Lehrermangel vorerst ausgebremst - Aber Mittelschulen unter Druck

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Getüftelt und geschoben haben Schulamtsdirektorin Marion Gröbe (M.) und die Schulräte Verena Heigl und Michael Holzner, damit alle Stunden geleistet werden können. Das neue Triumvirat in der Ebersberger Behörde ist zufrieden. © Rossmann

Was das Lehrpersonal angeht, sind die Schulen im Kreis Ebersberg für das neue Schuljahr unerwartet gut aufgestellt. Dennoch gibt es einen Haken: An den Mittelschulen fehlt der Nachwuchs, hier kann der Pflichtunterricht nur noch durch Umverteilungen lückenlos stattfinden.

Landkreis - Es ist das erste Mal, dass Marion Gröbe die Zahlen fürs anstehende Schuljahr präsentiert. Die neue Leiterin des Ebersberger Schulamts sitzt am runden Tisch, sortiert ihre Unterlagen und senkt die Stimme. Sie traue es sich kaum laut auszusprechen, sagt sie verschämt. „Wir sind zufrieden, Ebersberg ist gut versorgt.“ Fast entschuldigend klingt sie dabei, denn während viele Landkreise über grassierenden Lehrermangel stöhnen, startet Ebersberg vergleichsweise gelassen ins neue Schuljahr.

Zwei neue Schulleiterinnen, eine neue Konrektorin

Sieben Lehrkräfte scheiden aus Altersgründen aus, darunter die Rektorinnen Susanne Böhm (Grafing) und Monika Koch (Forstinning). Neue Schulleiterinnen sind Dagmar Hammer (Grafing), Alice Fischer (Forstinning) und Olga Singer (Konrektorin Poing). Alle offenen Stellen seien besetzt, sagt Gröbe. Der Unterricht sei an allen Grund- und Mittelschulen im Landkreis gut abgedeckt, auch für die Mobile Reserve, Deutsch-Förderklassen und die Schulpsychologen reiche das Personal gut aus. Auch die Klassenstärken von durchschnittlich 22 (Grundschule) und 23 Schülern (Mittelschule) seien in Ordnung.

Ein leichtes Plus für Förderstunden

„Wir konnten sogar an allen Schulen ein leichtes Plus für Differenzierungsmaßnahmen vergeben“, sagt Gröbe. Diese Stunden könnten je nach Bedarf etwa für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder auch mal für besonders leistungsstarke Schüler verwendet werden. Allerdings handle es sich hier nur um einzelne Stunden, betont Gröbe. Nicht viel, aber immerhin. Man ist bescheiden in diesen Zeiten.

Schulstart in Zahlen

5973 Grundschüler in 272 Klassen

1982 Mittelschüler in 87 Klassen (davon 15 M-Klassen, 4 Vorbereitungsklassen)

1463 Schulanfänger

Durchschnittliche Klassenstärke: Grundschule 22, Mittelschule 23, maximal 29 Schüler

542 Lehrkräfte, zusätzlich 27 Unterstützer (Lehramtsstudenten, Quereinsteiger) mit 390 Lehrerstunden

7 Beratungslehrkräfte

9 Schulpsychologinnen

290 Lehrerstunden Deutschförderung

In das morgen beginnende Schuljahr starten die 23 Grundschulen und neun Mittelschulen im Eberberger Land ohne offene Baustellen. Doch das ließ sich nur durch Improvisation und Umverteilungen erreichen. Die positiven Zahlen dürften keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass die Lage allgemein sehr angespannt sei. „Wir haben natürlich einen Lehrermangel, das lässt sich nicht leugnen“, sagt Gröbe.

Mittelschulen sind dünn besetzt

Besonders dünn besetzt sei man im Mittelschulbereich. Und die Personaldecke werde künftig wohl nicht dicker. „Es gibt kaum Nachwuchs“, bedauert die Schulamtsdirektorin und wirbt: „Nach wie vor ist das ein großartiger Beruf, man bekommt sehr viel zurück, die Bindung zu den Kindern ist durch das Klassenlehrerprinzip deutlich größer als an anderen Schularten.“

Wir können den Mittelschulbereich nicht mehr mit dafür ausgebildeten Lehrkräften bedienen.

Das System funktioniert nur noch durch Verschiebungen und Kompromisse: „Wir können den Mittelschulbereich nicht mehr mit dafür ausgebildeten Lehrkräften bedienen, das ist ein Fakt.“ An allen Standorten müssten in den unteren Mittelschulklassen Grundschullehrkräfte einspringen.

Grundschullehrer helfen an Mittelschulen aus

Ein Blick in die Schulen zeigt: Das Problem ist nicht gelöst, aber verschoben. Michael Pollak, Rektor der Grund- und Mittelschule Aßling, tat sich mit der Planung heuer leichter als befürchtet, berichtet er. „Wir haben glücklicherweise alles besetzen können. Allerdings müssen Lehrkräfte der Grundschule in der Mittelschule unterstützen, anders hätten wir das nicht hinbekommen.“

An der Anni-Pickert-Schule in Poing klingt die Lage angespannter. Rektorin Eva Guerin erklärt: „Im Bereich der Grundschule passt es, an der Mittelschule spüren wir den Lehrermangel dagegen von Jahr zu Jahr mehr. Ohne die Unterstützung der Grundschullehrkräfte könnten wir den Unterricht nicht mehr abdecken.“ Zwar habe das Ministerium die Zugangsvoraussetzungen für Quereinsteiger erleichtert – doch Guerin betont: „Das reicht nicht, um den Lehrermangel an der Mittelschule abzufangen.“

Rektor Bär: „Kann mich nicht beschweren.“

Etwas gelassener gibt sich Alexander Bär von der Grund- und Mittelschule Ebersberg: „Bei uns sieht es ordentlich aus, alle angeforderten Stunden wurden bewilligt. Ich kann mich nicht beschweren.“ So positiv diese Einzelaussage klingt – sie darf nicht über die strukturelle Schieflage hinwegtäuschen. Dass Grundschullehrer inzwischen regelmäßig in Mittelschulen aushelfen müssen, ist Ausdruck einer systematischen Unterversorgung.

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