Zu viele kranke Streuner: Eine Katzenschutzverordnung soll helfen

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Im ewigen Kampf gegen Tierleid (v.l.): Monika Hausler, Birgit Heidemanns und Daniela Kargl mit den Vermittlungskatzen Tom, Jerry, Idefix und dem schwarzen Ivor (oben). © Kathrin Kapfer

Tierschützer beantragen eine Katzenschutzverordnung für Pastetten. Das Landratsamt ist skeptisch.

Pastetten – Sie sind putzig, flauschig – und meistens krank: Hunderte Katzen streunen durchs Erdinger Land, vermehren sich unkontrolliert, haben und übertragen diverse Krankheiten oder leiden an den Folgen von Verletzungen, die sie sich auf ihren Streifzügen zugezogen haben. Wenn sie Glück haben, landen sie in der Obhut engagierter Tierschützer. Doch die stoßen langsam an ihre Grenzen. Nun gibt es eine Initiative für eine Katzenschutzverordnung in Pastetten.

Federführend ist hier Christine Hafner vom Bund der Katzenfreunde. Sie hat dafür bereits die erforderlichen Daten gesammelt und den Antrag beim Landratsamt Erding gestellt. Laut Gesetz ist ein Nachweis notwendig, dass in einem anvisierten Gemeindegebiet ungewöhnlich viele kranke Katzen herumstreunen.

In Pastetten 155 Miezen eingesammelt

Mithilfe der Tierschützerinnen vom Verein Aktion Tier Kitty München hat Hafner dafür in den vergangenen Jahren 155 Katzen eingesammelt, 40 allein zwischen Januar und Juni, wie sie berichtet. Viele von ihnen werden im Katzenhaus an der Vinzenzstraße in Erding aufgepäppelt.

„Ziel ist eine kleiner werdende Katzenpopulation“, erklärt Birgit Heidemanns von der Aktion Tier Kitty, die in Erding die Auffangstation betreibt. Das ist auch der zentrale Punkt der Katzenschutzverordnung, die seit 2013 im deutschen Tierschutzgesetz verankert ist. Sie fordert für Halterkatzen mit Freigang ab einem Alter von fünf Monaten, dass sie kastriert, gekennzeichnet und registriert sind. In Bayern gibt es eine solche Verordnung erst in sieben Gemeinden.

Krank und unterernährt: In diesem bemitleidenswerten Zustand kommen die Katzen in der Obhut der Tierschützerinnen an.
Krank und unterernährt: So kommen die Katzen zu den Tierschützerinnen. © aktion tier Kitty München e.V.

Die Kreisbehörde bewertet den Vorstoß eher kritisch. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärt Peter Stadick, Abteilungsleiter im Gesundheits- und Veterinärwesen, dass er eine Katzenschutzverordnung für Pastetten für zu kleinteilig hält. Der Aufwand sei enorm. Doch auch, wenn man alle 26 Gemeinden einbeziehe, hält sich der Erfolg seiner Meinung nach in Grenzen, zumal es „personell gar nicht leistbar“ sei, die Verordnung überall umzusetzen und nachzuhalten.

Wie Abteilungsleiter Stadick hat auch die leitende Veterinärin im Landratsamt, Dr. Karin Deischl, Bedenken. „Katzen halten sich nicht an Landkreisgrenzen“, sagt sie. Jede streunende Katze sorge für weiteren Zuwachs in der Population.

Zudem habe die Katzenschutzverordnung „reinen Appellcharakter“, wie Stadick sagt. Ein Zusatz, dass eine Missachtung der Katzenschutzverordnung als Ordnungswidrigkeit geahndet wird, sei zwar geplant, aber noch nicht im Gesetz verankert, so Stadick.

Im Landratsamt setzt man daher darauf, den schon bestehenden Maßnahmenkatalog auszuschöpfen. Der enthält laut Stadick die Möglichkeit, Bußgelder zu verhängen, im schlimmsten Fall sogar die Haltung von Tieren zu verbieten. Im ersten Schritt wollen die Veterinäre der Behörde Tierhalter aber aufklären.

Einmal katzeln: „völlig überaltet“

Laut dem Bund der Katzenfreunde gibt es im Freistaat „geschätzt 300 000 freilebende Streunerkatzen“. Auch im Landkreis Erding sei die Situation „katastrophal“, wie die Hallbergmooserin Heidemanns beklagt. Sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter – ein „Quotenmann“ ist auch im Team – fangen die Katzen ein, lassen sie tierärztlich behandeln, mit einem Chip ausstatten und kastrieren. Im Katzenhaus an der Vinzenzstraße werden die Streuner dann aufgepäppelt.

Tierärztin Deischl empfiehlt für Halter von freilaufenden Katzen ausdrücklich die Kastration: „Es ist eine völlig überaltete Anschauung, dass eine Katze zumindest einmal Junge bekommen soll“, sagt sie. Eine Kastration beeinträchtige weder die Gesundheit, noch habe sie Einfluss auf die Gemütslage der Katze.

In diesem Punkt sind sich Behörde und Tierschützer einig. „Nicht nur weibliche Tiere müssen kastriert werden, auch die Kater“, fordert Monika Hausler aus Schwaig. Sie fängt seit Jahren streunende Katzen im Landkreis ein. Im Erdinger Katzenhaus. Dort werden sie liebevoll gepflegt, tierärztlich versorgt und soweit aufgepäppelt, bis sie entweder vermittelt oder dorthin zurückgebracht werden, wo sie eingefangen wurden. Seit die Erdinger Dependance vor einem Jahr gegründet wurde, waren das 137 Katzen.

Und die kommen meistens in einem jämmerlichen Zustand an: Katzenschnupfen, Herpesviren und Giardien – Einzeller, die für einen blutigen Durchfall sorgen, sind an der Tagesordnung, dazu kommen teils schwere Verletzungen und genetische Beeinträchtigungen, die häufig von einer Inzucht herrühren.

Die Eittinger Tierärztinnen Dr. Tina Ruff und Dr. Landbrecht sowie Dr. Tina Hölscher in Obermenzing versorgen die Tiere professionell. Mindestens zweimal pro Woche fährt Vereinsvorsitzende Heidemanns eingefangene Katzen zum Tierarzt.

Pflege in Erdinger Auffangstation

Den meisten kann geholfen, einige müssen aber eingeschläfert werden. Wie Kater Siggi, dem wegen eines genetischen Defekts die Nahrung buchstäblich im Magen steckenblieb. Laut Heidemann führte die Tierärztin das auf Inzucht zurück. Ob Tom und Jerry, Berry, Mango, Ivor oder Idefix: Das Schicksal dieser goldigen Fellknäuel ist vergleichbar. Hausler füttert sie an, bis sie in die Falle gehen. Das alles wäre vermeidbar, wenn jeder Katzenhalter Verantwortung übernehmen würde, wie die erfahrenen Tierschützerinnen fordern.

Das betrifft nicht nur Landwirte, aber die meisten Katzen stammen doch von Bauernhöfen. 26 hat zum Beispiel einer, bei dem die Frauen zuletzt Überzeugungsarbeit geleistet haben. Manchmal verfängt die Botschaft und die Tierschützer erhalten zumindest die Erlaubnis, die Tiere zu kastrieren. Ein andermal aber nicht. Und der Teufelskreis geht weiter, auf Kosten der Katzen.

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