Enteignung ermöglicht neuen Radweg zwischen Pullach und München

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Eins der ehemaligen Gebäude des Staatsbahnhofs, die noch stehen. Auch Schrebergärten prägen das Areal, das einem Bauunternehmer gehört und seit Jahren verfällt. Eine Weile wurde hier ein Kiosk betrieben, das Isar-Fräulein. © Andrea Kästle

Nach jahrelangem Rechtsstreit darf die Gemeinde ein Schlüsselgrundstück enteignen und den Radweg um fast einen Kilometer ausbauen.

Es ist eins dieser Ewigkeitsprojekte, von denen man schon gar nicht mehr zu hoffen wagte, dass sie irgendwann mal abgeschlossen werden könnten. Jetzt tut sich doch was bezüglich des Radwegs von Pullach nach München, auf der Trasse der alten Isartalbahn. Das fehlende Teilstück, das nie gebaut werden hat können, weil ein Privateigentümer den Grund dafür nicht hergab, darf nun enteignet werden. Ein entsprechender Bescheid wurde dieser Tage vom Landratsamt erlassen.

„Für uns ist das ein Etappensieg, auch wenn er nach elf Jahren mit großer Verspätung kommt“, kommentiert Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) die Tatsache, dass jetzt doch mal was vorwärtsgeht bei dem Thema. Die Entscheidung des Landratsamts sei „sehr fundiert“, Tausendfreund geht davon aus, dass zwar der Eigentümer gegen den Bescheid klagt, aber: „Ich bin guter Dinge, dass wir auch ein eventuelles Gerichtsverfahren positiv abschließen können.“

Letztlich geht es um 677 Quadratmeter, die der Bauunternehmer, dem das gesamte Staatsbahnhofgelände am Ende von Großhesselohe gehört, nicht hergeben möchte. Stünden diese 677 Quadratmeter zur Verfügung, könnte der Radweg von München, der jetzt auf der Heilmannstraße Höhe Heinrich Vogl-Straße endet, weitergeführt werden übers Carusowäldchen bis hin zur Hilariastraße. Dann hätten die Pullacher eine durchgehende Verbindung in die Stadt.

Immer wieder sind Eigentümer und Gemeinde in den vergangenen Jahren zu Gesprächen zusammen gekommen, ein Ergebnis wurde nie erzielt. Der Eigentümer will das an sich so schöne Eck von Großhesselohe neu bebauen – aber seine Pläne erschienen bislang jedem Gemeinderat einfach zu massiv. Für eine Stellungnahme gegenüber dem Münchner Merkur war er nicht zu erreichen.

Schon 2014 hatte unterdessen der Pullacher Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss gefasst, den Radweg betreffend. Damals gab es den Münchner Teil der schnurgeraden Radtrasse nach Thalkirchen längst, nur, eben: die Pullacher konnten nicht anstückeln, weil der Gemeinde die Flächen dafür fehlten. Das Radweg-Grundstück sei „eine Art Faustpfand“ des potenziellen Bauwerbers gewesen, sagt Tausendfreund. Die Agenda 21 hat das Areal als „Schickanier-Zwickel“ bezeichnet.

Wenn die 677 Quadratmeter nun wirklich enteignet werden, würde der Radweg um einen knappen Kilometer verlängert. Die Rathauschefin hofft, das Vorhaben innerhalb der nächsten drei Jahre umsetzen zu können – so wie es im Bescheid der übergeordneten Behörde vorgesehen ist. „Gebaut wäre der Radweg schnell“, sagt Tausendfreund, sobald die Gemeinde Rechtssicherheit hat. Allerdings – noch ist auch der Bescheid vom Landratsamt nicht rechtskräftig.

Dass die übergeordnete Behörde Enteignungen befürwortet, kommt nicht wirklich oft vor. Zuletzt wurden 2020 in Oberhaching einem Eigentümer Flächen entzogen, die man brauchte, um einen Geh- und Radweg fortführen zu können. Enteignungen sind immer, sagt Franziska Herr, Pressesprecherin im Landratsamt, die „ultima ratio“, auf die ausschließlich zum „Wohl der Allgemeinheit“ zurückgegriffen werden darf.