Die Bob-Legenden Zimmerer, Utzschneider und Gaisreiter planen mit Mitstreitern ein Bob-Museum in Ohlstadt, das sie im entstehenden Gemeindehaus unterbringen möchten. Die Chancen zur Realisierung stehen aber nicht besonders gut. Bürgermeister Christian Scheuerer sieht die Gemeinde Ohlstadt derzeit weder zur finanziellen Unterstützung in der Lage, noch könne sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.
Ohlstadt – Die Unterschriften auf dem Schreiben hätten für Autogrammjäger mit Sicherheit einen gewissen Wert – vor allem für jene, die Fans der Männer sind, die den internationalen Zweier- und Vierbobsport in den 1960-er und 1970-er Jahre entscheidend geprägt haben. Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider gewannen Gold bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo, Stefan Gaisreiter war erst zusammen mit Zimmerer und Utzschneider als Anschieber erfolgreich, ehe er als Pilot des deutschen Vierers 1979 auf der Bahn am Königssee den Weltmeistertitel holte. Damit haben sie gemeinsam mit Heinz Schelle den Mythos vom Bobdorf Ohlstadt begründet, das durch seine Sportler, die allesamt für den SV Ohlstadt fuhren, weltweite Bekanntheit erlangte.
Diese Geschichte und ihre Geschichten rund um die Männer, die in ihren rasenden Fahrzeugen durch die Eiskanäle schossen, sollen nun für die Nachwelt erhalten werden. Zimmerer, Utzschneider und Gaisreiter planen zusammen mit Christian Binder und Gaisreiter-Sohn Christoph sowie der Olympia Bobsport Stiftung und dem Bob- und Rodelclub Ohlstadt ein Bob-Museum. Die treibende Kraft des Projekts ist wohl Stefan Gaisreiter (77) – und das nicht erst seit gestern. „Ich bin da schon ganz lange dahinter, jetzt gerade besonders intensiv“, sagt er. Ein bisschen dränge die Zeit, meint er. „Wir Alten leben nicht ewig. Wir wollen die Erinnerung für die Jungen bewahren.“ Er glaubt auch, dass ein Museum dem darniederliegenden Tourismus in Ohlstadt einen Schub geben könnte.
Unterstützer gesucht
Dafür suchen die Helden der Vergangenheit Unterstützer. Die wollen sie bei einer Infoveranstaltung, die unter der Überschrift „Entstehen eines Bob-Museums in Ohlstadt“ firmiert, am heutigen Freitag (18 Uhr) im Gasthaus zur Post finden. Die Teilnehmer erfahren Gaisreiter zufolge, in welchem Stadium sich das Vorhaben befindet, was getan werden muss, was nötig ist, damit die Realisierung gelingt.
Unabdingbar scheint, dass die Gemeinde Ohlstadt sich im Boot befindet. „Sie müsste die Trägerschaft übernehmen“, sagt Gaisreiter. Als Ort des Museums stellt er sich Räumlichkeiten im geplanten Gemeindehaus am Schwaigweg vor. Eine Grobplanung hat er schon erstellt. Auf einem teils verglasten Raum von ungefähr 135 Quadratmetern und einer überdachten Galerie sollen die Exponate ausgestellt werden. Die lagern derzeit noch teils in Gaisreiters Keller, darunter Stücke, die aus der Ausstellung der Bayerischen Landesbank von 1985 stammen, die Gaisreiter damals mitgestaltete. Die historischen Bobs, solche von Heinz Schelle, Wolfgang Zimmerer und Gaisreiter, sind in einem Anbau an der Anschubbahn untergebracht. „Natürlich müssten die renoviert werden“, erklärt Gaisreiter.
Dazu ist Geld nötig. Und nicht nur dafür. Mit Unterstützung von Seiten der Gemeinde können die Bob-Helden von einst wohl kaum rechnen. Das macht Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) unmissverständlich klar. „Die finanzielle Situation der Kommunen ist bekannt, auch die von Ohlstadt ist nicht gut.“ Es sei von Gaisreiter und Co. legitim, Wünsche und Ideen zu haben, „doch wir können nicht alle Wünsche erfüllen“.
Schon gar nicht den, einen Raum im Gemeindehaus für das Bob-Museum zur Verfügung zu stellen. Das gesamte Gebäude sei mit etlichen Förderungen belegt, die Verfahren abgeschlossen. „Realistisch gesehen, spricht alles dagegen“, meint Scheuerer. Offiziell ist Gaisreiter noch nicht an die Politik herangetreten. Dem Gemeinderat liegt dem Rathauschef zufolge noch kein Antrag vor. Und auch von der Veranstaltung im Gasthaus zur Post habe er nur von dem Schreiben erfahren, das Gaisreiter mit der Anrede „Liebe Bobsportfreunde“ etliche Male verschickt hat. Scheuerer plant eine Stippvisite – er habe an diesem Abend zahlreiche Termine – und wird auch kurz das Wort ergreifen. „Ich werde sagen, was die Sicht der Gemeinde ist. Ich bin ein Freund davon, die Karten auf den Tisch zu legen.“
Gaisreiter setzt seine Hoffnungen allerdings nicht nur auf die Gemeinde. Er gedenkt, den Leader-Finanztopf anzuzapfen, der Geld für lokale Projekte gibt. Bei der neuen LAG-Managerin Angelika Schmid hat er schon vorgefühlt. Sein Eindruck nach den ersten Gesprächen ist positiv. „Ich glaube, von dort könnten wir Hilfe bekommen.“ Schmid bestätigt einen Kontakt. Ihrer Meinung nach steht das Projekt erst am Anfang. „Es muss noch viel abgeklärt werden.“ Zwar verfüge die Lokale Aktionsgruppe (LAG) noch über ein Budget, aber: „Viele verwechseln uns mit einer Bank, das sind wir nicht. Im Voraus geben wir keine Zusagen.“ Geld fließe erst, wenn alles abgeschlossen ist. Der Weg zum Bob-Museum – er ist noch weit.
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