Deutschland hat sich mit 1:0 in Nordirland behauptet. Schön war der Erfolg nicht. Bundestrainer Julian Nagelsmann war dennoch nicht unzufrieden.
Belfast – Am Ende war die Erleichterung spürbar groß, als der spanische Schiedsrichter Jesus Gil Manzano das Treiben im ausverkauften Windsor Park in Belfast am Dienstagabend beendet hatte. Deutschland hat sich in einem intensiven und teilweise sehr hart geführten Duell in Nordirland mit 1:0 (1:0) durchgesetzt.
Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich somit in der WM-Qualifikationsgruppe A auf Platz eins festgesetzt. Absolut Fussball, das Fußballportal von Home of Sports, sieht fünf Erkenntnisse.
1.) Das Team kann einen „schmutzigen Sieg“ einfahren
Ist das Glas nach dem Erfolg in Belfast halbvoll oder halbleer? Die eine Seite bemängelte den engen Fight, hätte sich einen klareren Erfolg erhofft. Die andere Seite hob Kampfgeist und Widerstandsfähigkeit hervor. Auch unter Journalisten in der Mixed Zone gab es hitzige Diskussionen nach der Partie.
David Raum fasste es treffend zusammen: „Wir wussten, dass es harte Arbeit wird und uns ‚Kick und rush‘ erwartet. Es ist schön, dass wir diesen Pflichtsieg eingefahren haben.“ Es sind diese Dreier, die am Fußball-Stammtisch so gerne als ‚dreckig‘ bezeichnet werden. Im Windsor Park gab es keinen Schönheitspreis zu gewinnen.
2.) DFB-Team lässt sich voll auf den Gegner ein
Der lange Ball und die Jagd nach zweiten, dritten und vierten Bällen? Nagelsmann lobte: „Das Einlassen auf dieses Spiel war ganz wichtig.“ Jeder Akteur auf dem Platz nahm den Nahkampf an, stemmte sich gegen die robuste und teilweise sehr harte Gangart des Gegners. 59 Prozent gewonnene Luftzweikämpfe sind ein deutliches Zeichen.
Zudem war auch der lange Ball ein häufig gewähltes Stilmittel. Alleine Nico Schlotterbeck schlug das Leder insgesamt – mit tollen Diagonalbällen – 17-mal nach vorne. Tikitaka? Das ließen weder der seifige, tiefe Platz noch der von einem emotionalen Publikum angetriebene Gegner in seiner Festung Windsor Park zu.
3.) Abwehrduo harmoniert immer besser
Die Gegner? Sie hießen zwar „nur“ Luxemburg (4:0) und Nordirland. Doch in der ersten Länderspielpause wackelte das Team gegen die Slowakei (0:2) und ebenfalls Nordirland (3:1) defensiv deutlich heftiger. Es wäre zu einfach, alles mit Schlotterbeck in Verbindung zu bringen. Mit ihm an der Seite wirkt Jonathan Tah aber deutlich souveräner als zuletzt mit dem verletzt ausfallenden Antonio Rüdiger.
„Die beiden haben es sehr gut gemacht“, sagte Nagelsmann auf Nachfrage von Absolut Fussball. Er hob hervor: „Tah hat es zuletzt schon bei Bayern super gemacht. Er hat auch diesmal mit Schlotterbeck gut verteidigt. Sie haben sich vor allem in der Luft stark behauptet.“ Das stimmt: Tah gewann drei seiner vier und Schlotterbeck gar fünf seiner sechs Kopfballduelle. Sie sind jetzt die Platzhirsche.
4.) Der ruhende Ball nimmt einen wichtigen Teil ein
Die Bilanz unter Standardtrainer Mads Buttgereit war während der Europameisterschaft 2024 noch ausbaufähig. Das hat sich inzwischen verändert. Gegen Luxemburg und Nordirland gab es jeweils ein Tor nach Ecke. Vor allem in Belfast hat es genau diesen Dosenöffner benötigt. Es war eine Partie mit wenigen Möglichkeiten.
Umso wichtiger ist dann der ruhende Ball. Gegen Luxemburg zappelte das Leder zudem noch nach einem direkten Freistoß und einem Elfmeter im Netz. Bereits im ersten Lehrgang der Saison traf auch Florian Wirtz per Freistoß. Wenn die Offensive nicht wie gewünscht funktioniert, dann gibt es für dieses Stilmittel kein Verbot.
5.) Der Knoten platzt bei Nick Woltemade
In diesem Lehrgang stand der Angriff nicht im Fokus. Dementsprechend wirkte das Offensivspiel des DFB-Teams zwar bemüht, in weiten Phasen allerdings arg zerstückelt und unzusammenhängend. Dennoch tankte ein Akteur Selbstvertrauen: Nick Woltemade. Es dauerte sechs Länderspiele, dann „schulterte“ er das Leder über die Linie.
Woltemade hob sich seinen Debüttreffer für Deutschland also für einen ganz wichtigen Moment auf. Nagelsmann hatte es zuvor noch prophezeit, er blieb nach dem Duell gegen Luxemburg daher auch ganz gelassen. Woltemade überzeugte auch als Kämpfer! Er führte 19 Zweikämpfe und gewann davon acht. Auch der Newcastle-Stürmer hatte voll und ganz verinnerlicht, worum es ging.