Fataler Irrtum in Bielefeld - Unschuldiger Uni-Dozent in eigener Wohnung brutal attackiert - SEK verwechselte die Tür

Ein Einsatz, der fassungslos macht: In Bielefeld sollte das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei einen mutmaßlichen Kriminellen festnehmen – einen schwer tätowierten Rocker. Doch die Beamten stürmten die falsche Wohnung und gingen mit voller Härte gegen einen unschuldigen Uni-Dozenten vor. Das berichtet die "Bild".

"Ich dachte: Jetzt sterbe ich“

Dr. Amir Jahanian-Najafabadi (37), Neurowissenschaftler, und seine Frau Dr. Hadis Imani (36) wurden in der Nacht des 26. März 2023 jäh aus dem Schlaf gerissen. „Es gab eine ohrenbetäubende Explosion. Als ich aufstand, erkannte ich hinter der Milchglastür unseres Schlafzimmers bewaffnete, maskierte Männer. Ich wusste nicht, wer die sind. Ich dachte: Jetzt sterbe ich“, schildert Jahanian-Najafabadi das Erlebte der "Bild".

Sekunden später durchbrachen die Polizisten die Glastür zum Schlafzimmer. Ohne Vorwarnung stürzten sie sich auf den Akademiker, warfen ihn auf das Bett – so heftig, dass es unter ihm zusammenbrach. „Dann schlugen sie mir unzählige Male ins Gesicht“, berichtet er mit bebender Stimme. Seine Frau wurde derweil mit einer Waffe bedroht. „Meiner Frau hielten sie eine Pistole an den Kopf. Als ich fragte, wer sie seien, sagten die Männer, dass sie es später erklären würden.“

Erst nach einer scheinbar endlosen Zeit überprüften die Beamten die Personalien des Paares – und stellten fest, dass sie den Falschen attackiert hatten. „Sie sagten mir den Namen des Gesuchten, als ich ihnen sagte, dass ich Dr. Amir Jahanian-Najafabadi heiße, bemerkten sie ihren Irrtum.“ Der Mann, den sie eigentlich festnehmen wollten, wohnte offenbar eine Etage höher.

Beamte wischten ihm Blut aus dem Gesicht und verschwanden

Doch damit nicht genug. Bevor die Einsatzkräfte verschwanden, soll einer der Polizisten dem Wissenschaftler den Finger in den Mund gesteckt haben, um zu prüfen, ob Zähne ausgeschlagen wurden. „Es war einfach nur demütigend“, sagt Jahanian-Najafabadi. Danach wischten die Beamten sein blutüberströmtes Gesicht ab – und gingen. Zurück blieb eine verwüstete Wohnung und ein schwer verletztes Ehepaar.

Polizei bedauert Irrtum

Der Akademiker musste ins Krankenhaus, kann bis heute kaum laufen und hat starke Schmerzen beim Kauen. Seine Frau leidet psychisch unter dem Vorfall. Beide schlafen mittlerweile nur noch bei Licht. Die Polizei Bielefeld äußerte sich in einer Mitteilung: „Die Polizei Bielefeld bedauert es sehr, dass bei einem Polizei-Einsatz ein Unbeteiligter verletzt wurde.“ Ob der Einsatz unverhältnismäßig brutal war, werde strafrechtlich geprüft.

Doch für das Paar bleibt vor allem eines: das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. „Wir fühlen uns alleine gelassen“, sagt Jahanian-Najafabadi. Zwar entschuldigte sich die Polizeipräsidentin persönlich, doch passiert sei seitdem wenig. Die Polizei übernahm lediglich die Kosten für Hotelübernachtungen, zerstörtes Inventar und eine Entschädigungssumme – Schmerzensgeld gab es bislang nicht.