Das letzte Foto nach 125 Jahren: Die Schützengesellschaft D’Oberlandler Starnberg hat sich aufgelöst

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Mit diesem Foto sind 125 Jahre Vereinsgeschichte zu Ende gegangen (v.l.): Christian Hummel, 1. Schützenmeister Heinrich Saal, Schatzmeister Andreas Ruhdorfer, Irmgard Koppenberger, Reinhold Hummel, Schriftführerin Hannelore Uffelmann, Renate Hummel sowie 2. Schützenmeister und Schützenkönig Wolfgang Fischer. Die ebenfalls aktiven Mitglieder Joachim Weber und Willi Angerer fehlten beim Fototermin krankheitsbedingt. ©  Schützengesellschaft D’Oberlandler

Eine Ära voller Tradition ist zu Ende gegangen. Die Schützengesellschaft D’Oberlandler Starnberg hat sich nach 125 Jahren aufgelöst. Grund ist ein Problem mit dem Nachwuchs.

Starnberg – Am 23. Dezember 1898 gründete sich im alten Gasthof „Zur Post“ die Schützengesellschaft D’Oberlandler Starnberg. Auf den Tag genau 125 Jahre später, am 23. Dezember 2023, stellten sich acht Mitglieder zu einem letzten Erinnerungsfoto zusammen. Mittlerweile hat sich der Verein aufgelöst – „mit einem wehmütigen Blick in die Vergangenheit und schweren Herzens gibt die Schützengesellschaft bekannt, dass sie nach stolzen 125 Jahren ihre Pforten schließen wird“, teilte der Vorstand am Freitag mit. Der Schritt sei zwar absehbar gewesen, aber dennoch sei es sehr schade, sagt Schriftführerin Hannelore Uffelmann, die seit dem Jahr 1965 Vereinsmitglied ist. „Es ist alles nicht mehr so einfach, aber es nützt nichts. Wir werden nicht mehr bei uns im Verein, sondern eher weniger“, sagt die 83-Jährige. Der Verein blickt auf eine lange Geschichte und wöchentliche Schießabende zurück.

„Seit 1990 sind wir immer weniger geworden“, sagt Schatzmeister Andreas Ruhdorfer im Gespräch mit dem Starnberger Merkur: Zuletzt zählte der Verein 22 Mitglieder, darunter zehn aktive. „An den Schießabenden waren im Durchschnitt sieben bis acht Personen da“, erklärt Hannelore Uffelmann. Die schwindende Mitgliederzahl bei den Oberlandlern habe auch zu Problemen hinsichtlich der Vorstandschaft geführt, erklärt Mitglied Irmgard Koppenberger. „Wir konnten jahrelang keine Vorstandschaft wählen. Wir waren einfach zu wenige Leute.“ Der Verein sei daher zuletzt kommissarisch organisiert worden.

Bundesschießen und Erinnerungsstücke

Umso lieber erinnert sich die Gesellschaft an ihre große Vergangenheit zurück. „Über die Jahrzehnte hinweg prägte die Schützengesellschaft die Geschichte und das kulturelle Erbe der Stadt maßgeblich“, so der Vorstand. Besonders in Erinnerung ist das fünfte Oberbayerische Bundesschießen, das 1955 in Starnberg ausgerichtet wurde. Dafür kamen mehr als 500 Schützinnen und Schützen aus ganz Deutschland zusammen. „Das war das größte Event in der Vereinsgeschichte“, betont Ruhdorfer.

Der Wunsch des Vereins sei nun, dass die Fahne, die Königsscheibe und die Schützenkette im Heimatmuseum in Starnberg ausgestellt werden. „Der Verein ist schließlich ein Stück Starnberger Geschichte“, sagt Ruhdorfer. Auf den zwei Schützenketten sind Silbertaler befestigt – einer für jeden Schützenkönig, der jährlich auserkoren wurde. Hannelore Uffelmann hat allein fünf Silbertaler erhalten. „Es wäre wirklich schön, wenn die Fahne und die Ketten im Museum aufgehängt werden“, betont sie. Nun werden die Dinge vorerst der Stadt übergeben. Nach der Vereinsauflösung können die Mitglieder der Oberlandler zu anderen Vereinen übergehen.

Schützenwesen im Landkreis stabil

In der Stadt gibt es sechs weitere Schützenvereine: die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft (FSG) Starnberg, die Schützengesellschaft der FT09 Starnberg, die Bergschützen Hanfeld, die Stefanischützen Söcking, die Schützengesellschaft 1874 Percha und die Adlerschützen in Wangen. Den Schritt würden allerdings nur die wenigsten machen, sagt Hannelore Uffelmann. Sie sei noch immer auf den Dienstag fixiert, sagt die Schriftführerin – da fand der wöchentliche Schießabend statt. „Da wussten auch meine Kinder, dass sie mich an dem Abend nicht erreichen können“, sagt sie und lacht.

Kreisschützenmeister Andreas Lechermann bedauert die Entwicklung, sieht darin jedoch keinen Trend. Das Schützenwesen im Landkreis sei insgesamt recht stabil und bewege sich sogar eher in Richtung Zuwachs, erklärt er auf Anfrage.

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