Mit topografischen Karten können Heimatforscher wichtige Erkenntnisse über die alte Zeit gewinnen. Wie, beschreibt Dr. Benno C. Gantner in einem neuen Band.
Andechs – Spezielle topografische Karten zeigen Landschaftsstrukturen, die auf dem Boden oft nicht oder nur für sehr geübte Augen erkennbar sind. Diese Karten unterstützen Historiker und Heimatforscher dabei, neue Erkenntnisse zu gewinnen und Hypothesen aufzustellen. Im Landkreis Starnberg haben diese „Schummerungskarten“ die Erforschung der früheren Burganlage in Andechs sowie der „Celtic Fields“ vorangetrieben. Die nun erschienenen „Studien zur Ortsgeschichtsforschung im Landkreis Starnberg, Band VIII“ stellt die Kartenauswertungen und Schlussfolgerungen der Autoren auf 94 Seiten vor.
Der Kreis der Geschichtsinteressierten war bei der erstmaligen Präsentation des Werks durch den Herausgeber, Autor und Historiker Dr. Benno C. Gantner mit 14 Personen überschaubar, das Interesse dafür groß. Robert Klier, Vizebürgermeister von Andechs, betonte bei der Veranstaltung im Klostergasthof: „Über die ehemalige Burg ist nicht viel bekannt, deshalb ist die Rekonstruktion sehr interessant. Für unsere Ortsgeschichte hat die Arbeit einen großen Wert.“ Die Karten, auf die sich Gantner bei seiner Forschung gestützt hat, stammen aus einer öffentlichen Quelle: Das Landesamt für Vermessung Bayern stellt über den Bayernatlas Laserdaten als sogenannte Reliefschummerung zur Verfügung. Die Karten zeigen dreidimensionale digitale Geländemodelle ohne Bewuchs, die von einer imaginären Lichtquelle beleuchtet werden. Niveauunterschiede werden sichtbar, und Forscher können archäologische Strukturen leichter aufspüren, auch in nun bewaldeten Gebieten.
Vergleich mit anderen Karten bringt Hinweise für Andechs
„2023 hat das Landesvermessungsamt die Daten freigegeben, davor mussten die Karten kostspielig erworben werden“, erklärt Gantner. Er verglich die Schummerungskarte vom heutigen Klosterberg in Andechs mit Karten anderer Standorte früherer Burgen, etwa in der Nähe von Schongau/Peiting: „Ich habe die Grundrisse übereinander gestellt“ – dabei stieß er auf erstaunliche Parallelen, die er in seinem Beitrag ausführt. Ergänzt wird die Abhandlung mit historischen Bildern und aktuellen Fotos: „Wir sind mit der Drohne den Berg abgeflogen. Florian Scheitler hat dann 3D-Ansichten erstellt, wie man sich die Burg um das Jahr 1100 vorstellen kann“, fasst Gantner zusammen. Den in digitaler Rekonstruktion erfahrenen Scheitler aus Lenggries hatte Gantner bei einer Veranstaltung kennengelernt.
In einem weiteren Beitrag des Studienheftes beleuchtet Dr. Volker Arnold, Historiker aus Schleswig-Holstein, die „Celtic Fields“, den heute noch erkennbaren Spuren urgeschichtlicher Beackerung. Arnold kam auf den Arbeitskreis Ortsgeschichtsforschung des Landkreises zu, da er bei der Auswertung von Schummerungskarten das mit zehn Quadratkilometern größte „Celtic Field“ Bayerns im Forstenrieder Park entdeckt hat. Die leicht erhöhten oder als Terrassenstufen angelegten Feldränder sind im Geländerelief durch rote Markierungen erkennbar. Gantner sieht das „Celtic Field“ im Forstenrieder Park angesichts des geplanten Baus mehrerer Windräder bedroht: „Das Landesdenkmalamt erkennt die Feldfunde nicht an. Die Strukturen gehen immer mehr kaputt.“
Band VIII der Studien zur Ortsgeschichtsforschung im Landkreis Starnberg kann beim Apelles Verlag Starnberg bezogen werden (apellesverlag.com). (bai)