Geschichtsträchtige Brücke taucht aus Isar auf

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Selbst der Freisinger Nachwuchs war erstaunt, was da für Holzstücke aus dem Isarwasser ragen. Recherchen im Stadtarchiv ergaben, dass das die Reste der Grundpfosten der hölzernen Behelfsbrücke von 1945 sind. © Lehmann

Holzstamm-Reste ragen derzeit in der Isar bei Freising an Kiesufer-Nähe auf. Sind es Relikte aus der Vergangenheit? Das Tagblatt ging auf Spurensuche.

Freising – Wegen des niedrigen Pegelstands der Isar waren an den letzten Sommertagen zahlreiche Holzstamm-Reste in der Kiesufer-Nähe zu sehen, die für großes Staunen und Rätselraten bei den Badegästen sorgten. Aufgrund der Lokalisation und der Beschaffenheit der Holzstumpen handelt es sich allerdings nicht etwa um ein Kunstprojekt, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Relikt aus den ersten Nachkriegstagen: die Reste einer Notbrücke, die die Lerchenfelder 1945 errichtet hatten.

Korbiniansbrücke zersprengt – Behelfsbrücke musste her

Rückblick: Am 29. April 1945 rückten US-Truppen auf Freising vor – allerdings ging die Befreiung vom nationalsozialistischem Regime in der Domstadt nicht ganz kampflos von sich. Fakt ist: Um 18 Uhr an diesem Tag war auch in Freising der Zweite Weltkrieg beendet – davor gab es allerdings noch einen letzten lauten Knall. Fliehende SS-Soldaten hatten einige Teile der Korbiniansbrücke gesprengt und so Lerchenfeld von Freising abgeschnitten. Doch die Amerikaner ließen sich davon nicht abhalten und nutzten eine Pontonbrücke aus einzelnen Schwimm-Elementen, um nach Lerchenfeld zu kommen. Dieser Übergang wurde allerdings streng bewacht und durfte auf keinen Fall von Zivilisten genutzt werden, weshalb die Lerchenfelder kurzum selbst Hand anlegten.

So sah die hölzerne Behelfsbrücke aus, die 1945 errichtet wurde. Der Pfeil zeigt die Stelle, an der jetzt die Holzreste aufgetaucht sind.
So sah die hölzerne Behelfsbrücke aus, die 1945 errichtet wurde. Der Pfeil zeigt die Stelle, an der jetzt die Holzreste aufgetaucht sind. © LEHMANN

Vom 4. bis 11. Mai, also innerhalb von nur fünf Tagen, zogen die Lerchenfelder einen Not-Steg auf. Wie aufwendig und kompliziert das im Nachkriegs-Freising gewesen sein mag, zeigen die Eckdaten dieser Notbrücke, denn sie hatte eine Länge von 56 Metern und eine Breite von 1,40 Metern. Die Arbeiten wurden von der Bevölkerung in Eigenregie übernommen, nur für die Zimmermannsarbeiten wurden Fachleute engagiert.

Bürgerbrücke fundamental für Bewohner wichtig

Was im Stadtarchiv auch nachzulesen ist: Bereits am 2. Juni, um 16.30 Uhr, konnte die Brücke sogar befahren werden. Wenngleich diese Notbrücke immer wieder mal für Arbeiten gesperrt werden musste, war sie dennoch fundamental wichtig, um etwa für die Heuernte genutzt zu werden. Restlos abgeschlossen wurden die Arbeiten erst im November 1945. Was aus den Archiv-Unterlagen deutlich wird: Das für die Brücke benötigte Material war schwierig zu beschaffen. Daher haben wohl vor allem der „zähe Wille und die Hilfsbereitschaft“ einiger Freisinger Unternehmer und Geschäftsleute für eine zügige Fertigstellung gesorgt. Am Bau beteiligt waren: eine Zimmerermeister, zwei Zimmererpoliere, sieben Zimmerergesellen, zwei Lehrlinge, ein Maschinist und 16 Hilfsarbeiter. Verbaut wurden 700 Festmeter Holz und 8050 Kilogramm Eisen. Die Kosten: rund 50 000 Reichsmark. Geschlagen wurde das Brückenholz im Freisinger Forst.

1948 wurde die Korbiniansbrücke wieder aufgebaut. Dabei wurde nicht nur die Behelfsbrücke abgerissen, sondern auch die Kapelle auf einem der Brückenpfeiler und das Brückentor.

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