46 Hektar, Hubschrauberlandemöglichkeit, Reitstall: Käufer für Luxusimmobilie mit bewegter Historie gesucht

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In Alleinlage und mit Panoramaaussicht: Auf einer Anhöhe in Wackersberg liegt das Gut Sauersberg. Das Anwesen steht zum Verkauf. © Arndt Pröhl

Das historische Gut Sauersberg wird immer noch zum Verkauf angeboten. Mit beeindruckenden Fotos ist der Landsitz im Internet beschrieben. Die Immobilie hat eine interessante Historie.

Wackersberg – Eine Immobilienanzeige lässt aufhorchen: Für das Gut Sauersberg in Wackersberg, eines der imposantesten Anwesen im Tölzer Land, wird weiterhin ein Käufer gesucht. Auf den Internetseiten von zwei namhaften Luxusimmobilienmaklern ist das Gut zum Verkauf gelistet. Wie berichtet, war das Anwesen bereits im Sommer 2023 im Internet und in einem Magazin zum Kauf angeboten worden. Damals allerdings noch in einem größeren Umfang – mit insgesamt 91 Hektar statt der jetzt 46 Hektar Grund.

Landsitz mit langer Historie

Auf der Webseite von „Duken und von Wagenheim“ ist die Immobilie als „historischer Landsitz mit Bergpanorama und Reitanlage“ aufgeführt. Beeindruckende Fotos zeigen die Außenansicht der Gebäude, das großzügige Innenschwimmbad mit Spa, den Wohnbereich und das Kaminzimmer. Dazu gibt es eine Beschreibung des Anwesens mit Helikopterlandeplatz, Hütte nahe dem Blomberg sowie die Reitanlage mit Halle, Reitbahn und Parcours-Platz. An den Bildern lässt sich die Dimension von Gut Sauersberg erkennen. Das Anwesen bietet über 1700 Quadratmeter Wohnfläche. Die Grundstücksfläche inklusive Wald- und Wiesenflächen wird mit 462 057 Quadratmetern angegeben. Ein detailliertes Exposé gibt es nur auf Anfrage.

Friedrich Flick zu Kriegsende auf Gut Sauersberg verhaftet

Der Landsitz hat eine interessante Historie: Die erste urkundliche Erwähnung von Gut Sauersberg führt bis ins 15. Jahrhundert zurück. Ab 1928 gehörte das Landgut dem jüdischen Unternehmer Ignatz Nacher, der die Engelhardt-Brauerei zur zweitgrößten Brauerei-Gruppe Deutschlands aufgebaut hatte. Nachzulesen ist das auf der Internetseite www.anstageslicht.de. Am 28. August 1934 wurde Nacher auf Gut Sauersberg verhaftet. Die Tageszeitung „Berliner Morgenpost“ schildert in einem Artikel aus dem Jahr 2019, wie Nacher um seine Brauereianteile gebracht wurde. Der Unternehmer starb 1939 in Zürich.

Nicht ganz geklärt ist, wie Gut Sauersberg dann in die Hände seines nächsten Besitzers kam. Ab 1935 jedenfalls listet die Wackersberger Chronik Friedrich Flick als Besitzer auf. Er zählte zu den führenden deutschen Industriellen während der Nazi-Zeit. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs zog sich Flick auf das Landgut zurück. Hier wurde er im Sommer 1945 von den Alliierten verhaftet und anschließend im ehemaligen KZ Dachau interniert.

Im Rahmen der Nürnberger Prozesse wurde Flick zwei Jahre später wegen Verschleppung zur Sklavenarbeit, Ausplünderung der besetzten Gebiete und Teilnahme an Verbrechen der SS zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1950 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Später übernahm sein Sohn Friedrich Karl Flick († 2006) das Wackersberger Anwesen. 1997 übertrug er das auf einer Anhöhe thronende Grundstück an seine Tochter Alexandra.

Teil des Grundstücks offenbar verkauft

Der erste Versuch vor über zwei Jahren, den Landsitz zu verkaufen, war offensichtlich nicht von Erfolg gekrönt. Nur ein Teil des Grundstücks wurde scheinbar veräußert. Denn 2023 wurde die Immobilie mit etwa circa 45 Hektar mehr Fläche angeboten. Möglicherweise gehörte damals noch der nahegelegene Lehrlhof am Sauersberg dazu, den, wie berichtet, vor einem Jahr die ehemalige Münchner Wiesn-Wirtin Arabella Schörghuber von Familie Flick gekauft hat. Sie will den denkmalgeschützten Hof sanieren und dann für landwirtschaftliche Zwecke verpachten. Zu welchem Preis Gut Sauersberg den Besitzer wechseln soll – das verraten beide Makler auf ihren Internetseiten nicht. Den Kaufpreis gibt es nur auf Anfrage. Die Bitte um ein Interview haben beide Unternehmen unbeantwortet gelassen.