Gutachten war in Auftrag gegeben worden, von den Geologen, selbst begeisterte Kletterer, hatte einer gemeint: „Ich würde dorthin mit meinen Kindern auch nicht mehr gehen.“ Aber es geht jemand dahin, Vandalen toben sich dort aus.
Holzzaun wird herausgerissen
Wirklich vergessen kann die Kommune die Einrichtung aus diesem Grund nicht. Denn das Verbot, das Gelände zu betreten, wird von vielen Menschen einfach nicht eingehalten. Geschäftsleiter Matteo Rudolph sprach in der jüngsten Gemeinderatssitzung leicht genervt von einer „frustrierenden Situation“. Einmal die Woche sei von der Verwaltung jemand vor Ort, um Schilder wieder anzubringen, die entfernt worden sind. „Flatterbänder werden sowieso durchtrennt“, aber auch der Holzzaun, mit dem die Gemeinde den Klettergarten eingefasst hat, „wird mit roher Gewalt aus der Verankerung gerissen“. Klar, es ist kaum möglich, die Leute zu erwischen. Weshalb die Verwaltung jetzt überlegt, ein weiteres Gutachten bei einem Juristen in Auftrag zu geben, um zu klären, ob es nicht auch reicht, „Betreten verboten“-Schilder zu verankern. „Die Frage ist, ob wir damit, sollte etwas passieren, aus der Haftung wären.“
Neues Gutachten wäre sehr teuer
Im Baierbrunner Gremium wurde das Ganze kontrovers und ausführlich diskutiert. Was mit leichtem Befremden aufgenommen wurde, war die Summe, die das neuerliche Gutachten kosten soll: 40 000 Euro nämlich. Zusammenarbeiten würde man mit einer auf solche Themen spezialisierten Kanzlei. Die dann für die Gemeinde ein „ex-ante Urteil“ fällen würde, also eine „Vorwegeinschätzung der haftungsrechtlichen Frage durch eine tiefergehende rechtliche und geologische Analyse“.
Auch ihrem Ärger darüber, was oberhalb der Isar passiert, machten die Gemeinderäte Luft. Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG): „Es regt mich brutal auf, dass Leute auch andere Menschen in Gefahr bringen, indem sie unsere Absperrungen zerstören.“ Baierbrunn müsse da jetzt durch. Tanja König, Grüne: „Die Summe, die die Fachleute angegeben haben, scheint mir arg hoch.“ Gisela Gojczyk, auch ÜWG, hat immerhin die Hoffnung, dass sich die neuerliche Investition auf Dauer auszahlt – weil man nicht immer wieder den Zaun richten muss. Kompromissvorschlag, der durchging: Der Rechtsanwalt wird erstmal ins Gremium eingeladen.
Einen uneinsichtigen Besucher hat die Gemeinde Baierbrunn immerhin schonmal auf frischer Tat ertappt. Ihm wurde dafür ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro aufgebrummt.