Die neugestalteten Außenanlagen am Vermessungsamt bieten Raum für Artenvielfalt und Klimaresilienz.
Mitten in Erding blüht der erste zertifizierte Naturgarten im Landkreis: Brigitte Murla, Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, überreichte vor kurzem ein Zertifikat und eine Plakette an den Leiter des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV), Hauke Mescha. Oberbürgermeister Max Gotz sprach von einem „wegweisenden Termin“, der Bürgerinnen und Bürgern zeige, „was man in einem Garten machen kann“. Neben dem öffentlichen wurden auch drei private Gärten mit dem Zertifikat ausgezeichnet.
Farbenpracht aus 20 000 Zwiebeln
Mehr als 60 standortgerechte Gehölze und Wildrosen, 1500 winterharte Stauden und 20 000 Blumenzwiebeln hat Gartenbau-Ingenieur Martin Orthuber im Laufe der vergangenen drei Jahre auf das etwa 2000 Quadratmeter große Gelände rund um den Altbau und schräg hinter dem neuen Anbau des Amts gepflanzt. Im ans Egger-Grundstück angrenzenden Bereich gestaltete er im Schutz der großen Bäume Totholzstrukturen und Benjes㈠hecken aus Schnittgut. Beide bieten verschiedenen Tierarten Unterschlupf.
Mescha betonte in seiner Ansprache, dass auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Aufwertung des Gartens beigetragen hätten. Davon zeugen ein großes Wildbienenhaus, ein Sandbeet für bodennistende Insekten und ein paar Parkbänke. „Gerade als staatliche Einrichtung möchten wir zeigen, dass jeder einen Beitrag für Artenreichtum und gegen Insektensterben leisten kann, ohne dafür mehr Aufwand zu betreiben als für eine konventionelle Gartengestaltung und -pflege“, sagte der neue Amtsleiter, der das Projekt im Sinne seines Vorgängers Franz Traßl fortführte. Finanziert wurde es aus Mitteln eines Förderprogramms des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr sowie vom ADBV selbst.
Biodiversität und Klimaresilienz
Leon Kapfelsperger, Abteilungsleiter Bauen, Umwelt und Natur im Landratsamt Erding, lobte die Umgestaltung als „vorbildlich gelungen“. Es sei der erste öffentliche Garten im Landkreis, „der die Außenanlagen auf Biodiversität und Klimaresilienz ausgerichtet hat“, sagte er bei der Zertifikatsvergabe. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Michael Klinger, Kreisfachberater beim Landkreis Erding, zwar, dass auch der Kreisobstlehrgarten in St. Wolfgang den Vorgaben entspreche, „aber wir können uns ja schlecht selbst zertifizieren“.
Der Naturgarten „wie er im Buche steht“ sei „ein Ort, an dem sich Mensch und Tier wohlfühlen können“, sagte Kapfelsperger. In diesem Sinne wünschte auch Gotz den Mitarbeitern „angenehme, wohltuende Mittagspausen“ und den Pflanzen „gutes Gedeihen, aber auch die Mittel zur Pflege“. Um die wird sich laut einer Pressemitteilung des Vermessungsamts weiterhin Orthuber mit seiner Firma Flowerpowered kümmern.
Von wegen g‘schlampert
„Die Nachbarn sagen, es is g‘schlampert“, doch für die Vorsitzende vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege ist ein Naturgarten in der Nachbarschaft auszeichnungswürdig. Auch wenn es nur ein kleines Fleckerl ist, wie bei Jeannine und Michael Dusel aus Hofsingelding. Sie können ihren Garten ebenso mit der offiziellen Plakette „Naturgarten“ des Landesverbands zieren wie Robert Patzold aus Teufstetten, der zusammen mit seiner Frau Franziska an einem landwirtschaftlich bewirtschafteten Feld eine wahre Oase für Insekten eingerichtet hat. Das Zertifikat für Lorenz Voithenleitner aus Wartenberg nahm August Groh, Geschäftsführer des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, entgegen.