Rund 100 Gäste erleben im Haushamer Bürgersaal eine humorvolle Mischung aus Musik, Gedichten und Erinnerungen zum Jubiläum der Gemeindebücherei.
Kongenial-kindsköpfig, improvisatorisch-durchdacht sowie tiefgründig-lustig geriet der Benefizabend von Marcus H. Rosenmüller und Erich Kogler zu Gunsten ihrer Haus- und Hof-Bücherei. Deren 100-jähriges Jubiläum feierten die beiden Überzeugungs-Haushamer in einer wilden, sprachakrobatischen und musikalisch vielfältig Mischung zum Pläsier von rund 100 Mitbürgern.
Ein festgelegtes Programm gab es am Freitagabend im Haushamer Bürgersaal bei Regisseur, Drehbuchautor und Gedichte-Schreiber Rosenmüller und seinem ehemaligen Klassenkameraden, dem Haushamer Musiker, Liedermacher, Kabarettisten und Gemeinderat Kogler nicht. Dafür eine wilde, beinah assoziative Mischung aus Gedichten und Liedern, Erinnerungen und Anspielungen, Reflexionen und Geständnissen, die persönliche Einblicke in die gemeinsam verbrachte Jugend und das Heranwachsen der beiden Künstler in Hausham gewährte – und welche Rolle dabei die Impulse aus der Gemeindebücherei spielten.
Geprägt vom Pumuckl
Nachdem Bürgermeister Jens Zangenfeind – übrigens ebenfalls Klassenkamerad des Duos „Rosi und Erich“ – die Gäste begrüßt und Beate Weindl von der Bücherei für die Organisation des Abends gedankt hatte, legten die beiden los. Und zwar mit dem bayerischen Anarcho-Charakter, der die beiden offenbar geprägt und zumindest Rosenmüller bis hin zu einer Regiearbeit begleitet hat: der Pumuckl. Das Meister Eder-Zitat „Es muss aa blöde Leut‘ geb’n, aber schad‘, dass‘ immer mehra wer’n“ hatte Kogler vertont und mit absurden Beispielen aus dem Alltag unterlegt. Rosenmüller, der einen Wust an Zetteln mit selbstgeschrieben Gedichten und einen Stapel Bücher mitgebracht hatte, parierte rezitierend und zitierend. Etwa aus seinem eigenen, zusammen mit Gerd Baumann und Martin Kett verfassten Buch „Wenn nicht wer Du“, dem Bändchen von Peter Fischli und David Weiss „Findet mich das Glück“, aber auch aus Sammlungen mit Gedichten von Ringelnatz, Erich Mühsam, Joseph Roth und Heinz Erhard sowie Texten von Anton Neuhäusler, alias Franz Ringeis.
Philosophierten über das Älterwerden, über Aktuelles und Grundsätzliches
Im rasanten Wechselspiel reflektierten Rosenmüller und Kogler ihre Schulzeit, wobei sich das Mitleid, dass man vielleicht mit ihren ehemaligen Lehrern am Gymnasium Miesbach hätte empfinden können, ob der Comedy des einstigen „Duo Infernale“ in Grenzen hielt. Sie beleuchteten ihre Beziehungen – auch die zu ihren Eltern, Frauen und ihrem Nachwuchs –, philosophierten über das Älterwerden, über Aktuelles und Grundsätzliches, über Alkoholkonsum und Gartenarbeit, über die Liebe und über die tiefe Weisheit in den Fragen ihrer Kinder. Rosenmüller brillierte mit Gedichten wie „Unter allen Verrätern dieser Welt“, „Jahrhundertwerk“, „Eheglück“, „Die Lebensregeln“ als lautmalerischer Sprachakrobat mit akupunkturnadelgenauer Treffsicherheit. Kogler begeisterte mit seinem Humor, seiner Selbstironie, seinem bärigen, kraftvollen Gesang und seinen Songs, mit denen er sprach- und dialektübergreifend, Gitarre, Piano und Mundharmonika spielend durch die Genres Blues, Rock, Country und klassisches Singer- und Songwriting reiste: vom „Köttbullar-Blues“ über das melodische „Beziehungszyklus“ über das Midlife-Crisis-Lied „Jetzt, wo I über 50 bin“ und dem bayrischen Countrysong „Hauptsach, Du fühlst Di guat“ zu den philosophischen Songs wie „Es bleiben Fragen“ und Liebesliedern wie „I waar so gern a Bleame in Deinem Garten“ oder „Dahoam“.
„Geniale Botschafter unserer Gemeinde“
Es war ein zutiefst persönlicher, aus der langen Freundschaft von „Rosi und Erich“ und der Energie der Gemeindebücherei entstandener, einzigartiger und so nicht wiederholbarer Abend. Für diesen bedankte sich das Publikum mit langem Applaus und Spenden für die Bücherei. Zangenfeind bescheinigte den Künstler am Ende: „Das hat richtig Spaß gemacht. Ihr seid geniale Botschafter unserer Gemeinde.“